Rhythmische Klänge dringen aus der Angersporthalle an der Coburger Schützenstraße nach draußen. In drei Hallen bewegen sich die Teilnehmer des Capoeira-Workshops geschmeidig im Takt der Musik, nach vorne, nach hinten, um die eigene Achse und folgen den Anweisungen der Trainer.

Die sind teils eigens aus Brasilien angereist, wie Professor Gugu. Ein Künstlername. Gugu führt in Halle 2 die Schritte und Bewegungsabläufe vor, dazu erklingen Endlos-Rhythmen in verschiedenen Variationen, auf teils fremd anmutenden Instrumenten. Zwei Tage erlernen die Teilnehmer die Grundlagen von Capoeira, dem brasilianischen Kampftanz. Organisiert wurde der Workshop von der Coburger Turnerschaft, die sogar eine eigene Capoeira-Abteilung hat.

"Pure Lebensfreude!"

Trainer und Abteilungsleiter Falcao (Falke) managt den Ablauf und läuft mit der Videokamera von Halle zu Halle. Eigentlich heißt der Brasilianer Claudiano dos Anjos, aber wie alle professionellen Tänzer trägt er einen Künstlernamen. Seit zehn Jahren lebt er in Deutschland und seit 2012 in Coburg.

Capoeira ist seine Leidenschaft. "Es ist einfach pure Lebensfreude", sagt er. Deshalb ist er auch kein bisschen müde, obwohl er und die Gäste von Freitag bis Sonntag quasi durchgehend feiern und tanzen, junge wie ältere. Denn für die Sportart gibt es keine Altersgrenze. Sogar 75- und 80-Jährige habe er schon getroffen, erzählt Christof Schuster, der im In-und Ausland besucht.

Gefühl für den Körper

Schuster kommt aus Kronach und trainiert seit viereinhalb Jahren "Capoeira" bei der Coburger Turnerschaft. "Ich finde das so toll, dass ich dreimal die Woche zum Training komme, trotz der Fahrerei,"sagt er. Die Abteilung der Turnerschaft wachse von Jahr zu Jahr, erzählt er in einer Pause.

Der Sport in seiner Mischung aus Akrobatik, Tanz und Kampfkunst sei in Deutschland noch relativ unbekannt, sagt Schuster. Seinen Ursprung hat der Sport in Brasilien, wo er während der Kolonialzeit vom den Sklaven praktiziert und weiterentwickelt wurde. "Die Vielfältigkeit, diese verschiedenen Elemente sind einfach etwas Besonders", sagt Schuster und strahlt.

Den brasilianischen Tanzworkshop bietet die Coburger Turnerschaft zum zweiten Mal an. Wie viele Teilnehmer sich angemeldet haben, kann Falcao nicht genau sagen. Aber: Die Hallen sind voll, auch viele Kinder sind begeistert dabei. "Jeder kann sich anmelden oder einfach beim Training reinschnuppern", sagt Falcao. "Man bekommt ein gutes Körpergefühl." Beim Capoeira wird ein Zweikampf simuliert. "Ich mache dies seit 18 Jahren, aber ich bin immer wieder fasziniert, was ich an Vorführungen ergibt." Beim Zweikampf sind die Teilnehmer in ständiger Bewegung, sie benötigen eine schnelle Reaktionsfähigkeit, viel Kreativität und Körpergefühl.

In Halle 3 führt Bandera, der aus Brasilien kommt, zunächst langsam die Elemente vor. Dann wirbeln die die dunklen Rasterzöpfe um den Kopf des zierlichen Tänzers, und seine Schüler versuchen, dem Tempo zu folgen. Das Hauptinstrument heißt übrigens Berimbu und zeichnet sich durch seine besondere Klangfarbe aus. Wie Falcao erläutert, kommt das Instrument aus Brasilien und ist aus einem aus dünnen, elastischen Holz gefertigt, das nur dort vorkommt. Es besteht aus einem Musikbogen und einem Flaschenkürbis als Klangkörper.

Taufe der Einsteiger

Übrigens werden alle Einsteiger die "Batizado" (portugiesisch für Taufe) erleben. Mit der Zeremonie werden sie offiziell in die Capoeira-Gemeinschaft aufgenommen. Auch Beförderungen gibt es an diesem Wochenende. Falcao selbst steigt eine Stufe höher und wird zum Capoeira-Professor befördert. "Man muss keine besondere Prüfung ablegen, der Aufstieg ergibt sich durch Beobachten des Könnens von alleine", erklärt er.