Diese Amis! Was haben sie nicht an sogenannten Gedenktagen? Am Donnerstag ist der "National Lazy Day", der nationale Faulpelz-Tag. Dabei weiß laut dem Internet-Portal www.kuriose-feiertage.de angeblich niemand, warum, wieso, von wem, weswegen und wann der Faulpelz-Tag am 10. August proklamiert wurde. Nicht zu verwechseln ist er jedenfalls mit dem Tag des Faulenzens (Goof-Off-Day) am 22. März oder dem Weltbummeltag (World Sauntering Day) am 19. Juni.

Wie auch immer: Fragt man die Menschen, wo und wie sie am liebsten faulenzen, dann sind die meisten für eine Antwort zu faul. Auf der Tageblatt-Facebook-Seite gab es aber einige Rückmeldungen. Nina Kutscher faulenzt zum Beispiel gerne in San Francisco mit Blick auf die Bucht. Mit dieser Einstellung kommt sie dem Coburger Professor Niko Kohls schon sehr nahe, der empfiehlt, den Moment bewusst zu genießen. Das tun auch Melanie Zink, die uns ihre nackten Füße am Strand übermittelt hat, und Grete Weißensee, die die Augenblicke genießt, in denen sie auf der Schaukel auf ihrer Veranda sitzt.

Faulsein ist ja spätestens verpönt, seit die Benediktiner das Motto "ora et labora" ausgegeben haben. "Bete und arbeite", mach's nicht wie die Grille, sondern wie die Ameise, und was der Lehrfabeln noch mehr sind. Freilich galt das Arbeitsgebot nicht für alle Schichten - wer die Mittel und Möglichkeiten hatte, ließ die Finger davon und beschäftigte sich mit angenehmeren Dingen.

Erst die Ökonomen des 17. und dann des 19. Jahrhunderts vertraten die These, dass Arbeit Wertschöpfung bedeute, was zur Forderung führte, dass jeder arbeiten können und dürfen müsse. Paul Lafarge, Schwiegersohn von Karl Marx, störte sich daran, wie die Arbeit für die Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert organisiert war und forderte ein "Recht auf Faulheit" - was aber auch keine Lösung war. Heute wird uns mit Schlagworten wie Work-Life-Balance eingebläut, dass wir uns Phasen schaffen müssen, in denen wir unsere Arbeitskraft regenerieren, möglichst mit einem Zugewinn an Fitness, Kompetenz oder irgendwas anderem, was man auf Facebook posten kann. Einfach faul sein geht irgendwie immer noch nicht.


Interview

Ein Gespräch mit dem Psychologen und Berater Niko Kohls, der Professor für Integrierte Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg ist.

Was versteht der Psychologe unter "faulenzen"?
Professor Niko Kohls: Faulenzen ist zu trennen vom Müßiggang. Faulenzen hat ja eher eine negative Konnotation in unserer effizienzorientierten Welt. Bei den alten Griechen und Römern war der Müßiggang eine Kultivierung von Lebensform. Damit wären wir ziemlich nah dran an meinem Forschungsthema, der Achtsamkeit, der Kultivierung des Augenblicks. Wir müssten dem Faulenzen den Genuss des Nichtstuns abgewinnen, und uns auf diese Weise der Achtsamkeit nähern und dem Motto von Horaz: Carpe Diem!

Wie wichtig ist faulenzen?
Sehr. Viele Leute haben die Erfahrung gemacht, dass sie die besten Ideen nicht am Schreibtisch hatten, sondern unter der Dusche oder im Bett kurz vorm Einschlafen. Die wenigsten können auf Knopfdruck kreativ sein. Insofern lohnt es sich, Inseln des Müßiggangs in den Arbeitsalltag zu integrieren. Damit könnte man erreichen, dass Menschen wieder zu Kreativitätsschüben kommen.

Kann faulenzen pathologisch werden? Oder: Wie viel Faulheit ist gesund?
Dafür hat die Gesellschaft bestimmte Normenkorridore eingerichtet. Der bei uns bekannteste ist der mit fünf Tagen Erwerbsarbeit und zwei Tagen Wochenende. Aber das deckt nicht alle Berufe ab, denken Sie an die Pflege oder die Gastronomie. In Südeuropa wird temperaturbedingt der Tag anders strukturiert, dort kennt man zum Beispiel die Siesta, die allgemeine Mittagsruhe. Das heißt, es gibt hier auch kulturelle Unterschiede. Je nachdem, wie man es auslegt, ist der Übergang vom Müßiggang zum Faulenzen eine Gratwanderung.

Wie faulenzt man richtig?
Das Handy abschalten, versuchen, so weit wie möglich nicht in der Vergangenheit zu wühlen oder die Zukunft zu antizipieren, sondern den Moment zu genießen.


Zur Person

Person Niko Kohls, Professor an der Hochschule Coburg, beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Auswirkungen von Achtsamkeit und Spiritualität auf die Lebensqualität.

Forschung 2012 habilitierte sich Niko Kohls mit dem Thema "Achtsamkeit und Spiritualität als potentielle Gesundheitsressourcen" an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilans-Universität München. Im September 2013 wurde an die Hochschule Coburg berufen und lehrt im Studiengang Integrative Gesundheitsförderung.

Schwerpunkte Professor Kohls lehrt und forscht zu den Gebieten Integrative Gesundheitsförderung, Gesundheitspsychologie, Stressbewältigung, Reslienz, Lebensqualität, Wohlbefinden im klinischen und nichtklinischen Kontext.