Beginnen wir mit einem Exkurs ins Lukas-Evangelium:

Am dritten Tag nach der Kreuzigung Jesu verlassen zwei Jünger Jerusalem. Ihnen schließt sich ein unbekannter Mann an. In ihrer Heimatstadt Emmaus angekommen, laden die Jünger den Mann in die Herberge ein. Er bricht am Tisch das Brot - und in diesem Moment erkennen sie den auferstandenen Jesus, der aber vor ihren Augen verschwindet. Die Jünger kehren sofort um und erzählen den noch in Jerusalem versammelten Jüngern von ihrem Erlebnis. Der Ostermontag gilt deshalb auch als "Tag der Emmaus-Jünger" oder "Tag der wandernden Jünger".


Wie passend, dass es erneut ein Ostermontag ist, an dem sich Markus Merz aufmacht, um die nunmehr dritte Etappe auf seiner Pilgerreise nach Jerusalem zurückzulegen. Der Pfarrer von der Coburger Kirchengemeinde St. Moriz wird auch diesmal wieder von mehreren Freunden sowie erstmals auch von einer seiner drei Töchter begleitet - und ganz bestimmt auch von einem guten (Heiligen?) Geist.

"Ich bin dankbar, aufbrechen zu können", sagt Markus Merz, "denn es ist doch eine Freude, wandern zu können." Die Etappe, die er sich vorgenommen hat, umfasst knapp 200 Kilometer von Gallneukirchen bei Linz in Oberösterreich nach Bratislava, kurz hinter der Grenze zur Slowakei. Ab Wien werden die Pilger allerdings mit dem Schiff fahren. Auf der Donau. "Auf diesem alten Kulturstrom!", schwärmt der Pfarrer bereits jetzt und freut sich auf diese Begegnung mit dem großen Fluss. "Wasser ist etwas sehr Schöpfungsbezogenes", erklärt Markus Merz. Außerdem würde es die Verhältnisse zurechtrücken: "Da der große Strom, hier der kleine Mensch."
So reizvoll es aber auch sein mag, dass Markus Merz auf der dritten Etappe sehr oft in der Nähe der Donau unterwegs sein wird: Der Pfarrer muss sich auch auf anderes Wasser einstellen. "Ich brauche noch ein Regencape", erzählt der Pfarrer und schmunzelt, als er an einen Tag bei der zweiten Etappe in Tschechien zurückdenkt: "Da war ich abends völlig durchnässt!"

Doch ansonsten hat er zum Glück ausschließlich sehr schöne Erinnerungen an Tschechien: "Ich bin durch tolle Gegenden gekommen und hatte Begegnungen mit vielen interessanten Menschen." Mit Daniel Matous zum Beispiel. Der Pfarrer von Marienbad bot der Coburger Pilgergruppe nicht nur ein Nachtquartier an, sondern lief am nächsten Tag auch etliche Kilometer mit. "Das war sehr hilfreich", erinnert sich Markus Merz, "denn in Tschechien gibt es praktisch keine markierten Wanderwege."


Einschlafen mit Gewölbe-Blick


Beeindruckend war für den Coburger Pfarrer auch so manche Übernachtung in einem Gotteshaus. "Es ist schon faszinierend, mit dem Blick auf das Gewölbe einer Kirche einzuschlafen."
Auch jetzt, auf der dritten Etappe, werden wieder einige besondere Quartiere dabei sein. Außer in einem evangelischen Gemeindehaus und einem katholischen Gemeindezentrum wird Markus Merz zum Beispiel im Benediktinerkloster Göttwe ig sowie auf der Greinburg erwartet; die direkt an der Donau gelegene Greinburg ist mehr als 500 Jahre alt und wurde 1823 von Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha erworben. Bis heute ist es im Besitz des Coburger Herzogshauses.

Das Planen von Quartieren bereits im Voraus wird - dessen ist sich Markus Merz bewusst - bei den künftigen Etappen, wenn es quer durch die Slowakei, Ungarn und weiter gen Israel geht, nicht mehr so einfach möglich sein. Allerdings hat er bereits seit dem ersten Tag der allerersten Etappe stets Schlafsack und Isomatte dabei. "Das ist auch ein Signal an meine Gastgeber", erklärt der Pfarrer, "denn ich freue mich zwar über eine Matratze, aber es muss nicht sein - ich bin schon dankbar für ein Dach über dem Kopf!"
Gut ausgeruht geht es dann am nächsten Morgen weiter. "Der Tag wird durchs Gebet strukturiert", berichtet Markus Merz. "Ich feiere Gottesdienste, ich spreche mit Menschen, und wir halten inne zum Mittagsgebet." Letzteres ist für den Pfarrer ein besonders schöner Brauch: "Egal, wo wir gerade sind: Wir bleiben um 12 Uhr stehen und beten für Frieden." In der Hektik des heimischen Alltags schafft das noch nicht einmal ein Pfarrer. Aber genau das ist es dann auch, was Markus Merz meint, wenn er sagt. "Ich freue mich bei meiner Wanderung vor allem auf die Verlangsamung der Wahrnehmung."

Was natürlich nicht heißt, dass der Pfarrer trödeln dürfte. Fünf Tage sind für die dritte Etappe eingeplant. Je nachdem, wie schnell sich die weiteren Etappen realisieren lassen, will Markus Merz in etwa sieben Jahren Jerusalem erreicht haben. Rund elf Kilometer vor dem großen Ziel wird übrigens das Städtchen Amwas erreicht. Es erhebt für sich den Anspruch, der biblische Ort Emmaus zu sein.

DAS PROJEKT

Ende 2010 hat Markus Merz mit der Verwirklichung einer ungewöhnlichen Aktion begonnen: Er läuft nach Jerusalem! Der Pfarrer von der Coburger Kirchengemeinde St. Moriz wird die enorme Strecke aber nicht in einem Stück laufen, sondern verteilt auf mehrere Etappen. Los ging's von Coburg in den tschechischen Grenzort Cheb; Etappe zwei führte im April von Cheb nach Gallneukirchen bei Linz in Oberösterreich. os