Glühwein, Lebkuchen, Punsch und Weihnachtsgans, Einkaufshektik und Geschenke. Besonders mit Letzterem verbinden viele Menschen die Advents- und Weihnachtszeit. Der Brauch, sich an Weihnachten zu beschenken, lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. In der Adventszeit wird traditionell auch an jene gedacht, die nicht vom Glück begünstigt sind. "Spenden statt Geschenke" hat sich in vielen Firmen etabliert. Dann gibt es Menschen, die seit vielen Jahren und kontinuierlich während des ganzen Jahres hinweg für andere wie selbstverständlich da sind, mehr oder weniger im Verborgenen Zeit, Geld oder ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen.
Drei Beispiele davon aus der Region:


Unterstützung für Zabalaza

Anfang Mai nächsten Jahres wird der Gasthof Löhnert in Scheuerfeld wieder für einige Tage ein Ort südafrikanischer Lebensfreude sein. Zum vierten Mal seit 2010 wird der Kinder- und Jugendchor Zabalaza aus Kapstadt Station in Scheuerfeld machen. Alle zwei Jahre tourt der Chor drei Monate durch Deutschland, Österreich und die Benelux-Staaten. Einerseits um Spenden für das Waisenkinder-Hilfsprojekt Vulamasango zu sammeln, andererseits verarbeiten die Kinder mit der Musik und dem Tanz ihre eigene schwere Vergangenheit. Fast jedes der Kinder von Vulamasango ("Offene Türen") hat Familienangehörige durch Kriminalität oder Aids verloren oder ist im frühen Kindesalter missbraucht oder vergewaltigt worden.

Der Coburger Bernd Löhnert hat schon vor vielen Jahren Südafrika kennen- und liebengelernt und in der Vergangenheit enge Kontakte nach Kapstadt geknüpft. Die beiden musikalischen Leiterinnen des Chores, Xolisa Majambe und Bongiwe Majam, kennt Löhnert schon seit mehreren Jahren. Zabalaza brachte 2010 den Saal von St. Augustin zum Beben, als es ein erstes Gastspiel an der Itz gab. Das war damals in purer Zufall. Zunächst sollten die damals sechs Mädchen und zwei Jungen in Zürich auftreten. Der Comedian Michael Mittermeier, bekannt aus Funk und Fernsehen, hatte das Kinderhilfsprojekt Vulamasango besucht und wollte ein Konzert in der Schweiz organisieren. Allerdings gab es Terminüberschneidungen und so musste kurzfristig ein Ersatztermin beschafft werden. An dieser Stelle kamen Bernd Löhnert, Peter Zeidler und Henrik Schmidt ins Spiel. Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei die Schwester von Bernd Löhnert, Heike Jernigan. Sie quartierte Chor und Betreuer vier Tage kostenfrei in ihrem Gasthof in Scheuerfeld ein. Das hat sich bei den nachfolgenden Gastspielen in Coburg wiederholt. 2012 war Zabalaza in der Morizkirche und im vergangenen Jahr in der Waldorfschule in Beiersdorf.

Die Kinder und Jugendlichen genießen diese vier Tage in Scheuerfeld als willkommene Pause während der anstrengenden Tour. Nirgendwo sonst haben sie eigene Hotelzimmer zur eigenen Verfügung und ein Frühstücksbüfett. In der Regel ist der Chor während der Tournee nie länger als einen oder zwei Tage an einem Ort. Und sie sind zumeist verteilt auf mehrere Unterkünfte. Peter Zeidler, Henrik Schmidt und Bernd Löhnert stellen während der Tage in Coburg auch das Programm zusammen, wobei ein Gartenfest nicht fehlen darf.
www.vulamasango.org


