Seit Jahren gibt es in der Wefa in Wildenheid eine Gärtnergruppe. Jetzt soll sie aufgelöst werden. Die Eltern der Betroffenen sehen das sehr kritisch. Die Geschäftsleitung der Werkstatt für angepasste Arbeit (Wefa) bedauert den Schritt, sieht aber keinen Weg für eine Zukunft.
In einem offenen Brief zeigen die Familien Sauer, Gertloff, Chramov und Hofmann auf, was sie bewegt: "Mitte Mai diesen Jahres wurden wir, die Eltern und Betreuer, von der bereits beschlossenen Entscheidung unterrichtet, dass die Wildenheider Wefa-Gartengruppe zum 31. Dezember aufgelöst wird. Bei dieser Informationsveranstaltung wurden alle eingebrachten Einwände, Sorgen und Bedenken der betroffenen Eltern und Betreuer bei Seite gewischt." Das einzige Argument für die Entscheidung kann aus Sicht der Eltern nur ein wirtschaftlicher Aspekt sein. Dabei seien nach ihrer Kenntnis die Auftragsbücher der Gartengruppe voll. Das hingegen bestätigt Franz K. Schön, Geschäftsführer der Wefa GmbH: "Aufträge sind da, es fehlt das Personal."
Seit vielen Jahren pflegte die Wefa-Gartengruppe ab dem Frühjahr bis in den Herbst hinein die Grünflächen einiger regionaler Firmen im Neustadter Umkreis, die Rasen- und Liegeflächen des Neustadter Freibades sowie die Hecken und Gärten etlicher Neustadter Bürger, schreiben die Eltern und: "Die Gartengruppe erntete dabei stets viel Lob von ihren Auftraggebern für ihre gute und gewissenhafte Arbeit. In der Vorweihnachtszeit sind die von der Wefa-Gartengruppe liebevoll gebastelten Adventskränze und Gestecke über die Neustadter Region hinaus gefragt. Die Beschäftigung im Freien sowie die unseren Kindern entgegengebrachte Achtung und der ehrliche Respekt vor ihrer Arbeit wirkte sich dabei positiv auf die Entwicklung und das Gemüt unserer Kinder aus. Doch diese für uns so wichtigen Argumente zählen für die Entscheidungsträger nicht. Der erhöhte Betreuungsaufwand für die Gartengruppe soll wirklich zu viel sein? Uns fehlt dafür jegliches Verständnis."
Da widerspricht Franz K. Schön. Er bedauert die Schließung: "Wir machen das ungern. Der Bereich ist eigentlich ein schöner Bereich." Doch um die Gruppe sinnvoll betreiben zu können müsse sie zehn bis zwölf Leute haben. Mit acht sei sie gerade noch zu betreiben. Doch zuletzt fünf, sei eben zu wenig - auch, um den Auftraggebern gegenüber die sichere Abwicklung der Arbeiten garantieren zu können. Nach einer längeren Zeit intensiver Werbung für die Arbeit in der Gruppe hätten sich aber keine neuen Mitglieder gefunden. Daher habe die Geschäftsführung einsehen müssen: "Wir kommen jetzt an die Grenze, wir machen zu, es funktioniert nicht mehr." Das habe er im Gespräch mit den Eltern versucht zu erklären.


Arbeit im Freien wichtig

Die sind enttäuscht: "Im Endeffekt bedeutet die Entscheidung, dass unsere Kinder ab dem 1. Januar ausschließlich in der Werkstatt arbeiten müssen, obwohl sie - aus teilweise ganz unterschiedlichen Gründen - eigentlich die Arbeit im Freien brauchen. Für uns war es jedes Jahr in den Wintermonaten bereits eine schwierige Situation, wenn die Tätigkeit im Freien fehlte. Alle Kinder, und mit ihnen die Eltern, waren jedes Mal froh, wenn sie im Frühjahr endlich wieder draußen in der Natur arbeiten konnten. Die Verträge mit den diversen Firmen werden gekündigt und dies wäre dann das Aus für die kleine Gruppe, die ihr eigenes Motto hat: Hart, härter, Wefa-Gärtner."


Appell der Eltern

Die Eltern appellieren an die Firmen sowie die Neustädter Bürger, sie zu unterstützen, so dass die Wefa-Gartengruppe in Wildenheid erhalten bleiben kann: " Wir hoffen, dass sich für die Wefa-Gartengruppe doch noch Alles zum Guten wendet!"
Das hoffen auch Gerlinde Deutsch, die Behindertenbeauftragte der Stadt und Zweite Bürgermeisterin Elke Protzmann, die sich beide der Sache der Gruppe angenommen haben - aber auch beide schwer tun, den Eltern etwas zu versprechen. "Die Leitung der Einrichtung macht das ja nicht, um die Leute zu ärgern", stellt Elke Protzmann fest. Ihr sei es wichtig gewesen, dass die Leitung der Wefa in Wildenheid, die die Betroffennen und ihre Situation kennt, von Anfang an in die Entscheidung eingebunden gewesen sei, denn sie weiß: "Für Außenstehende ist so etwas immer schwer zu beurteilen." Auch wenn es schwer falle, müssten die Betroffenen jetzt versuchen, Verständnis aufzubringen und eine Veränderung akzeptieren. Es gelte, gemeinsam für jeden die beste Lösung zu suchen.


Lösungen gesucht

Aus der Sicht von Franz K. Schön wurde genau das getan. Einigen Mitgliedern der Gruppe wurde auf ihren Wunsch ein Platz in der Werkstatt verschafft. Zwei, die lieber draußen arbeiten, aber nicht von Wildenheid nach Ahorn fahren möchten, werde eine kombinierte Arbeit angeboten, in deren Rahmen sie sich um die Außenanlagen der Wefa in Wildenheid kümmern. Eine Chance, auf die geforderent acht Gruppenmitglieder zu kommen, sieht der Geschäftsführer nach der, wie er betont, intensiven Werbung" für den Job kaum.
Nach Einschätzung der Eltern, wären acht Mitarbeiter in der Gruppe aber ohnehin zu viel. Sie verweisen auf das Einsatzfahrzeug der Gruppe, in dem neben dem Betreuer nur für sechs Leute Platz sei. Bei jedem Mitarbeiter mehr, wäre ein weiteres Fahrzeug und damit auch ein weiterer Betreuer nötig.
Sie wollen trotz aller Schwierigkeiten weiter versuchen, die Fortführung der Gärtnergruppe in der Wefa Wildenheid zu erreichen.

Einen Artikel über die Arbeit der Wefa in Ahorn finden Sie hier.