von unserer Mitarbeiterin Miriam Hegner

In einer Pflegeeinrichtung muss alles genau dokumentiert werden: Wann wurden wie viele Medikamente gegeben, wann wurde gewaschen, wann rasiert, wann und wie viel Essen gegeben. Das Ausfüllen und Abheften der Formulare kostet die Pfleger viel Zeit - Zeit, die ihnen für ihre eigentliche Aufgabe fehlt: die Pflege der Senioren.
Abhilfe können Computer und Computerprogramme schaffen: Sie erfassen Daten schneller, finden und ordnen. "Wichtig ist aber, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das elektronische System annehmen und sicher damit umgehen können. Nur dann erreicht das System sein Ziel", erläutert Melanie Keller, Absolventin des Masterstudiengang "Soziale Arbeit" an der Fachhochschule Coburg.
In ihrer Abschlussarbeit hat sie sich mit dem Thema elektronische Pflegedokumentation beschäftigt und untersucht, wie die Einführung eines solchen Systems in einem Pflegeheim erfolgreich verlaufen kann, und was die Voraussetzungen sind, damit es dem Personal wirklich Zeit und Geld spart.
Dafür hat sie Mitarbeiter und Pflegedienstleiter von zwei verschiedenen Einrichtungen befragt: vom Ernst-Faber-Haus in Coburg und vom Seniorenstift Martinsberg in Naila. Das Ernst-Faber-Haus dokumentiert noch handschriftlich, während in Naila schon mit mobilen Laptops gearbeitet wird. Melanie Keller wollte von den Coburgern wissen, was die Erwartungen an ein solches System sind und wie die Einführung in Naila geklappt hat.
Ihre Ergebnisse hat sie ausgewertet und daraus eine Liste mit Leitfragen erarbeitet, wie etwa "Brauchen wir diese Veränderung zu diesem Zeitpunkt?", "Stehen die finanziellen und personellen Resourcen für eine Umstellung zur Verfügung?", oder "Wer kann den Mitarbeitern das nötige Fachwissen vermitteln?"
"Diese Leitfragen sind eine Empfehlung, wie die Einführung eines solchen Systems angegangen werden kann, welche Punkte bedacht werden müssen, damit es ein Erfolg wird", sagt Melanie Keller. Auch die Auswahl eines elektronischen Systems sei entscheidend. Es gibt zum Beispiel fest installierte Computer in den Zimmern oder auf den Fluren, an denen die Pfleger die Daten eingeben. Eine andere Möglichkeit sind Laptops, die die Pfleger mit auf die Zimmer nehmen, so wie im Seniorenstift in Naila. Ein weitere Variante sind kleinere Geräte, wie Tablet-PCs, die keine Abstellfläche brauchen, sondern in der Hand gehalten und bedient werden können.

Personal einbeziehen

"Nicht jedes System passt in jeder Einrichtung gleich gut. Wichtig ist auch, die Mitarbeiter von Anfang an mit einzubeziehen, schon bei der Auswahl der Hardware und der Software", empfiehlt Melanie Keller. "In Naila hat man ein Projektteam gebildet, das sich in anderen Einrichtungen umgeschaut und verglichen hat." Außerdem gab es intensive Schulungen für die Mitarbeiter. "Gerade bei älteren Mitarbeitern nimmt das die Angst vor der täglichen Arbeit."
Andrea Tabatt-Hirschfeld, die die Abschlussarbeit betreut hat, freut sich, dass Melanie Keller die Verbindung von Theorie und Praxis in ihrer Arbeit so gut gelungen ist. "Diese Handlungsempfehlung ist durchaus auf andere Pflegeeinrichtungen übertragbar", lobt die Professorin. Auch Franz K. Schön, Vorstand des Diakonischen Werkes Coburg, ist sich sicher: "Hier stecken wertvolle Informationen für unsere Arbeit und weitere Planung drin." Auch für das Ernst-Faber-Haus, dessen Träger die Diakonie ist, könnte er sich die Einführung von elektronischer Pflegedokumentation mit Hilfe von Kellers Leitfaden vorstellen.