97 Räume gibt es in der Stadt, die für die unterschiedlichsten Veranstaltungen genutzt werden. Karl Baier, Leiter des Stadtbauamts, hatte den Versuch gemacht, alle zu erfassen und ist vermutlich noch gar nicht fertig. In seiner Aufzählung fanden sich Vereinsheime, Kirchen, Schulaulen, Sporthallen, Gasthaussäle und natürlich die großen Hallen: Kongresshaus, HUK-Coburg-Arena, Pakethalle und das künftige Globe am Güterbahnhof.
Diese Aufstellung soll dem oder den Experten als Grundlage dienen, die demnächst den Auftrag erhalten, ein Konzept für das Kongress- und Veranstaltungswesen zu erarbeiten. Dabei sollen auch städtebauliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög) wird den Auftrag ausschreiben, die Auswahl wird der Stadtrat treffen. Diesem Vorgehen stimmte der Stadtrat einstimmig zu.
"Wir dürfen das Veranstaltungswesen im Bereich von Güterbahnhof bis Rosengarten nicht weiter dem Zufall überlassen", sagte Jürgen Oehm, Fraktionsvorsitzender der CSU/JC. Seine Fraktion hatte den Antrag gestellt.
Doch wenn es um die Pakethalle geht, will die Mehrheit des Stadtrats nicht auf dieses Gesamtkonzept warten. Architekt Lutz Wallenstein stellte die - weiter ausgearbeiteten - Pläne zur Ertüchtigung der Pakethalle am Güterbahnhof vor. Diese Pläne hatte der Stadtrat schon im November gesehen und grundsätzlich gebilligt. Allerdings war die Wifög als Betreiber der Pakethalle zu dem Schluss gelangt, dass die Halle doch so hergerichtet werden solle, dass sie ganzjährig nutzbar ist. Heißt: Sie erhält eine Heizung und eine Lüftungsanlage.
Alles in allem bedeutet das Investitionskosten von rund vier Millionen Euro brutto. Darin sind aber auch Kosten für die Außenbereiche enthalten, die ohnehin hergestellt werden müssen, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft das Rundtheater "Globe" gebaut wird. Zusätzlich erwartet Wifög-Geschäftsführer Stephan Horn ein jährliches Betriebskostendefizit von rund 200 000 Euro - vornehmlich wegen der Abschreibungen. Netto würden bei den Investitionen nur knapp 2,5 Millionen Euro übrig bleiben, wie Stadtratsmitglied Gerhard Amend (CSB) vorrechnete. Da war die Debatte über die Ertüchtigung aber schon in voller Fahrt.
Hans Michelbach (CSU) hatte als erster geäußert, dass vor einer Ertüchtigung der Pakethalle doch das gerade beschlossene Gesamtkonzept abgewartet werden solle. Er argumentierte vor allem mit den Kosten - und die Stadt müsse ja auch das Kongresshaus und später womöglich den Betrieb des Globe finanzieren. Jürgen Oehm kritisierte: "Das sind so Zurufs-Planungen ohne städtebaulichen Kontext und ohne Bedarfsprüfung."
Das allerdings forderte nicht nur bei der SPD, sondern auch in Oehms eigener Fraktion Widerspruch heraus. Die Pakethalle sei gut belegt, begeistere jeden, argumentierte Bettina Lesch-Lasaridis. Über die Sanierung müsse jetzt entschieden werden, nicht nach einem Gutachten.
"Natürlich haben wir das Problem einer Ballung von Gleichzeitigkeiten", fasste Oberbürgermeister Norbert Tessmer zusammen. Neben dem Bau des Globe stehe die Zukunft des Kongresshauses zur Debatte. Aber die Pakethalle sei gesetzt. "Deshalb muss man es auch machen." Die Abstimmung endete mit 21 zu sechs Stimmen für die Sanierung.