"Bloß keine halben Sachen " heißt das neue Buch von Flo Sitzmann, und darin wird den "Normalos" eine Brille verpasst. Auf welche Kleinigkeiten kommt es an, aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers ? Wie können wir alle mit etwas mehr Aufmerksamkeit und Verständnis den Gedanken der Inklusion leben ?

Für behinderte Menschen beschreibt Flo Sitzmann wie unbeschwert er die Grenzen den Alltages angeht, indem er sie einfach sprengt.

Florian Sitzmann ist ein außergewöhnlicher Mensch. Er wird der "Mutmacher" genannt oder auch der "halbe Mann", denn der heute 35-Jährige wurde vor 20 Jahren bei einem schweren Motoradunfall von einem Lkw überrollt und verlor dabei beide Beine. Der Unfall verändert sein komplettes Leben. Er, der ehemals 2,04 Meter große Hobby-Basektballer, gibt sich nicht auf und nimmt sein Schicksal im Rollstuhl an. Er übersteht in den folgenden Jahren rund 50 Operationen, macht seinen Führerschein und eine kaufmännische Ausbildung. Als Handbiker erkämpfte sich Sitzmann den Titel des Vizeweltmeisters und nahm 2004 an den Paralympics in Athen teil. Der Ausnahme-Sportler erringt zahlreiche Medaillen, die seine mentale Stärke für alle sichtbar belohnen. Sein bewegtes Leben schreibt Sitzmann in seinem ersten Buch "Der halbe Mann - dem Leben Beine machen" auf, mit dem er durch zahlreiche Lesungen und Auftritte im Fernsehen deutschlandweit bekannt wird. Kürzlich hat er ein zweites Buch auf den Markt gebracht, in dem er sich nicht mehr mit seiner Biografie, sondern mit seinen persönlichen Erfahrungen im Rollstuhl beschäftigt. "Bloß keine halben Sachen. Deutschland - ein Rollstuhlmärchen" heißt es und ist im November vergangenen Jahres erschienen.

Seine erste Lesung zum neuen Buch wird Florian Sitzmann in Coburg halten, denn in der Vestestadt pflegt er enge freundschaftliche Beziehungen. Hier wohnt und arbeitet sein "Buddy". Gemeint ist Max Beyersdorf, Inhaber der Coburger Baufirma Otto Hauch. Beide haben sich 2005 kennengelernt, als der Coburger den Auftrag erhielt, mit seiner Firma die Wohnung von Florian Sitzmann behindertengerecht um- und auszubauen. Eine echte Männerfreundschaft entstand daraufhin, in der auch viele sportliche Aktionen, Ausflüge und soziale Projekte eine Rolle spielen. So engagieren sich Beide für den Coburger Verein "Pferdegestützte Therapie Hippo-Mobil e.V", der im Reitverein Stöppach eine besondere Reittherapie für Menschen mit Handicap bietet (siehe Kasten). "Wir wollen als Ehrenmitglieder des Vereins aktiv unsere Hilfe einbringen", so Max Beiersdorf, deshalb wird der Reinerlös der Lesung als Spende direkt dem Verein zu Gute kommen. Diese Idee passe zu seinem Freund, erklärte der Coburger Unternehmer, denn Florian Sitzmann sei ein Typ, der Grenzen nicht akzeptieren will, sondern offen anspricht. "Er macht allen behinderten Menschen Mut, sich mit Themen und Problemen des alltäglichen Lebens aktiv auseinander zu setzen".

Die Lesung am 12. April findet in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Riemann statt. Der Musiker und Gitarrist Olli Roth wird ihn musikalisch während der Lesung in Coburg begleiten.


Pferdegestützte Therapie Hippo-Mobil


Der Verein Pferdegestützte Therapie Hippo-Mobil ist ein wohltätiger Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Pferdegestützte Therapie mit dem Hippo-Mobil für alle Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen. Die Idee dafür entstand bereits im Jahr 2009 als Sabine Heisig, Mitarbeiterin des Familienentlastenden Dienstes (FED), die Betreuung für die damals 21-Jährige Monika Kristek übernahm. Die junge Frau ist nach der lebensrettenden Entfernung eines aggressiven Tumors am Stammhirn auf den Rollstuhl angewiesen. Monika, die vor ihrer Erkrankung eine leidenschaftliche Reiterin war, hatte trotz ihrer Behinderung nach der OP den großen Wunsch, endlich wieder auf dem Rücken eines Pferdes sitzen zu können. Sabine Heisig begeisterte daraufhin viele Menschen von der Idee, ein neuartiges Reitkorsett für Schwerstbehinderte zu entwickeln, das die Möglichkeit für eine Pferdetherapie bieten kann: das Projekt Hippo-Mobil wurde ins Leben gerufen und ein Prototyp gebaut. "Noch ist das Modell nicht fertig, wir sind noch im Feinschliff", erklärte Gregor Kröner, Leiter der Sitzvorentwicklung bei Brose, der in seiner Freizeit gemeinsam mit seiner Frau Christin das Fahrzeug, das an einen Sulki erinnert, entworfen und umgesetzt hat. Den Auftrag hatte er vom Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung Michael Stoschek bekommen, der sich aktiv für Monika`s Wunsch einsetzte und das Projekt von Anfang an aus privaten Mitteln unterstützte. Wenn das Hippo-Mobil erst einmal fertig ist, soll es für alle interessierten Patienten eingesetzt werden. Vorab müssen allerdings noch einige Lösungen gefunden werden, wie Brose-Ingenieur Gregor Kröner bestätigte, schließlich handelt es sich bei dem Gefährt um ein weltweit einmaliges Projekt. Die Spendengelder, die bei der Autorenlesung von Florian Sitzmann am 12. April im Pfarrzentrum St.Augustin gesammelt werden, fließen direkt in die Weiterentwicklung des Hippo-Mobils, damit bald viele Menschen mit einem Handicap neuen Lebensmut und Freude durch das Reiten erfahren können. Weitere Informationen unter www.hippo-mobil.com.