Schulgeld für Kenia

Thomas Schwesinger, Geschäftsführer des Regionalverbandes Coburg des Arbeiter-Samariter Bundes, und seine Familie übernehmen seit einigen Jahren das Schul- und Kindergartengeld für zwei Kinder in Kenia. Zustande gekommen ist die Verbindung zu den Geschwistern Gisela und Bernd durch eine Urlaubsbekanntschaft.
Vor fünf Jahren machte Thomas Schwesinger in dem ostafrikanischen Land Urlaub. "Wir haben eine Mitarbeiterin aus Kenia. Sie hat 15 Jahre in Mombasa gelebt und ist seit zehn Jahren schon beim ASB", erzählt er. Die Frau wollte wieder ihr Heimatdorf in Kenia besuchen, "und da haben wir sie und ihre Tochter halt mitgenommen". Außerdem, so der ASB-Geschäftsführer, sei es kein Nachteil, jemanden dabei zu haben, der fließend die Landessprache Swahili spricht. Durch die Übersetzerdienste der Mitarbeiterin kam eine Freundschaft mit Ober Patrick Shamalla im Hotel zustande. Dessen Frau war schwanger, jedoch konnte Patrick eine ärztliche Untersuchung nicht bezahlen. "Das kann man sich bei uns nicht vorstellen", sagt Thomas Schwesinger. "Die Frau ist im siebten Monat schwanger und war noch bei keiner Untersuchung." Umgerechnet hätte der Arztbesuch 17 Euro gekostet. "Da habe ich ihm heimlich 20 Euro zugesteckt, denn die Hotelangestellten dürfen kein Bargeld annehmen, auch kein Trinkgeld."

Erst einige Tage später erschien Patrick wieder auf der Bildfläche "und hat überglücklich einige Ultraschall-Aufnahmen gezeigt". Die Freude über die bevorstehende Geburt des Sohnes sei unendlich groß gewesen. Seit fünf Jahren gibt es in Kenia nun einen kleinen Bernd Shamalla, der auf den Vornamen von Schwesingers Bruder getauft wurde.

Die Schwesingers besuchten während ihres Urlaubes in Kenia auch die Schule der älteren Schwester Gisela. "Das waren zwei Räume mit klapperigen Möbeln und einer Tafel. Die Kinder haben einen riesengroßen Ehrgeiz und wollen unbedingt zur Schule gehen", beschreibt Thomas Schwesinger die Situation. Schließlich sei Bildung die einzige Chance für ein besseres Leben. Aber Schule in Kenia kostet die Familien Geld. 40 Euro im Quartal bei einem Monatseinkommen als Ober von 30 Euro sind viel. Und wenn das Geld zwei Tage zu spät auf dem Konto der Schule eingeht, dann werden die Kinder zwei Tage nicht unterrichtet. Lang hat Thomas Schwesinger mit sich gerungen, "aber in Afrika herrscht große Not und direkt daneben gibt es großen Reichtum, da wollte ich wenigstens dem kleinen Bernd eine bessere Zukunft ermöglichen". Dass er nicht alle Not lindern kann, bereitete anfangs dem ASB-Geschäftsführer mentale Probleme.

Nach wie vor nicht ganz ohne Probleme gehen die Geldüberweisungen von Coburg nach Kenia vonstatten, abgesehen von den Kosten von 28,50 Euro für jede Überweisung. "Anfangs habe ich einen 50-Euro-Schein per Brief zur Post gegeben. Der erste Brief kam an, der zweite schon nicht mehr", erinnert sich Thomas Schwesinger. Die Bank in Coburg sei bei der ersten Transaktion überfordert gewesen. Bei der letzten Überweisung galt es eine weitere Klippe zu umschiffen: "Damit Patrick an sein Geld kommt, will die afrikanische Bank jetzt eine Bestätigung. Deshalb wird der Beleg von hier eingescannt und per E-Mail nach Afrika gesendet."


Zahnärzte auf Mission in Südamerika

Drei Tage dauert die Reise von Michael Winklmair zu seinen Patienten, bevor er Karies entfernen und Löcher in Zähnen wieder füllen kann. Auch klaffende Wunden und Schnittverletzungen verarztet der Zahnarzt und Kieferchirurg.

