Wenn der Coburger Willy Oberender wie in diesen Tagen die besten Bedingungen für sein Steckenpferd hat, sind es gleichzeitig die unangenehmsten. Oberender ist ein begeisterter Hobby-Astronom. In den vergangenen Tagen waren die großen Sternbilder, wie die Zwillinge mit ihren Hauptsternen Pollux und Kastor, der Fuhrmann und Perseus bei klarem Himmel am Firmament zu sehen. Am auffälligsten der Orion mit seinen drei Gürtelsternen und darunter, als verwaschenes Lichtfleckchen, war der Orionnebel zu erkennen.


Wildes Wasser, warme Wäsche

"Gerade jetzt sind hohe Vergrößerungen bei der kalten Luft möglich", sagt Willy Oberender. Je kälter es ist, desto weniger stört Liftflimmern den Blick mit demTeleskop in die Tiefen des Universums. Bei minus 10 Grad Celsius heißt es allerdings, sich ordentlich warm anziehen. Besonders, weil der Stern beobachtende Mensch sich nur wenig bewegt. Die Kälte kriecht mit der Zeit durch jede noch so kleine Öffnung in der Kleidung.

"Vom Wildwasser-Fahren hab' ich noch gute und vor allem warme Funktionsunterwäsche", meint Willy Oberender und grinst. Ein kleines Schaudern ist ihm dabei anzumerken. Direkt auf der Haut darf es aktuell bei den tiefen Temperaturen auch noch eine Schicht mehr sein. Eine warme Hose, "dicke Strümpfe, wie sie Waldarbeiter im Winter bevorzugen" und gute Stiefel, sind das Rezept des Coburgers gegen Väterchen Frost. Schließlich komplettiert ein Skioverall die persönliche Anti-Bibber-Ausrüstung. "Natürlich muss eine Mütze sein. Am besten eine Pudelmütze, weil ein Mützenschirm ans Okular des Fernrohrs anstößt." Mit den Handschuhen ist es so eine Sache: Klar frieren die Finger und Hände, andererseits brauche der Astronom aber Gefühl beim Fokussieren, beim Wechseln der Okulare und den anderen vielen Handgriffen, die während einer Beobachtungsnacht unumgänglich sind. "Die Handschuhe ziehst du oft aus und wieder an." Zwei Stunden hält Willy Oberender so eingepackt in seiner kleinen Sternwarte im Coburger Land aktuell nächtens aus. Zwar steht eine Gasflasche mit Heizstrahler in der Ecke, "aber wenn ich die anschalte, verursacht die aufsteigende warme Luft ein Flimmern, und das stört die Beobachtung massiv". Die Wärme würde sich ohnehin sofort durch das aufgeklappte Dach in den Nachthimmel davon machen.
Dabei bieten die Wände der Sternenhütte Schutz vor Wind, der aktuell die Kälte noch um ein Vielfaches unangenehmer macht. "Vor vielen Jahren habe ich im Winter bei Schnee ein Teleskop auf freiem Feld auf einem Berg aufgebaut, um den tief stehenden Planeten Merkur ins Visier zu nehmen. Nie wieder!", gruselt sich Willy Oberender noch immer bei der Erinnerung an diese Nacht. Früher hat er während der kalten Jahreszeit ganze Nächte in seiner Sternwarte verbracht. "Um den Andromedanebel zu fotografieren, stellte ich den Wecker auf halb zwei Uhr in der Früh. Dann waren leider Wolken aufgezogen und es war umsonst."


Akkus machen schlapp

Die niedrigen Temperaturen machen auch der Technik zu schaffen. "Die Akkus der Kamera für die Aufnahmen von Sternen und Galaxien halten da nicht lange durch." Ohnehin ist es angeraten, noch bei Tageslicht die Sternwarte vorzubereiten: Das Dach muss geöffnet, die Steuerung justiert werden und die Kappen der Fernrohre sind abzunehmen. "Die Geräte müssen sich für ein optimales Bild an die Außentemperatur anpassen", erklärt Oberender.

Die sibirische Kälte in den letzten Tagen hat Willy Oberender allerdings die Sternenbeobachtung gründlich zunichte gemacht. Zum ersten Mal in den vergangenen 19 Jahren - so lange nutzt er sein kleines Observatorium im Landkreis Coburg schon - war das aufklappbare Dach eingefroren. "Nach dem nassen Dezember und Januar hat die Kälte den feuchten Holzrahmen des Klappdaches und die Dachpappe mit einer massiven Eisschicht verbunden."