Wer singen will, sollte sich aufwärmen und die Muskeln lockern - keineswegs nur die Stimmbänder. Ein Gymnastikkurs könnte so beginnen: mit seltsam anmutenden Streckübungen auf dem Boden. Doch Monika Bürgener, die an diesem Morgen in Elsa scheinbar die Gymnastiklehrerin gibt, ist in Wirklichkeit Gesangspädagogin.
Gemeinsam mit der in Elsa lebenden Sängerin und Gesangslehrerin Nele Gramß leitet sie einen dreitägigen Workshop, den der Tonkünstlerverband Coburg-Kronach-Lichtenfels ausrichtet. Im Anwesen von Nele Gramß in Elsa in einem zum Konzertraum umgebauten ehemaligen Stall treffen sich sechs Sangesbegeisterte zu diesem Kurs, der Zeitgenossen Monteverdis sowie Bach und Händel gewidmet ist.

Zwischen Ebern und Saarbrücken

Bunt ist das Spektrum der Teilnehmer - von Lea Eller, einer angehenden Kirchenmusikerin aus Hofheim, die im 4. Semester in Bayreuth studiert, bis zu Ulrike und Gerhard Zeidler aus Ebern, die den Gesang als Hobby pflegen, aber schon seit vielen Jahren im Melchior-Franck-Kreis Coburg zahlreiche Konzerte mitgestaltet haben.
Aus Saarbrücken ist Ania Konieczny angereist, die an der dortigen Musikhochschule im 7. Semester Gesang studiert, während Monika Oser und Harald Dittrich aus Bad Königshofen auch schon seit vielen Jahren singen und seit etwa einem Jahr Unterricht bei Monika Bürgener nehmen. Sie alle verbindet der Wunsch, im Einzel- wie im Gruppenunterricht an ihrer Gesangstechnik, aber auch an der Gestaltung zu feilen.
Als erstes aber lernen sie, wie wichtig ein gutes Körperbewusstsein ist, um die Stimme möglichst gut zum Klingen zu bringen. Deshalb gibt's am Anfang Koordinierungsübungen für Arme und Beine, die oft heikler zu bewältigen sind, als es auf den ersten Blick scheinen mag - von Balanceübungen auf einem Bein bis hin zu gegenläufigen Bewegungen in beiden Händen. Einige konzentrierte Einsingübungen später beginnt für Ulrike Zeidler dann die Arbeit an einer Alt-Arie aus Händels "Messias".

Kleine Tipps mit großer Wirkung

Immer wieder sind es die kleinen Tipps von Monika Bürgener, die der Sängerin helfen, nicht nur Noten zu singen, sondern die Arie ganz vom Text her zu gestalten. "Die Konsonanzen immer so kurz wie möglich singen", rät Bürgener und macht ein, zwei Takte vor, wie sie sich die Gestaltung vorstellt.
Eine Viertelstunde später sind die Fortschritte schon unüberhörbar - ist die Verzahnung von Text und Musik unmittelbar spürbar. Die Stimme blüht regelrecht auf in der Textzeile "steig empor zur Höhe der Berge". Und auch das lernen die Teilnehmer: wie wichtig es gerade bei Händels Musik ist, die melodischen Linien an bestimmten Stellen immer wieder mit Verzierungen zu versehen und zu beleben.
Hier hilft Nele Gramß mit ihrer langjährigen Konzerterfahrung, hat Tipps parat, wie sich mit gut platzierten Trillern und vokalen Girlanden die Wirkung verstärken lässt.
Zum Abschluss des Workshops kann sich übrigens das Publikum vom Ertrag der künstlerischen Arbeit überzeugen - am Dienstag (12. Februar) beim öffentlichen Vorsingen (ab 17 Uhr) in Elsa - Reservierung empfohlen (Telefon: 0   96   54/47   61).