Der Verdacht

Versucht da ein ehemaliger Spitzensportler, der sich lange Jahre im Licht medialer Aufmerksamkeit sonnen durfte, den drohenden Absturz in den Orkus des Vergessens zu verhindern? Die zweite Karriere als Entertainer als Versuch der Selbsttherapie, als vorbeugende Maßnahme gegen die drohende Midlife-Crisis?

Das Vorurteil

Als Läufer wirkte Baumann in seiner aktiven Zeit bisweilen ein wenig zu verbissen - und das nicht erst als Folge der Doping-Anschuldigung im Umfeld einer ominösen Zahnpasta-Tube, die mit verbotenen leistungssteigernden Substanzen durchsetzt war. Kann ein ehemaliger Leistungssportler, der sich auf seine Beine und seine Ausdauer verlassen musste, im Leben danach zum Unterhaltungskünstler mutieren? Vorbeugende Skepsis scheint angebracht

Der Auftritt

Dann marschiert Dieter Baumann tatsächlich in den Saal des "Schwarzen Bären" in Beiersdorf, trägt feierlich eine weiße Fahne mit den fünf olympischen Ringen auf die Bühne und entzündet ein künstliches olympisches Feuer.

Der erste Eindruck

Was folgt, gerät jedoch nicht zur sentimentalen Erinnerungsreise eines Olympiasiegers und vielfachen deutschen Meisters. Denn der Comedian Dieter Baumann bedient sich zwar aus dem Erfahrungsschatz des einstigen Spitzensportlers. Doch das, was Baumann auf der Bühne zu bieten hat, wirkt keineswegs als Laienspiel. Auch als Comedian ist Baumann vielmehr ein Profi, der genau weiß, worauf es ankommt.

Das Programm

Mit Mut zur Selbstironie beleuchtet Baumann die Welt des Sports und deren Abgründe. Baumann lädt ein zum Blick hinter die Kulissen der Olympiade. Die Götter, von denen der Titel seines Programms erzählt, sind die hohen Funktionäre im IOC-Olymp, die diesen ebenso mächtigen wie reichen Sportbund längst in einen wunderbaren Selbstbedienungsladen verwandelt haben. Die Machenschaften und Geschäfte einflussreicher IOC-Funktionäre führt Baumann mit scheinbarer Beiläufigkeit genüsslich entlarvend vor.

Das Spiel mit dem Publikum

Unter den Zuhörern im fast ausverkauften Saal des "Schwarzen Bären" finden sich offenkundig viele begeisterte Hobby-Läufer, die Baumann immer wieder geschickt in sein Programm einbezieht. Zum cleveren dramaturgischen Kniff wird das Angebot, auf Kärtchen, die vor Beginn der Show verteilt werden, Fragen an Dieter Baumann zu stellen. Bei den Antworten beweist Baumann immer wieder seine Schlagfertigkeit.
Und immer wieder nutzt er auch die Gelegenheit, sich über allerlei Auswüchse des ungebrochenen Laufbooms lustig zu machen - von den vermeintlich leistungssteigernden Kompressionsstrümpfen bis hin zu LED-Stirnleuchten für nächtliche Läufer.

Das Fazit

Der Mann hat tatsächlich Comedy-Talent. Baumann punktet mit sprechender Mimik, pantomimischem Potenzial und gutem Gespür für sein Publikum. Sein Lohn: reichlich Szenenapplaus und ausdauernder Beifall am Ende für ein gelungenes Coburg-Debüt.