Gedichtla, Gsangla, Musik, dazu die orichinal Neustodto Ardöpflssupp mit Wörschtla, dazu einen Kartoffelschnaps aus der Kartoffel in der Kartoffel von der Kartoffel und den Dritten Bürgermeister Martin Stingl (SPD) als quirligen Entertainer in seiner guten Stub'n: Das nennt man in der bayerischen Puppenstadt die "Neuschtadto Hundsdouch"! Dafür stand sich das Publikum bereits zeitig und gerne am Wochenende vor dem Eckstein "die Beine in den Bauch".

"Und widdo schö-i worn sa, die Neuschtadto Hundsdouch", sagten die Leute. Wieder platzte Stingls gute Stube zu den nun 20. Neustadter Hundstagen im Gasthaus Eckstein aus allen Nähten. Das begeisterte Publikum ließ sich am Freitag- und Samstagabend seine Heimatgefühle mit allen Sinnen schmecken. Sich im vertrauten Brauchtum aalen und sich wohlfühlen, das gibt Heimat. Und die Neustadter Mundart der Mitwirkenden war die reinste Musik in den Ohren, natürlich neben den musikalischen Interpreten des unterhaltsamen Abends. "Ölles Laienkünstler. Die hänga sich ölla mit nei, domit sa euch a Frääd gomach könna", war schon immer Stingls Motto der Hundstage. Somit versprach der "Geburtstagshundekuchen" mit seiner brennenden Wunderkerze nicht nur einen strahlenden, sondern einen besonders vergnüglichen Abend.

Früher drei Tage hintereinander

In den Anfangsjahren wurde das Publikum zunächst an drei Tagen hintereinander unterhaltsam verwöhnt. "Denn es gab vor über 20 Jahren hier in Neustadt ein städtebauliches, städteentwicklungstechnisches Gutachten für die Stadt Neustadt. Da wurde uns nahegelegt, eine wiederkehrende Veranstaltung zu platzieren. Im ersten Jahr, als es zur Umsetzung kam, gab es einen Kabarettabend, einen Mundartabend und einen Tag der Vereine, also drei Tage in Folge. Das war damals so der Auftakt", erinnerte sich Stingl. "Aus diesen drei Veranstaltungen haben wir dann vor 20 Jahren die Hundstage positioniert. Und übriggeblieben aus diesem Dreierzyklus ist in Regelmäßigkeit der Mundartabend. Kabarett machen wir schon als Veranstaltung, jedoch davon losgelöst und nicht regelmäßig. Aber die Hundstage haben so eingeschlagen, dass sich das etabliert hat", zeigte sich Entertainer Stingl begeistert.

Und wie in all den Jahren zuvor, zog Martin Stingl - seine Quetsche am Bauch festgeschnallt - mit allen Mitwirkenden musikalisch in den Festsaal hoch zur Bühne ein. Viel Bühnenbild brauchte es nicht, einen Tisch und Stühle zum Quatschen mit den Künstlern. Und natürlich Stingls reichliches Flaschen-Depot unter dem Tisch. Denn so ein lockerer Abend bedurfte lockerer Zungen und Musikinstrumente. Die mussten schließlich reichlich geölt werden und höflichkeitshalber damit die Künstler begrüßt werden. Dass Stingl selbst reichlich zwischendurch davon genoss, um "in Fahrt zu bleiben", ging bei dem amüsanten Unterhaltungsprogramm glatt unter. Psst... es war Wasser....

Charmanter Moderator Stingl

Stingl, der charmante Moderator, saß stets auf der Bühne und versuchte, die einzelnen Elemente auseinander zu friemeln. "Von Anfang bis heute ist es so, dass die Akteure ihre Sachen zusammenschustern, vorher nicht großartig von sich geben, was es ist. Ich kenne einen Titel, kenne den zeitlichen Umfang, der meistens auch nicht stimmt, und im Groben den Inhalt. Und auf der Bühne erlebe ich dann, was wirklich passiert. Bis jetzt hat's immer funktioniert." In den 20 Jahren sei es nur einmal passiert, dass jemand polemisch geworden sei, ein einziges Mal.

Das bunte Unterhaltungsprogramm war, wie immer, amüsant und unterhaltsam, so wie Martin Stingl, der mal wieder zur Hochform auflief und beste Laune versprühte und die Menschen begeisterte. Die Mitwirkenden, übrigens alles Laienkünstler, waren echte "Orichinale". Sie zauberten aus dem Stegreif, sprachen und sangen Klartext, so wie jedem der Schnabel gewachsen war. Die Mundart dominierte, viel Spaß mit stets einem Fünkchen verborgener Wahrheit. Die Musiker, dieses perfekte "Duo zu Dritt", zählt zum Stamm von Anfang an, Stammplatz immer rechts oben. "Ich bin später dazugestoßen und mache hier jetzt 15 Jahre mit", erzählte Rainer Hein, der mit Robert Matthes und Günter Lorenz für das musikalische Vergnügen sorgte.

Vollblut-Klatschbasen

"Schwungvoll starten wir hinein", und Stingls Stimmbänder-Ölung der Musiker funktionierte auf Anhieb. "Ich bin eine echte Neustadterin", sagte Erika Volk und sie klärte endlich auf, was "Do Öpflklau" eigentlich bedeutete. Neustadts Renate Gretzbach verriet, was Neustadts Kindermünder von sich gaben. Fredi Frind hatte sich aus Steinach auf den Weg gemacht, diesmal mit einem geschienten Fuß und auf Krücken. Aber er saß ja dann eh am Tisch und für den Abend brauchte er nur sein Mundwerkzeug, das einwandfrei funktionierte. "Annerschrüm getts fei aa", Wolle (Wolfgang Bräutigam) aus Sonneberg hatte heuer bereits seinen 7. Auftritt beim Hausherrn Stingl und überschlug sich nahezu beim Ausplaudern seiner Erlebnisse von der Ostsee, als er dort "Mutti Merkel" entdeckte. Wolle machte eben Urlaub mit offenen Augen, ihm entging nix. Wildenheids Michael Klebeg gab heuer sein Bestes im fünftes Jahr preis. Büchners Hanne hatte sich den jungen Kerl für die Hundstage "geködert". Und Michael klärte das Publikum auf, was ein "Feuodeich" ist. Wer da etwa an einen Feuerwehrteich dachte, der lag mehr als total daneben. Die Eichbergsänger Herbert Kießling, Wolfgang Reißenweber und Roland Rosenbauer starteten heuer zum zweiten Male schwungvoll gleich zu Beginn in den Abend. Die "Staffelstaaner" mit Michael Heß, Sibylle Freileben, Heidi Lunz und Mann Dieter spielten und sangen sich bereits zum sechsten Mal in die Herzen der Neustadter. "Aber zusammen musizieren, das machen wir schon ein bisschen länger zusammen", schmunzelte Dieter Lunz. "Wie die Gosch gewachs'n is", Sibylle Sommerluksch und Ulrike Gunsenheimer vom TSV Scherneck als "Marika & Mariechen" trugen den neuesten Klatsch und Tratsch aus dem Itzgund brühwarm bis nach Neustadt. Die Vollblut- Klatschbasen waren erstmals zu Gast bei den Hundstagen. Die Publikumsherzen flogen ihnen allein schon von ihrem Erscheinungsbild und dann mit ihrem Geschnatter scharenweise zu.