Mit Kunst lässt sich Politik machen - Kirchenpolitik zumal. Das demonstrieren die Kunstsammlungen der Veste Coburg im nächsten Jahr. "Die Lust an der Lästerung" lautet das Motto einer großen Ausstellung, die sich dem Thema "Bildpolemik zur Zeit der Reformation widmet".

Damit reihen sich die Kunstsammlungen ein in den Kreis der Veranstalter, die sich im Rahmen der bis 2017 währenden Luther-Dekade mit Leben und Werk des Reformators befassen. Luthers Wirken und die Verbreitung seiner Gedanken und Ansichten aber lassen sich nicht trennen von der Macht der Bilder, die einst in der Zeit der Glaubenskämpfe eine wichtige Rolle spielten. "Die Kontrahenten damals haben sich nichts geschenkt", sagt jedenfalls Klaus Weschenfelder, Direktor der Coburger Kunstsammlungen.

Vor allem die Lutheraner hatten früh die Macht und Wirksamkeit von Bildern erkannt, um die Papisten zu kritisieren oder mit Spott und Polemik zu überhäufen. Später nutzten dann auch die Papisten die Kunst, um gegen die Reformation vorzugehen, erläutert Weschenfelder. Grafik, Gemälde und Objekte - damit soll "Die Lust an der Lästerung" anschaulich gemacht werden. Das damals neue Medium Druckgrafik spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Thesen und Gegenthesen, von Spott und Polemik.

Ebenfalls in vergangene Jahrhunderte führt die in zweijährigem Turnus ausgerichtete Zeitreise. "Kampfkunst und Feuerkraft" hat Alfred Geibig das für Mitte Juli geplante Programm überschrieben. Dabei versteht Geibig die Darbietungen auf dem Außenwall der Veste nicht als pures Spektakel, sondern als "Fortsetzung der Museumsarbeit mit anderen Mitteln". Gerade das Thema Fechten, so seine Beobachtung, werde in Film und Fernsehen oft völlig falsch und irreführend vermittelt.

Lehrreich und unterhaltsam

Vor diesem Hintergrund will die Zeitreise auf der Veste wissenschaftlich fundierte Informationen und Vorführungen bieten. Seinen Anspruch definiert Geibig unmissverständlich: "Bei uns geht es nicht um sinnfreie Aktionen, wie man sie oft in Filmen sieht." Seine Formal lautet stattdessen: "Lehrreich und unterhaltsam."
Von der Darstellung historischer Fechtkunst ist der Weg dann nicht allzu weit zum Theaterspiel im Burghof. Die erfolgreiche Inszenierung des Landestheaters von Edmond Rostands "Cyrano de Bergerac" soll Mitte Juli drei weitere Aufführungen erleben. "Wir sind zuversichtlich, dass Theater auf der Veste zum festen Programmpunkt wird", sagt Weschenfelder.

Otto Waldrich wird 90

Dahinter steht die Erkenntnis, dass das Angebot der Kunstsammlungen noch fester im Bewusstsein der regionalen Öffentlichkeit verankert werden soll. Denn immerhin rund 80 Prozent der Besucher in den Kunstsammlungen nehmen mehr als 100 Kilometer Anreise in Kauf.

Fast genau umgekehrt verhält es sich mit dem Publikum im "Europäischen Museum für Modernes Glas". Hier kommen rund 80 Prozent der Gäste aus der Region. Sie erleben im nächsten Jahr bis Anfang Juni die Fortsetzung der Ausstellung mit Arbeiten von Ann Wolff.

Ab Anfang August widmet sich das Museum der "Sammlung Otto Waldrich". Der im Herbst anstehende 90. Geburtstag des Unternehmers und langjährigen Kunstmäzens bietet den äußeren Anlass dazu. Immerhin hat Waldrich die Arbeit der Kunstsammlungen seit mehr als drei Jahrzehnten sehr aktiv als Förderer und Mäzen begleitet, hat das Museum mit Schenkungen und Stiftungen bedacht und den Neubau des Museums initiiert und finanziell entscheidend gefördert. Erstmals werden die zahlreichen Schenkungen Waldrichs in den Beständen des Museums gebündelt präsentiert, ergänzt durch weitere Arbeiten aus seinem Privatbesitz.

Die Arbeit der Kunstsammlungen und des Glasmuseums in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen - diesem Ziel dienen neben den reinen Ausstellungen zahlreiche weitere Veranstaltungen. Neben etablierten Formaten wie den regionalen und internationalen Museumstagen, der Coburger Museumsnacht oder dem inzwischen fünften Workshop für Lampenglas gibt es auch neue Formate.

"Museum bewegt" heißt ein Angebot, das dem Museumsbesuch noch eine besondere kommunikative Note geben soll, wie Verwaltungsleiter Thomas Höpp erläutert. In regelmäßigen Abständen soll wochentags wie sonntags die Möglichkeit geboten werden, für wechselnde Zielgruppen den Museumsbesuch zum Beispiel mit einem Frühstück zu kombinieren.