Ein früheres Coburger Staatsoberhaupt, Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha ist oder wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden. Diesen runden Geburtstag feierten die Stadt Coburg und die Historische Gesellschaft Coburg mit einem sehr ausführlichen Festakt im Schloss Ehrenburg.

Ehrengäste waren dabei die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm, als formales Staatsoberhaupt des Freistaates Bayern ja Ernsts aktuelle Nachfolgerin und die Spitzen des Herzoglichen Hauses, Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha sowie Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg und Gotha. Prinz Hubertus bezeichnete sich als Ur-Ur-Ur-Großneffe des 200-jährigen Geburtstagskinds.

Die Ehe von Herzog Ernst II. mit der badischen Prinzessin Alexandrine war kinderlos geblieben. Deshalb rückten die Nachkommen von Prinz Albert und Queen Victoria in die Erbfolge ein: Erst Prinz Alfred, Herzog von Edinburgh, und nach ihm Carl-Eduard, bereits ein Enkel von Albert und Victoria. Die Prinzen Andreas und Hubertus stammen somit aus der englischen Linie.

Demokratische Ideale

Die Ehe mit Herzogin Alexandrine blieb zwar kinderlos, aber nicht Herzog Ernst II. selber. Das wurde am Freitag beim Festakt allerdings nur diskret am Rande erwähnt. Seine Leidenschaft als Jäger wurde gewürdigt, für den Schürzenjäger blieb indes wenig Raum.

Herzog Ernst II. war nicht nur der Herrscher über ein kleines mitteldeutsches Herzogtum. Im Konzert des Deutschen Bundes nahm Sachsen-Coburg und Gotha immerhin einen Mittelplatz ein, wie Professor Jürgen Müller von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/Main in seinem Festvortrag erläutert hatte. Wichtig sei aber die Rolle von Ernst II. im Deutschen Bund in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Nach der Niederlage Napoleons, spätestens nach der Schlacht bei Waterloo, träumten einige deutsche Bundesfürsten von der Wiederherstellung alter feudaler Herrschaftsformen. Nicht so der Coburger Herzog. Schon auf dem Titelblatt zum jüngsten Festakt wird er als "Pionier der parlamentarischen Idee" bezeichnet. Fast schon ketzerisch versuchte Professor Müller, Parallelen zwischen Herzog Ernst II. und dem im gleichen Jahr (1818) geborenen Philosophen Karl Marx aufzuzeigen. Beide haben an der Universität Bonn Jura studiert, zeitversetzt um ein Jahr. Ob sie sich je auf dem Campus oder sonstwo begegnet seien, bleibe Spekulation, so Müller. Und so viel Revolution wie Karl Marx wollte der Wettiner Ernst sicher auch nicht. Aber das Herzogtum Coburg war schon von den liberalen Idealen um die Zeit der Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt. In Coburg formierte sich der Deutsche Sängerbund, der Deutsche Turnerbund kam hier zusammen, der deutsche Nationalverein ebenso. Ernst II. vertraute auf die stabilisierende und vor allem national einende Kraft des Volkes. Er verfasste 1855 eine herausragende Reformschrift, den sogenannten "Coburgischen Bundesreformplan".

Sogar die SPD hat zu danken

Oberbürgermeister Norbert Tessmer sagte in seinem Grußwort: "Ernsts viel umstrittene Persönlichkeit ist von der Geschichtsschreibung noch nicht recht gewürdigt worden." Ernst habe als einer der Coburger Fürsten eine herausragende Rolle gespielt. Er sei im zersplitterten Deutschland ein bedeutender Staatsmann gewesen. "Anders als sein Vater Ernst I., der in Metternich ein Vorbild sah, war Ernst II. ein liberal denkender Mensch, der sich selbst an die Spitze der Reformbewegung setzte."

Der Sozialdemokrat Tessmer wies auch darauf hin, dass der Vereinigungsparteitag der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (eine Vorläuferin der SPD) 1875 in Gotha stattgefunden habe. "Eine Herzensangelegenheit Ernsts war dies wohl nicht", fügte Tessmer lächelnd hinzu.

Musiker des Landestheaters umrahmten den Festakt mit von Ernst II. selbst komponierten Stücken. Weitere Grußworte und Reden hielten Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Professor Gert Melville als Vorsitzender der Historischen Gesellschaft und Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha.