Dass Anton Lohneis seine ursprüngliche Planung, dereinst als Behördenleiter der Coburger Staatsanwaltschaft in den Ruhestand zu gehen, doch noch einmal umgeworfen hat, habe etwas mit Fußball zu tun. Diesen "wahren Grund" für seinen Sinneswandel verriet Lohneis als neuer Landgerichtspräsident am Freitag bei der offiziellen Feierstunde zu seinem Amtswechsel.
Er sei bekennender Anhänger des 1. FC Nürnberg und damit auch leidensfähig, so Lohneis. Dass der "Club" noch einmal irgendwann das "Triple" hole, sei aber so gut wie ausgeschlossen. Deshalb habe er sich gedacht: "Mache ich das Triple eben selber!" So ist Lohneis in Coburg nun nach Amtsgerichtsdirektor (ab 2007) und Behördenleiter der Staatsanwaltschaft (ab 2010) Landgerichtspräsident und damit Nachfolger von Friedrich Krauß. Dieser wiederum wechselte zum 1. Juli vergangenen Jahres als Landgerichtspräsident nach Bamberg.


Alles wieder auf Anfang

Lohneis begann seine Juristenlaufbahn 1987 als Proberichter am Landgericht Nürnberg-Fürth, wechselte innerhalb der Behörde später zur Staatsanwaltschaft. Deren Chef habe ihm damals gesagt: "Sie denken zu sehr wie ein Richter, Sie müssen lernen, zu denken wie ein Staatsanwalt." Nun schließe sich der Kreis, denn nun sei er wieder Richter und müsse sich wegen seiner staatsanwaltlichen Art der Befragung zuweilen von den Kolleginnen belächeln lassen. "Aber ich bin ja lernbereit", so Lohneis.
In Coburg wollte er ursprünglich nur zwei Jahre bleiben. Nun seien daraus schon fast 17 geworden. "Und Du beziehst jetzt schon das dritte Chefzimmer", merkte Lohneis' Amtsvorgänger Friedrich Krauß an. Selbstverständlich sei das Büro des Landgerichtspräsidenten auch das Schönste, versicherte Krauß. Er selbst werde immer wieder gefragt, warum er denn nach Bamberg gegangen sei, wenn es ihm doch in Coburg so gut gefallen habe. "Ich hatte noch einmal Lust auf etwas Neues", gab Krauß zu. "Und ich habe es geschafft, zu gehen, wenn es am schönsten ist."
Dass er das auch meint, glaubt man ihm gerne, wenn man ihn über seine Ex-Kollegen, das Betriebsklima und die "Streitkultur" in Coburg sprechen hört. Er sehe unter den über 200 Gästen kaum jemanden, mit dem er nicht vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, betonte Krauß. Auch wenn Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte oft als Gegner erschienen, überwiege doch immer das gemeinsame Interesse an der Rechtspflege. Vermissen wird Krauß wohl auch den täglichen "großen Kaffeesenat" der Richter. Wer gerade keine Sitzung habe, treffe sich hier, um über Urteile oder Fachliches zu diskutieren, aber auch mal über Gerüchte oder Fußballweisheiten, verriet Krauß.


"Wohlfühlklima" gelobt

Das "Wohlfühlklima", das zuvor schon Lohneis und Krauß gelobt hatten, durfte auch der neue Chef der Coburger Staatsanwaltschaft, Bernhard Lieb, bereits kennenlernen. Derzeit ist Lieb allerdings noch im "Chefarzt-Prozess" in Bamberg als Ankläger eingespannt. In Coburg, wo man ihn schon "sehnlichst und lange erwartet" habe, hoffe man, dass er "seine beruflichen Zelte in Bamberg noch 2016 abbrechen" könne, wie der Vizepräsident des Landgerichts, Andreas Bauer, eingangs der Feierstunde betont hatte.
In einem Ausblick auf seine Tätigkeit in Coburg griff Lieb zwei Punkte heraus, die ihm besonders wichtig sind: die zunehmende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen und das Thema Drogen. Die Zahl der Körperverletzungs-Delikte sei zwar rückläufig, die Intensität habe aber erheblich zugenommen, sagte Lieb. Dabei richte sich die Gewalt heute nicht nur gegen einen persönlichen Kontrahenten, sondern immer öfter auch gegen Polizei und Behörden. Hier müssten konsequent alle verfügbaren Instrumente eingesetzt werden, um Werte zu verfestigen. Das "Was-Hänschen-nicht-lernt-Prinzip" gelte für erwachsene Straftäter nicht, so Lieb. Gleiches gelte im übrigen für den Bereich Drogen. "Hier müssen wir alle Mittel ausschöpfen, um mit den Kommunikationswegen der Täter Schritt zu halten", betonte Lieb - vor dem Hintergrund, dass Textnachrichten derzeit noch von der Vorratsdatenspeicherung ausgenommen sind.