Die Einheimischen, das ist überall auf der Welt so, wissen schon, wo es schön ist. Nicht umsonst hat der Volksmund drunten im Itzgrund im Volksmund die Bezeichnung "Herrgottswinkel" für die Badestelle an der Itz, die inzwischen mehr als nur ein Geheimtipp ist. "Das ist aber auch ein schönes Eck", ruft Dieter Scherbel schnell, ehe er per Kopfsprung ins Wasser hechtet. Den Kopf anhauen tut er sich dabei nicht - zweieinhalb Meter und mehr ist das Wasser hier tief.
Hannes Laudenbach kommt sogar aus Eckersdorf (das ist ein Stadtteil von Seßlach) hier her gefahren. Dort ist ihm die Rodach zu flach fürs echte Badevergnügen. Hier - im Niemandsland zwischen Bodelstadt und Kaltenbrunn - sei das anders. Dann holt er seine eine Bierflasche aus dem Auto und lässt sich am Ufer im Wasser nieder. Nicht mal Mücken oder Bremsen stören ihn dort. Das ist der Vorteil des Fließgewässers.
Dass sich Hannes Laudenbach ("Fast wie in er Badewanne") dort so schön hinsetzen kann, liegt an einer Baumaßnahme des Wasserwirtschaftsamtes. "Vor über zehn Jahren", erzählt Dieter Scherbel, "haben sie hier das Ufer befestigt". Dabei wurden Wasserbausteine mit Baggern in die Itz gelassen. Über die dicken Brocken kommt man nun leicht ins gemächlich dahin fließende Wasser. Das geht sonst entlang der Itz kaum so stressfrei wie hier, erklärt Scherbel, der von seinem Haus in Kaltenbrunn aus nur ein paar Minuten bis ans Wasser braucht: "Sonst ist fast überall Steilufer. Da kommt man kaum sauber aus dem Wasser."
Natürlich ist das Baden an der Itz auf eigene Gefahr, es gibt weder Wasserwacht noch Bademeister. "Das Gelände hier gehört dem Freistaat", weiß Dieter Scherbel, der im beruflichen Leben Geschäftsleiter im Kalte nbrunner Rathaus ist. Pflichtbewusst weißt er deshalb darauf hin, dass man gesperrte Wege natürlich nicht mit Kraftfahrzeugen befahren darf. Aber auch mit dem Fahrrad ist man vom Itzgrund-Radweg aus nur in wenigen Minuten hier. Ärger mit der Gemeinde oder den Landwirten, die die Flächen rund um die Badestelle bewirtschaften, brauchen Wasserratten nicht zu befürchten: "Wir sehen das alles entspannt hier." Sofern sich der Rummel im Rahmen hält.


Und was ist mit den Coburgern?

"Und das ist hier der Fall" ergänzt Hannes Laudenbach schnell. Der Eckersdorfer muss es wissen, denn seiner eigenen Einschätzung nach dürfte es in der Badesaison 2018 kaum jemand gegeben haben, der so viel Zeit hier verbracht hat wie er. "Wenn ich Frühschicht habe, bin ich fast jeden Tag hier", erzählt Laudenbach. An guten Tagen sind es dann schon mal bis zu 20 Personen, die sich im Fluss erfrischen. Jetzt, während der Ferien, kommen nachmittags auch gerne mal die 14-/15-Jährigen aus Kaltenbrunn herunter geradelt.
Nicht einmal Konfliktpotenzial mit Anglern droht an dieser Badestelle. Zwar können sich Angler in der Gemeindeverwaltung Tageskarten für diesen Abschnitt der Itz holen - aber sie sollten, so hat zumindest Dieter Scherbel von Insidern gehört, ihr Glück woanders versuchen. Mehr als (immerhin fette) Karpfen dürften oberhalb des Kraftwerks in der Schenkenau nicht beißen. "Die Aale und prachtvollen Hechte stehen woanders", versichert der Gemeindegeschäftsleiter. Wo, das sagt er aber nicht.
Genug geredet, hinein ins Wasser - Geruch: unauffällig; Farbe: leicht trüb; Fließgeschwindigkeit: kaum wahrnehmbar. Dass gut 14 Kilometer flussaufwärts die Coburger ihr Abwasser in die Itz lassen, bringt Hannes Laudenbach nicht aus Ruhe. Dieter Scherbel, der auch schon mal Ende April oder Anfang Oktober in die Itz hüpft, schon gar nicht. Denn er hat - neugierig wie er ist - vor vielen Jahren sogar mal das Itzgründer Itz-Wasser untersuchen lassen. Schon damals gab es keine nennenswerte Belastungen - "und da waren die Zeiten noch anders", sagt Scherbel mit Blick auf die Fortschritte bei der Abwasserreinigung. Über seine Kontakte als Gemeindegeschäftsleiter hat er sich auch bei anderen Behörden wie dem Wasserwirtschaftsamt und der Regierung umgehört, was die von Wasserqualität der Itz halten. Fazit: ein überdurchschnittlich gesundes und gut durchmischtes Fischgewässer.