Der Füllbach beim Gruber Ortsteil Buscheller kann mit einem beherzten Sprung überquert werden. Aber vor etwa dreieinhalb Jahren hat den Bach bei der Autobahnbrücke über die Straße nach Friesendorf und Zeickhorn ein Biber für sich entdeckt und einen Damm errichtet. Das Bauwerk aus Ästen, Zweigen und Schlamm ist gerade mannshoch und nur wenige Meter lang, aber damit treibt der tierische Baumeister der Autobahndirektion Nordbayern und dem Zweckverband "Abwasserbeseitigung Mittlerer Itzgrund" tiefe Sorgenfalten auf die Stirn.

Ortstermin in Gummistiefeln

Ein gutes Dutzend Mitarbeiter der Autobahndirektion, des Landratsamts Coburg, der Bezirksregierung in Bayreuth sowie die Bürgermeister Jürgen Wittmann (Grub am Forst), Martin Rauscher (Niederfüllbach) und Bernd Reisenweber (Ebersdorf) waren am Dienstag - wieder einmal - zu einem Ortstermin an den aufgestauten Füllbach gekommen.

Der Biber hat mit seinem Stauwerk dort am Fuße des Straßendammes der Autobahn 73 ein wahres Biotop mit reicher Flora und Fauna geschaffen. "Da kommen jede Menge Menschen, sogar Kindergartengruppen und Schulklassen, um den Biberdamm und die Biberwohnburg anzuschauen", weiß Karl-Heinz Oberender, der in Sichtweite wohnt.

Aber durch das Aufstauen des Füllbachs um durchschnittlich 60 Zentimeter zu einem gut zwei Hektar großen See steht ein Wasserdurchlass unter der Autobahn hindurch ständig unter Wasser. "Das zwei Meter mächtige Rohr aus Wellstahl soll bei starkem Regen die Friesendorfer vor nassen Füßen bewahren. Ansonsten sollte in dem Rohr eigentlich kein Wasser sein", so Bauoberrat Michael Probst von der Autobahndirektion Nordbayern. In den Jahren der Bibertätigkeit hat der Wellstahl des Durchlasses angefangen zu rosten. Das wird mittelfristig die Tragfähigkeit zerstören. "Hier müssen wir auf jeden Fall etwas machen." Der Bauoberrat kann sich ein etwas dünneres Innenrohr aus Kunststoff vorstellen.

Grundwasserspiegel steigt

Der Bibersee hat auch den Grundwasserspiegel des ohnehin feuchten Areals angehoben. Dadurch bog sich der Wasserdurchlass bereits durch. Die Drainagerohre in den Feldern am Oberlauf des Füllbaches sind durch den Rückstau zu Bewässerungsleitungen mutiert anstatt das Wasser abzuleiten. Das verärgert die Landwirte. Einen höheren Wasserstand mag die Autobahndirektion nicht tolerieren, weil dann der Straßendamm durchweicht und instabil werden könnte.

Weiteres Problem des emsigen Bauens und Stauens des Bibers ist die Rohrleitung zur Kläranlage in Meschenbach. Diese führt durch den Bibersee. Drei Revisionsschächte sind mittlerweile nur mit Wathose oder Boot zu erreichen. Im Winter sind die ohnehin schon erhöhten Schächte mitunter überflutet. Dann ergießt sich der Füllbach in die Kläranlage, was die biologische Klärstufe zum Umkippen bringen kann. "Im schlimmsten Fall", so Reisenweber, "können wir die Abwässer nicht mehr reinigen."

Weiteres Problem des Bibersees bei Buscheller sind drei große Erlen. Einerseits hat der Biber die Stämme bis zur Hälfte angenagt, zum anderen sterben die Bäume durch die ständige Überflutung ab. Das gefährdet den Verkehr auf der A 73. Deshalb will die Autobahndirektion die Bäume bald beseitigen.

Ohne Biber an der Stelle gäbe es keine Probleme. Aber keiner der Verantwortlichen will dem Nager nachstellen oder ihn umsiedeln. Wobei das Gelände dann mit einem Elektrozaun umgeben werden müsste, "sonst ist nach kurzer Zeit wieder ein Biber da und staut lustig weiter", so Manfred Scheidler von der Höheren Naturschutzbehörde. Vorstellbar sei, den Wasserstand des Bibersee abzusenken. Die beteiligten Behörden werden nun mögliche bauliche Maßnahme prüfen und deren Kosten ermitteln. "Langfristig müssen wir etwas machen", so Bernd Reisenweber.

