"Eine Kuh ist ein Gewohnheitstier", sagt Maik Truckenbrodt. Der Landwirt weiß, dass seine Kühe eine sehr genau tickende innere Uhr besitzen. Was bei jeder Umstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt durchaus beachtet werden will.

Wenn sich die meisten von uns an diesem Wochenende freuen, dass sie von Samstag auf Sonntag die Stunde wieder zurückbekommen, die ins im Frühjahr "gestohlen" wurde, sieht das Maik Truckenbrodt ein wenig anders. Die Tiere im Stall haben ihren Rhythmus. "Wenn die Zeit zum Melken da ist, dann wollen sie auch gemolken werden", weiß der Landwirt. Das tun die Kühe dann auch lautstark kund. Bei Truckenbrodts wird daher die Umstellung auf die neue Zeit abgefedert. "Wir stellen in Schritten um. Jeden Tag etwa eine Viertelstunde, so fällt es den Tieren leichter", erklärt Maik Truckenbrodt.

Nun könnte man sagen, die Menschen sollen sich eben den Tieren anpassen und je nach Zeitumstellung eben einfach eine Stunde früher oder später mit der Stallarbeit beginnen. "Dazu müsste man völlig unabhängig von der restlichen Welt sein", sagt Maik Truckenbrodt. Schulanfang, Kontakte zu Firmen oder dem Tierarzt unterliegen ja dem allgemeinen Zeitablauf. Und schließlich haben sich die Kühe nach einigen Tagen auch an die neue Zeit gewöhnt. Was ihren Schlafrhythmus angeht, haben sie übrigens ein geringes Problem. Kühe schlafen nämlich nur wenige Minuten täglich wirklich ein, wie der Bauer erklärt.

Abschaffen möchten Truckenbrodts die Zeitumstellung trotzdem nicht. "Im Sommer ist es schon schön, dass es so lange hell bleibt", sagt der Landwirt. Sollte die Umstellung jedoch irgendwann wirklich wegfallen, dann wäre ihm die Sommerzeit als ganzjährige Lösung lieber als die Winterzeit - auch wenn diese historisch die gültige wäre.

Allgemein hat die auch in der Landwirtschaft immer weiter um sich greifende Automatisierung von Abläufen das Problem der Zeitumstellung bereits vielfach entschärft. Andere Milchviehbetriebe setzen Melkroboter ein. "Da geht die Kuh selbst zum Melken, wenn ihr danach ist", sagt Hans Rebelein, Geschäftsführer beim Bauernverband in Coburg. Vielfach maschinell geregelte Fütterung sorgt auch in anderen Bereichen der Tierhaltung dafür, dass das menschliche Drehen an der Uhr, für die Tiere bedeutungslos wird.

Erstaunlicherweise ist es gerade das Wild, das stets nach der Umstellung Probleme bekommt, wie von Jägern festgestellt wird. Dass nämlich der Berufsverkehr plötzlich zu anderen Zeiten rollt, müssen die Tiere in der freien Natur immer neu lernen. So stellte der Deutsche Jagdschutzverband nach einer Untersuchung zum Thema 2009 fest, dass die Zahl der Unfälle mit Wild nach der Zeitumstellung stets kurzzeitig erhöht, bis sich die Wildtiere wieder an die neuen Umstände angepasst haben.