"Auf ersten Blick sehen die Outdoor-Jacken aus, wie die gängigen Modelle von Jack Wolfskin oder Mammut", sagt Steffen J. Paul. Doch der Stoff fühlt sich anders an: etwas kratzig, nicht elastisch und trotzdem weich. Die Jacken, die er und sein Geschäftspartner Mario Hummel produzieren, sind aus Loden. "Das Material wurde bereits vor mehr als 100 Jahren zur Herstellung von Klamotten verwendet", erklärt Paul. Luis Trenker habe bereits mit Kleidung aus Loden Berge bestiegen. Durch das Plastik sei der Stoff, der ausschließlich aus Schafwolle besteht, nach und nach in Vergessenheit geraten. Deshalb haben Paul und sein Geschäftspartner es sich zur Aufgabe gemacht, den Loden "wiederzubeleben" und so ihre Marke "hedlund" gegründet. Mittlerweile sind die nachhaltigen Jacken die wichtigste Geschäftseinheit ihres Startups Vic & Albert GmbH, dessen Sitz in Ebersdorf bei Coburg ist.

Begeisterte Outdoor-Sportler

Die beiden sind viel in der Natur unterwegs: "Wir betreiben die klassischen Alpensportarten, wie Wandern, Bergsteigen oder Klettern", berichtet Paul. So kamen er und sein Kollege auf die Idee, eigene Outdoor-Jacken herzustellen. Den Stoff beschreibt Paul als sehr klimafreundlich auf der Haut und unempfindlich gegen Schmutz, man schwitze nicht und sei gleichzeitig auf natürliche Weise vor Regen und Kälte geschützt.

"Die Outdoor-Jacken sind sehr angenehm zu tragen, man ist nicht eingesperrt, wie in Klamotten aus Plastik", so Paul. Weil Loden im Gegensatz zu Plastik nicht dehnbar ist, bestand die größte Herausforderung darin, einen modernen Schnitt zu entwickeln, der vielen passt.

Nachhaltigkeit im Fokus

In Zusammenarbeit mit einer Lodenmühle in der Oberpfalz wurden Stoffe für die verschiedenen Jahreszeiten in etwa 30 Farbtönen entwickelt. "Die Farben wechseln je nach Jahreszeit", erklärt Paul. Für ihn und seinen Geschäftspartner hat vor allem die Nachhaltigkeit der Produkte einen hohen Stellenwert. "Die Materialien für die Jacken kommen hier aus der Region, weshalb keine langen Transportwege entstehen", sagt Paul. Außer den Reißverschlüssen und dem Kordelstopper an der Kapuze ist die Jacke vollständig abbaubar und enthält kein Plastik.

Paul legt viel Wert darauf, dass für die Produktion niemand ausgebeutet wird, deswegen werden die Jacken von "hedlund" ausschließlich in Deutschland und dem europäischen Ausland hergestellt. Der Name "hedlund " ist eine Wortneuschöpfung, durch die deutlich werden soll, dass Paul und Hummel einen großen Bezug zu Skandinavien haben, beide waren schon oft dort. Paul und sein Geschäftspartner sind von ihrem Konzept überzeugt: "Das Bewusstsein für nachhaltige Textilien ist steigend", sagt Paul. Außerdem könne durch den Vertrieb, der momentan ausschließlich online läuft, eine große Zielgruppe erreicht werden. Der Fokus liegt auf Personen, die Outdoor-Aktivitäten nachgehen und Wert auf Fair Trade und Naturmaterialien legen.

Langfristig sollen durch "hedlund" Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden. "Unser Wunsch ist es, vor Ort Industrienäher zu beschäftigen, diese sind allerdings nicht leicht zu finden", meint Paul. Einen entscheidenden Vorteil sieht er darin, dass sich das Unternehmen in einer Marktnische positioniert hat. Die meisten Textilunternehmer hätten ihre Produktion längst ins Ausland ausgelagert.

Designtage

Auwi Stübbe vom Coburger Designforum Oberfranken hat das Projekt von Anfang an verfolgt, deshalb wird die Kollektion von "hedlund" während der Designtage in der alten Pakethalle ausgestellt. "Wir stellen auch die Modelle aus, die aktuell noch nicht in unserem Online-Shop erhältlich sind", kündigt Paul an.