Das Coburger Hedwigsglas steht auf der Liste der "100 Heimatschätze Bayerns". Dabei handelt es sich um 100 ausgewählte Exponate aus den nichtstaatlichen Museen des Freistaates, die symbolhaft für seine Kultur stehen.

Das Heimatministerium und das Kunstministerium hatten mit der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen und dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege zu einem Wettbewerb aufgerufen, an dem sich rund 300 Einrichtungen mit mehr als 600 Ausstellungsstücken beteiligt hatten.


Vitrine wird neu gestaltet

In der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz München wurden die "Heimatschätze" bekanntgegeben, die jeweils mit 1000 Euro Preisgeld prämiert wurden. Das Preisgeld wird für eine Neugestaltung der Hedwigsglasvitrine verwendet werden.


Sven Hauschke, Direktor der Kunstsammlungen der Veste Coburg, freut sich über die Auswahl eines Objektes aus seinem Haus: "Das Coburger Hedwigsglas zählt zu den historisch bedeutsamen Objekten, es ist eines der kostbarsten Schatzkammerstücke überhaupt."


Aus dem 11. Jahrhundert

Das Hedwigsglas entstand wohl in Syrien im frühen 11. Jahrhundert als profanes Luxusgut. Möglicherweise gelangte es nach der Plünderung von Konstantinopel im Jahr 1204 in den Westen. Sein Name bezieht sich auf die Heilige Hedwig (1174 bis 1243), der Herzogin und Landespatronin von Schlesien und Polen. Eine Legende berichtet, dass sich in ihrer Gegenwart in einem solchen Glas Wasser zu Wein gewandelt habe.

Das Coburger Hedwigsglas gehörte nach alter, überzeugender Überlieferung der Heiligen Elisabeth von Thüringen (1207 bis 1231), der früh verstorbenen Nichte Hedwigs. Als Elisabeth-Reliquie verehrt, kam es spätestens 1469 in den Besitz der Herzöge von Sachsen.

Mehrfach ersuchten schwangere Prinzessinnen aus dem Hause Sachsen, aus dem Glas trinken zu dürfen. Aufgrund der wundertätigen Wirkung erhofften sie sich eine sichere Geburt. Unter Kurfürst Friedrich dem Weisen ist das Glas im Jahr 1507 im so genannten Wittenberger Heiltum nachgewiesen, einer Sammlung tausender in Gold und Silber gefasster Reliquien.


In geselliger Tischrunde

Nach der Ausbreitung der Reformation und der Auflösung Reliquienschatzes gelangte das Glas wahrscheinlich als Geschenk von Kurfürst Johann dem Beständigen an Martin Luther. Der Reformator ließ es 1541 in geselliger Tischrunde als "ein kristallinen Glas, das Sanct Elisabeth sollt gewesen sein", herumgehen. Luther, der im Jahr 1530 während des Augsburger Reichstages sechs Monate auf der Veste Coburg weilte, kann als Bewahrer des Hedwigsglases bezeichnet werden.
Auf der Veste Coburg wurde das Hedwigsglas als solches erst spät identifiziert: im Jahr Jahr 1910. Es muss aus der Sammlung der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha stammen, unklar ist jedoch, wie das aufgrund seiner herausragenden künstlerischen Qualität, seiner makellosen Erhaltung und seiner Geschichte als das bedeutendste nachantike Glas geltende Objekt dorthin gelangte.
"In der einzigartigen Überlieferung des Coburger Hedwigsglases lässt sich auf sehr vielfältige Weise Geschichte nachzeichnen und dabei die historische Bedeutung von Objekten verstehen, die nicht immer aus Gold und Silber bestehen müssen, um bedeutsam zu sein", so Sven Hauschke. red