Sie ist eine echte Königin. Ihresgleichen gibt es kein zweites Mal. Die Gardekönigin Cordula Scherbel sieht ihre Rolle als etwas ganz Besonderes - nicht nur, wenn sie beim Treffen der Prinzen und Prinzessinnen ihren alleinigen königlichen Auftritt hat. Die 21-Jährige regiert in der aktuellen Faschingssession beim Coburger Mohr. Doch dazu gehört eben nicht nur das Repräsentieren, sondern auch ihre aktive Rolle in der Königsgarde - wie am Freitag bei der Fastnacht in Franken live im Fernsehen zu sehen war.

Treppchenplatz ist drin

Die Devise "Immer schön lächeln" ist für Cordula Scherbel längst keine Pflicht mehr, sondern gehört zur Kür. Seit sie vier Jahre alt war, tanzt sie im Studio von Ramona Scholz. Und aus dem Kindertraum ist längst eine Passion geworden. Mit sechs Jahren sammelte sie bereits erste hoheitliche Erfahrungen als Kinderprinzessin. Seitdem ist viel Schweiß geflossen, viele Stunden harten Trainings ins Land gegangen. Mit der Jugendgarde war sie schon deutsche Meisterin.

Stolz schwingt in ihrer Stimme, wenn sie von "ihrer Garde" spricht. Es ist die Verbundenheit mit der Gruppe, das Hinarbeiten auf ein Ziel und schließlich das Siegertreppchen, das die Coburger Mohren so gerne erklimmen. Am Wochenende finden die oberfränkischen und fränkischen Meisterschaften in Oberkotzau statt. "Ein Treppchenplatz ist da drin", sagt die Königin selbstsicher und grinst dabei. Richtig spannend wird es erst wieder bei den süddeutschen und deutschen Meisterschaften im März.

Der Terminkalender bis dahin ist gut gefüllt: zwei bis drei Mal die Woche Training, Gaudiwurm und Rosenmontags-Auftritt im Tageblatt und in der Geriatrie. Die meiste Zeit verbringt die junge Frau aus Eicha allerdings in der Medauschule, wo sie mittlerweile im dritten Jahr ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin und Gymnastiklehrerin macht. Im Oktober schreibt sie ihr Examen. Und dann? Hinaus in die weite Welt? Vielleicht. "Mich würde es schon reizen, mal ein Jahr lang auf der Aida zu arbeiten. Angeboten wird uns das ja immer wieder." Müsste Cordula dann ihr heißgeliebtes Hobby an den Nagel hängen? "Natürlich nicht." Wer sich fit hält und weiterhin tanzt, kann auch wieder einsteigen, ist sich die Gardistin sicher. Seit 16 Jahren tanzt sie mittlerweile und bis Ende 20 möchte sie auf alle Fälle weitermachen.

Ihre Familie steht fest hinter Cordula. Ihre Mutter Rosalinde war zwölf Jahre lang ehrenamtliche Betreuerin im Verein und ihr größter Fan. Und auch ihre beiden älteren Brüder sind stolz auf das Engagement ihrer Schwester, die auch als Co-Trainerin im Schautanz mitwirkt - "auch wenn die beiden selbst noch nie bei einem Turnier dabei waren", meint Cordula.

Zeit für einen festen Freund hat sie gerade nicht. "Wie auch, ich bin froh, wenn ich mal zuhause bin", sagt sie und schnauft durch. Doch Stress ist die junge Frau gewohnt: Neben ihrem Tanzengagement lernte sie im Gymnasium Albertinum auch noch Querflöte und Klavier und war bei der Wasserwacht aktiv. Die Voraussetzungen, alles zu meistern, musste sie schon mit sechs Jahren mitbringen, um überhaupt bei der Garde tanzen zu dürfen: Sie musste ein Rad schlagen können, den Spagat beherrschen, Ausdauer haben und vor allem Disziplin.