Wie die Sonneberger Jazzfreunde das jedes Mal wieder hinkriegen, ist staunenswert. Auch heuer wieder große Künstler und Bands in der tiefsten Jazz-Provinz. Diesmal ist es Patti Austin, mit der die Sonneberger Jazztage markant und ihren Anspruch klar unterstreichend starten: Heute um 20 Uhr im Gesellschaftshaus Sonneberg huldigt die amerikanische Sängerin mit der rauchigen, "soulvollen" Stimme, wie sie immer wieder gelobt wird, einer Jazzlegende, nämlich Ella Fitzgerald, begleitet von Marc Secara und dem Berlin Jazz Orchestra unter Leitung des renommierten Posaunisten Jiggs Whigham (USA), die bereits mehrfach in Sonneberg zu Gast waren.
Am Freitag geht es im Neustadter Lindenhof nicht weniger vielversprechend weiter: mit Sidney Ellis und ihrer Yes Mama Band, die quer durch Blues, Classic Jazz und Gospel führen werden.

Gänzlich glücklich kann der Motor und künstlerische Leiter dieses beachtlichen Festivals, Peter Wicklein, allerdings auch im 26. Jahr der Jazztage nicht sein. "Es ist ein schwieriger Prozess, den Jazz in unserer Region zu verankern", fasst der 78-Jährige, der sein Berufsleben als klassischer Geiger in verschiedenen Orchestern verbracht hat, im Gespräch mit dem Tageblatt sein jahrzehntelanges Engagement zusammen. Dass in Südthüringen und Oberfranken auch heute noch Menschen der Meinung sind, Jazz sei unverständliche Musik - er kann nur mit dem Kopf schütteln.

Seit 1992 und zuvor schon in verrinnenden DDR-Zeiten haben er und seine Mitstreiter im Verein "Sonneberger Jazzfreunde" vom melodischen Schmeichler bis zum akustisch Experimentellen die kaum einzugrenzende Bandbreite der Jazzmusik in und für die Region demonstriert.

Ja freilich, er selbst und seine Sonneberger Jazzoptimisten mit ihren launigen Standards sind landauf, landab gern gesehene Gäste. Doch die paar Kilometer bis knapp über die südthüringische Grenze scheinen noch immer sehr lange Kilometer zu sein. Bis Neustadt, das ja fast zusammenstößt mit Sonneberg - ja das geht, da haben die Kilometer ihre herkömmliche Länge. Das Konzert dort am morgigen Freitag ist fast ausverkauft. (A bissla wos geht bei Jazzkonzerten ja immer noch, wer also spontan Lust hat, soll ruhig kommen). Zur Gala heute Abend dürfen es ruhig noch einige Besucher mehr werden.

"Wir brauchen die Region", betont Wicklein, wenn die Sonneberger Jazztage langfristig bestehen sollen. "Ländergrenzen gibt es doch im Jazz nicht. Und gerade hier bei uns, wir haben doch die gleichen kulturellen Wurzeln, die gleiche Sproch, wir mögen das gleiche Essen..."

Doch mal halblang: Jedes Jahr kommen immerhin durchschnittlich 3500 Besucher zu den fünf Jazztagen und selbstverständlich ist bei den großen Namen "die Bude voll", sagt Wicklein. Allerdings reichen derlei Einnahmen nicht für Weltstars wie Patti Austin und den Auftritt großer Bands; im letzten Jahr waren Paul Kuhn hier und Manfred Krug, Chris Barber... Derlei Konzerte sind nur mit Hilfe großzügiger Sponsoren zu stemmen. Und gerade weil die Sonneberger Jazztage kein Amateurfestival sein wollen, immer wieder auch nach Jazzsternen griffen und immer mal auch etwas Ungewöhnliches bieten möchten, wäre eine breitere Verankerung in der Region wünschenswert.

Die Sonneberger Jazzfreunde jedenfalls tun, was sie können, wie Wicklein den organisierenden Verein lobt. Etwa 200 Mitglieder gehören ihm an, etwa hundert davon aus der Region Coburg. Für nächstes Jahr hat Wicklein übrigens bereits den Multiinstrumentalisten, Sänger und Unterhaltungskünstler Götz Alsmann verpflichtet.

Das Programm

Eröffnungs-Gala heute um 20 Uhr im Gesellschaftshaus Sonneberg: "For Ella - A Tribute to Ella Fitzgerald, mit Patti Austin, (USA), Marc Secara & his Berlin-Jazz-Orchestra unter Leitung von Jiggs Whigham (USA). Patti Austin, geboren 1950 in New York City, fiel dem Produzenten Quincy Jones schon im Alter von vier Jahren bei einer Plattenproduktion ihrer Patentante Dinah Washington auf. Sie tourte in den 60er und 70 Jahren als Background-Sängerin mit Künstlern wie Sammy Davis Jr., Harry Belafonte und Roberta Flack. Der erste eigene Hit war 1982 das Duett "Baby, Come to Me" mit James Ingram. Weitere Duo-Partner waren Michael Jackson ("It's The Falling In Love") und George Benson ("Moody's Mood For Love"). Im Laufe der Achtziger und Neunziger Jahre, überschattet von Drogenproblemen, nahm sie im Wesentlichen Soul-Pop-Songs auf. Patti Austin ist auch auf Platten von Billy Joel, Frankie Valli, Joe Cocker, Steely Dan oder Paul Simon zu hören. Mit Erscheinen ihres Tributalbums "For Ella" mit der WDR Big Band Köln wurde Patti Austin verstärkt als Jazzsängerin wahrgenommen. Für "Avant Gershwin" als dem besten Jazz-Gesangsalbum erhielt sie 2008 zusammen mit der WDR Big Band einen Grammy.

Sydney Ellis & her Yes Mama Band, Freitag, 9. November, 20 Uhr im Lindenhof, Neustadt.

Soul-Jazz- & Blues-Night, mit G-Cool & The Brothers am 9. November, 21 Uhr, im Autocenter Sonneberg.

Jazz-Matinee "Der amerikanische Traum - Lebenswege von Menschen und Hunden", erzählt von MDR-Figaro-Moderator Michael Hametner, mit Sydney Ellis & her Yes Mama Band, im Gesellschaftshaus Sonneberg, Samstag, 10. November, 11 Uhr.

Jazz Band Ball mit Al Cat & The Roaring Tigers, Moderation: Michael Hametner, im Sonneberger Hotel Schloßberg, 10. November, 20 Uhr.

Gospel-Gottesdienst mit Nikolaus Schlenker, Dorrey Lin Lyles (USA) und dem Sonneberg Workshop Choir, in St. Aegidien, Oberlind, am 11. November, 10 Uhr.

Gospel-Konzert mit Nikolaus Schlenker, Dorrey Lin Lyles & the Voices of Black Gospel sowie dem Sonneberg Workshop Choir, am Sonntag, 11. November, 17 Uhr im Gesellschaftshaus Sonneberg.

Weitere Informationen, auch zu den Workshops, und Hörproben zum Programm gibt es auf der Internetseite www.son-jazz.de