Weit weg war der Adler nie: Der rund acht Zentner schwere Sandsteinvogel überdauerte die Sanierung des Denkmals am Ernstplatz auf dem Gerüst. Seit gestern sitzt er wieder auf der Säule, die an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erinnert.

"Der Adler war so fragil, dass ein Transport sehr viele Gefahren geborgen hätte", sagt Steinmetzmeister Christoph Kleese. Deshalb erhielt der Adler seine Verjüngungskur direkt auf dem Gerüst, unter der Einhausung, die das gesamte Denkmal einhüllte. Mit einer Mikropartikelstrahlung wurden Schmutz und Ablagerungen entfernt, die dem Sandsteinvogel schon eine dunkle Patina verliehen hatten.

Der Adler mit den mächtigen Klauen ist aus einem einzigen Schilfsandsteinblock gehauen. Während er erhalten werden konnte, musste das Kapitell, auf dem er steht, nachgefertigt werden. Das Denkmal selbst bestand aus Zeiler Sandstein, erzählt Christoph Klesse. Den gibt's nicht mehr, der Steinbruch ist erschöpft. Für das nachgefertigte Kapitell hat Klesse Sandstein aus Sand am Main verwendet, das gegenüber von Zeil auf der anderen Mainseite liegt. Von dem Originalkapitell waren nur wenige Teile erhalten, Klesse und seine Mitarbeiter mussten alles nachbilden. Dafür brauchten sie rund 300 Arbeitsstunden.

Während Arbeiter das äußere Gerüst abbauen, das während der Arbeiten den Blick auf das Denkmal verhüllte, schwebt der Adler am Kran über dem inneren Arbeitsgerüst unmittelbar neben der Säule. Christoph Klesse gibt das Zeichen, anzuheben, dann schieben seine Gesellen Michael Klesse und Johann Djatlov den Vogel hinüber zum Sockel. Zentimeter um Zentimeter sinkt der Sandsteinaar nach unten, den Blick unverwandt in Richtung Stadt gerichtet. Schließlich kann Johann Djatlov die Gurte lösen - der Adler hat seine Endposition erreicht. Nun müssen nur noch die Unterlegkeile entfernt werden, dann kann Christoph Klesse darangehen, den Mörtel aufzutragen, um den Adler fest mit seinem Sockel zu verbinden.

Gut 85.000 Euro wird die Restaurierung des Denkmals kosten, sagt Harald Reißenweber, beim städtischen Bauamt zuständig für den Unterhalt des Kriegerdenkmals. Veranschlagt waren die Kosten auf rund 110 .000 Euro, aber laut Reißenweber erhielt die Stadt günstigere Angebote. Außerdem gibt's einen Zuschuss von der Denkmalpflege.

Vorerst gespart wurde auch an der ursprünglich vorhandenen Vergoldung des Denkmals. Sonst hätten die Kosten bei über 138.000 Euro gelegen, und das war dem Bau- und Umweltsenat dann doch zu teuer.

Auch aus politischen Gründen gab es vor einem Jahr noch Widerstand gegen eine Sanierung: Das Denkmal erinnere an einen Krieg, der von deutscher Seite ausging, sagte Wolfgang Weiß (Grüne) vor gut einem Jahr im Bau- und Umweltsenat. Auch Carl-Christian Dressel (SPD) mokierte sich seinerzeit über den "wilhelminischen Reichsadler". Da war das Denkmal schon seit zwei Jahren wegen Baufälligkeit eingezäunt.