Eigentlich könnte Winklmair, der Jahrzehnte in Coburg als niedergelassener Arzt praktizierte, die Ruhe und den Ruhestand in der Beschaulichkeit des südlichen Itzgrundes genießen. Im vergangenen September ist er - mittlerweile zum siebten Mal nach Ecuador geflogen. Ziel des Doktors war Guadalupe, ein abgelegener Ort im Süden des Landes. An der Clinica Nuestra Senora de Guadalupe hat Winklmair fünf Wochen behandelt, hat Medikamente von Deutschland nach Ecuador mitgenommen. Ausrüstung und medizinisches Personal für insgesamt fünf zahnmedizinische Projekte in Südamerika beschafft und vermittelt der "Förderkreis Clinica Santa Maria e.V.". Diesen Verein hat Michael Winklmair 1993 mit begründet und ist heute dessen Ehrenpräsident. Darin engagieren sich Zahnärzte, Oralchirurgen, Kieferchirurgen, Zahntechniker und Dentalhygienikerinnen. Der Verein organisiert und fördert zahnmedizinische Projekte in Lateinamerika.

Vier der Gründer sind deutsche Zahnärzte, die es sich zur Aufgabe machen, die medizinische Versorgung zu verbessern. Im ersten Projekt richteten sie in einer brasilianischen Klinik, eben der "Clinica Santa Maria", woraus die Namensgebung des Förderkreises resultiert, einen Bereich für Zahnheilkunde ein. Durch die regelmäßigen Aufenthalte der Zahnärzte gemeinsam mit deutschen Zahn-Medizinstudenten gelang der Aufbau einer medizinischen Versorgung für viele Menschen der Region. Das Konzept zielte von Anfang an darauf ab, dass sich ein weitgehend selbstständiges Klinikum entwickeln konnte. Heute sorgen die dort ausgebildeten Helfer dafür, dass die Klinik-Mitarbeiter größtenteils eigenständig die täglichen Arbeiten meistern können. Die Clinica Santa Maria in Brasilien steht heute auf eigenen Füßen. Daher hat der Förderkreis sein Engagement auf Projekte in Ecuador, Bolivien und Peru verlegt. Die Clinica Nuestra Señora de Guadalupe und liegt in der Provinz Zamora-Chinchipe. Das dort neu erbaute Gesundheitszentrum mit zwei zahnärztlichen Behandlungsräumen wurde 2001 eingeweiht. Die Klinikleitung liegt in Händen von Pater Jorge Nigsch, der aus Schoppernau in Vorarlberg/Österreich stammt.


Nur eine Schreibtischlampe

Winklmair hat sich schon immer für den lateinamerikanischen Kontinent interessiert. "Ich hatte seinerzeit einen Assistenten, der von Cruzeiro do Sul in Brasilien gehörte hatte", erinnert sich der Zahnmediziner. Daraus entwickelte sich der Aufbau der Zahnstation. "Das war ein Raum mit einem alten Behandlungsstuhl. Der war mit einem Fußpedal hydraulisch in der Höhe zu verstellen. Als Lichtquelle musste damals eine Schreibtischlampe herhalten." Inzwischen entsprechen einige der Kliniken und Stationen dem europäischen Standard, andere Einsatzgebiete sind sehr abgelegen. So das Projekt "Bolivia mobil", das seit 2012 im Programm des Fördervereins ist. "Bolivia mobil" spricht in erster Linie die Mitglieder an, denen die Arbeit in Guadalupe und Huancarani schon zu etabliert erscheinen. Dr. Dr. Michael Winklmair hat durch die vielen Jahre der Arbeit in Südamerika positive Erfahrungen bei der Zahngesundheit festgestellt: "Das Bewusstsein der Menschen für gesunde Zähne ist größer geworden und trägt Früchte." Dafür nehmen die Menschen auch großen Aufwand auf sich: "Für eine Behandlung sind manche mehrere Stunden unterwegs."
www.fcsm.org