Gingen am Freitag die Blicke beim großen Feuerwerk zum Auftakt der Jubiläumsfeier "750 Jahre Ebersdorf" angesichts des Regens noch ein bisschen traurig in den Himmel, so herrschte gestern bei den Organisatoren rund um Bürgermeister Bernd Reisenweber und den Festausschuss-Vorsitzenden Detlef Spickmann eitel Sonnenschein. Der große historische Festumzug bescherte den Ebersdorfern zum Abschluss ihres dreitägigen Programms eine überwältige Zuschauerresonanz. Weit über 1500 Menschen beteiligten sich - teils in aufwändig geschneiderten Kostümen - am langen Marsch durch die Straßen der Gemeinde. Dann wurde bis in den Abend hinein zu den Klängen der "Wilhermsdorfer Blasmusik" gefeiert.
Eigentlich hatte Bürgermeister Bernd Reisenweber am Freitag einen anderen Programmablauf für den Festkommers zum Jubiläum "750 Jahre Ebersdorf" im Kopf. Da aber der ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) als Schirmherr im Stau festsaß, ging es mit dem "offiziellen Teil" eben etwas später los.
Dies tat der Feststimmung keinen Abbruch. Und trotz aller Verzögerungen bereiteten die Festbesucher dem verspäteten Schirmherrn eine herzliche Begrüßung. Zuvor fuhr dem Publikum im gut besuchten Festzelt allerdings der Schreck gewaltig durch die Glieder, als die für Beckstein vorgesehenen Böllerschüsse völlig überraschend mitten ins Programm hallten.
Flankiert von Bürgermeister Bernd Reisenweber (BG) sowie den weiteren Ehrengästen zog Günther Beckstein ins Zelt ein. Seine Festrede gab immer wieder Anlass zum Schmunzeln. So stellte er fest: "In der Chronik ist von einem schwarzen Weg zu lesen. Damit lag nahe, einen Schwarzen zum Schirmherrn zu machen." Auch wenn Ebersdorf durch die Gebietsreform zu einer großen Kommune zusammen gewachsen ist, gibt sie nach Meinung von Beckstein ihren Einwohnern Heimat und Zusammengehörigkeitsgefühl.
"Ebersdorf hat eine eigene Identität. Hier gibt es keine anonyme Gesellschaft. Das merkt man. Die Bürger sind stolz auf ihren Ort, gestalten ihre Heimat und geben sich selbstbewusst", erklärte der ehemalige Ministerpräsident. Beckstein bescheinigte, dass das Konzept der Gemeinde aufgehe, die Bürger an ihre Heimat zu binden. Sei vor der Wiedervereinigung die geografische Lage ein Nachteil gewesen, so biete heute die Autobahn einen Gestaltungsvorteil.
Anerkennung zollte Beckstein für die Art und Weise der Entwicklung: "Hier wird nicht Industrialisierung um jeden Preis betrieben sondern gestaltet - das ist wichtig." Das 750-jährige Bestehen eines Ortes sei nicht die Vergangenheit für das Sofa, sondern das Sprungbrett in die Zukunft.
Michael Busch:
Beherzte Bürger

Landrat Michael Busch (SPD), als Friesendorfer ja ein "eingemeindeter" Ebersdorfer, berichtete, dass es auch heute noch Spuren der vergangenen Jahrhunderte zu entdecken gebe, denn Ebersdorf habe eine lebendige Geschichte. Schon in der Vergangenheit seien die Bürger immer wieder beherzt dabei gewesen, ihr Dorf herzurichten. Man habe sich dem Strukturwandel nicht verschlossen. Für Busch ist Ebersdorf als Dorf "weltoffen und modern". Die Gemeinde habe sich im Wandel stets behauptet. Als Jubiläumsgabe überreichte Busch namens des Landkreises 375 Euro. ake
Franz Stegner:
Ein Mann will mehr

Franz Stegner, erfolgreicher Unternehmer und als "Lügenfranz" bekanntes Urgestein, war die Jubiläumsgabe des Landkreises ein bisschen wenig. "Das ist ja weniger als Hartz IV. Man hätte es ja verstehen können, wenn es 750 Euro gewesen wären", brummelte Stegner, bevor er 75 Jubiläumsorden zur weiteren Vergabe an den Bürgermeister überreichte. Die ersten Orden verlieh der "Lügenfranz" natürlich höchstselbst und schickte dem Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach gleich einen Orden für Bundeskanzlerin Angela Merkel mit. "Damit sie künftig weiß, wo Ebersdorf liegt", begründete Stegner. Der heute in Mittelfranken lebende "Lügenfranz" kündigte an, dass er der Gemeinde es weiteres Geburtstagsgeschenk machen werde: Am Sonntag, 23. September, werden zwei Sopranistinnen aus Stuttgart einen Gottesdienst in der Kirche mitgestalten. Am gleichen Tag werden auf Einladung Stegners auch Gotthilf Fischer ("Fischer-Chöre") und Walter Scholz in der Kultur- und Sporthalle auftreten. ake
Ein bisschen
kräftig gefeiert

Zwei junge Männer haben am Samstag kurz nach Mitternacht einen Mann mit einer blutenden Kopfplatzwunde auf einer Straße unweit des Festgeländes zur 750-Jahr-Feier gefunden. Neben dem Mann lag ein Fahrrad. Der 40-Jährige kam mit dem verständigten Rettungswagen ins Klinikum Coburg. Durch Zeugenbefragungen ermittelte die Polizei, dass der 40-Jährige sein Fahrrad schob, als er den Festplatz in Ebersdorf verließ. Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen auch nicht vor. Die Coburger Polizei vermutet nun, dass der Mann aufgrund seiner Alkoholisierung gestürzt ist und nicht mehr aufkam. pic
Am Sonntag
gab es Ärger

Gestört wurde die friedliche Feier am Sonntag kurz nach Mitternacht. Da kam es auf dem Festgelände zu einer Streitigkeit zwischen einem Mann und einer Frau. Der 18-Jährige beleidigte dabei die 21-Jährige und schlug ihr im Verlauf des Streits sogar mit der Faust gegen den Kopf. Die Sicherheitskräfte sprachen dem Mann vor Ort einen Platzverweis, weitere Ermittlungen durch die Polizei werden aber auch noch folgen. pic