Das Konzert im Winter 2012 sollte eigentlich sein letztes im "Schwarzen Bären" sein. Das hatte Liedermacher Franz Benton damals angekündigt, weil er mit 60 Jahren keine Lust mehr auf das stressige Herumtouren hatte. Im Überschwang der Gefühle hatte er aber noch während des Konzerts das Versprechen gegeben, seinen 65. werde er in seiner "Hauptstadt" feiern. Der Geburtstag war 2017. Die Fans nahmen Franz Benton beim Wort und forderten die versprochene Party ein. Am kommenden Samstag ist es nun soweit. Ein wirklich letztes Mal wird Franz Benton auf der Bühne im seit Monaten ausverkauften "Bären" stehen. Begleiten wird ihn sein langjähriger Weggefährte Kiko Pedrozo und - das ist die Erfüllung eines ewigen Traums - Anne Haigis. Vor 27 Jahren bist Du das erste Mal im "Schwarzen Bären" aufgetreten, das Konzert jetzt ist seit einem Jahr ausverkauft und da willst Du Coburg und den Live-Konzerten wirklich endgültig Adieu sagen?

Franz Benton: Man soll aufhören, solange es noch geht und nicht erst, wenn keine Leute mehr kommen. Deshalb ist diese Minitour auch kein Comeback, sondern eine einmalige Zugabe. 2012 hattest Du angekündigt, gar keine Konzerte mehr spielen zu wollen. Dafür waren es jetzt aber doch noch ziemlich viele...

Diese kleine "Zugabe"-Tour findet eigentlich nur statt, um ein Coburger Versprechen einzulösen. In der großen Euphorie des letzten Konzertes im Schwarzen Bären hab' ich mich hinreißen lassen, zu verkünden, dass ich gerne meinen 65. in "meiner Hauptstadt" feiern würde. Das hat man nicht vergessen und mich immer wieder mahnend daran erinnert. Da man aber für ein Konzert genauso lange proben muss wie für 40, haben wir noch sechs weitere Lieblingsbühnen dazu genommen. Mehr nicht! Jetzt hoffe ich nur, dass die Coburger sich an ihren Teil des Versprechens erinnern. Der Deal war nämlich: Ich komme, aber sie singen für mich!

In diesem Punkt und auch was die Textsicherheit angeht, war auf die Coburger ja schon immer Verlass. Wie viele Lieder hast Du in Deiner langen Karriere eigentlich geschrieben? - Und wie viele davon sind dann doch nicht auf CDs oder der Bühne gelandet?

Es sind bis jetzt circa 120, die das Okay meiner Jury bekommen haben. Und mit dem neuen Album "1974" haben auch ein paar Schätzchen aus meiner Hippie zeit endlich den verdienten Weg in die Öffentlichkeit gefunden. 2012 hast Du gesagt, wenn man zu früh anfängt, von Abschied zu reden, dann nimmt einen keiner mehr ernst - wie hat sich das jetzt bei den letzten Konzerten angefühlt?

Es war einfach wunderbar - wie immer! Werden wir Dich denn künftig als Privatier, also zum Beispiel beim Samba-Festival, in Coburg wiedersehen?

Inkognito als Wanderer bei der Burgbesichtigung, zu der ich es in 27 Jahren nicht einmal geschafft habe! Oder aber in ein paar Jahren bei der Premiere des "Benton-Musicals " im Landestheater (lacht). Wie sehen Deine Pläne aus? Wirst Du die Füße hochlegen und das Rentner-Leben genießen oder auch weiterhin das eine oder andere Lied schreiben?

Das schließt sich ja Gott sei Dank nicht aus. Die Füße hochlegen und ein Lied schreiben ist ja geradezu meine Idealvorstellung vom Rentnerleben. Du bist ja seit einiger Zeit auch Opa - hat Deine Enkelin auch die Musik im Blut?

Ich denke schon. Sie singt ja bereits auf meinem neuen Album kräftig mit. Natürlich bei dem Lied in dem es um die Schwangerschaft ihrer Mama geht. Im Rückblick auf ein langes Musiker-Leben, bedauerst Du, dass es mit der ganz großen Karriere nicht geklappt hat?

Nur wenn größere Reparaturen am Haus oder Auto anstehen. Sonst bin ich meist sehr zufrieden und möchte nicht mit den Alkohol- , Drogen- oder Beziehungsproblemen meiner berühmten Kollegen tauschen. Angesichts des fortgeschrittenen Alters Deiner "Publikümmer" - ist das Konzert in Beiersdorf eigentlich bestuhlt?

Zur Hälfte! Mehr Stühle gibt es leider nicht. Wie immer ist es aber ein äußerst interaktiver Abend in zwei Hälften, das heißt in der zweiten Hälfte wird getauscht - Sitzplatz gegen Stehplatz!