DAS SAGT DIE EXPERTIN


Konflikte zwischen Mensch und Biber sind nach den Worten von Evelyn Pilz vom Landratsamt Coburg kaum zu vermeiden. Gleichwohl sich die Tiere nur in wenigen Ausnahmefällen mehr als 20 Meter von "ihrem" Gewässer entfernen. Im Füllbach bei Buscheller sind die Konflikte der Wasserdurchlass unter der Autobahn und der Abwasserkanal zur Kläranlage in Meschenbach (siehe Text oben). Bei der Kadersmühle an der Rodach stand eine Wiese unter Wasser, den Tambach staute ein Biber bis in den Ort zurück. "Dort wurde damals auch der Damm entfernt, zwei Tage später war das Tier wieder dabei, ein Sperrwerk zu errichten."

Um Bäume vor den scharfen Zähnen des Bibers zu schützen, können die Pflanzen mit Drahtgeflechten geschützt werden. Steine an Straßen- und Uferdämmen verhindern, dass Wohn- und Fluchtröhren in den Untergrund gegraben werden. Der Biber-Tunnelbau an den Fischteichen im Coburger Stadtteil Neu-Neershof war es, der schließlich zur Jagd auf die Tiere führte. "Denn die Fischgewässer dort sind an drei Seiten von Deichen umgeben, und durch die Unterhöhlungen bestand die Gefahr eines Deichbruches und der möglichen Überflutung von Rödental-Waldsachsen", so Günther Pilz von der Unteren Naturschutzbehörde.

"Die ersten Biber haben sich bei uns im Raum etwa 2008 in der Rodach bei Seßlach wieder niedergelassen", erinnert sich Evelyn Pilz. "20 bis 30 Reviere sind im Landkreis heute dauerhaft besetzt", schätzt sie. Wobei es keine Erkenntnisse gibt, ob es sich dabei um einzelne Tiere oder um Familien handelt. "Im zweiten Jahr muss der Bibernachwuchs weiterziehen und sich ein eigenes Revier suchen", so die Fachfrau. Dabei könne es auch zu tödlichen Revierkämpfen kommen. "Biber bringen die Natur zurück", stellt Evelyn Pilz fest. Nach kurzer Zeit seien die Biberseen von anderen Wassertieren bevölkert, die Fischartenzahl kann ansteigen, Amphibien, Libellen und Wasservögel sind zu beobachten.


DER BIBER (Castor fiber)

Der Biber ist das zweitgrößte Nagetier der Erde. Große Tiere werden bis 1,30 Meter lang und wiegen dann über 30 Kilogramm. Die Masse der Biber bringt etwa 20Kilogramm auf die Waage. Biber sind überwiegend in der Dämmerung und Nacht aktiv, den Tag verbringen sie in selbst angelegten Bauten. Es sind reine Vegetarier, die sich im Sommer von Gräsern, Kräutern und Wasserpflanzen ernähren. In der kalten Jahreszeit fressen sie die Rinde von Bäumen und Sträuchern. Deshalb nagen sie meist im Winter Bäume an und um.


Biberbauten


Biber sind anspruchslos. Wo die Gewässer zu seicht sind, bauen sie Dämme. Der aufgestaute Wasserspiegel ermöglicht es den Tieren, zu ihren Futterquellen zu schwimmen oder zu tauchen. Biberdämme können mehr als 100 Meter lang,wo es nötig ist, errichten die Nager Dämme bis zu einer Höhe von drei Metern. In die Böschung von Gewässern graben Biber mehrere Röhren, die zum Wohnkessel führen. Darüber werden häufig Äste aufgeschichtet. Wo die Ufer zu flach sind,bauen Biber freistehende Burgen. Diese Asthaufen könne bis zu zwei Meter hoch werden und erreichen Durchmesser bis zu zehn Metern. Die Bauten der Biber stehen ebenso wie die Nager selbst unter strengem Schutz.


Zweckverband Abwasserbeseitigung


An die Kläranlage Meschenbach sind durch den Zweckverband Abwasserbeseitigung "Mittlerer Itzgrund" die Gemeinden Ahorn, Teile von Ebersdorf bei Coburg, Grub am Forst, Niederfüllbach und Untersiemau angeschlossen.