"Völlig platt", aber glücklich, einmal einen Blick in eine völlig andere Welt geworfen zu haben. So fasst Karin Bender am Sonntagmittag im Gespräch mit dem Tageblatt die Erfahrung der letzten fünf Tage zusammen. Gemeinsam mit 19 weiteren Damen hat die 55-jährige Coburgerin in Bad Neuenahr um den Titel, Deutschlands schönste Frau über 50, gekämpft. "Miss 50plus Germany" wurde zwar am Ende eine andere, doch enttäuscht ist Karin Bender überhaupt nicht. Im Gegensatz zu so mancher Konkurrentin, die teilweise richtig "verbissen" an die Sache gegangen seien, sehe sie das Ganze einfach als "tolles Erlebnis".

Spaß hin oder her, die Vorbereitung auf den großen Abend, das Finale am Samstag, war für die Teilnehmerinnen nicht ohne, wie Karin Bender am Freitagnachmittag verraten hatte. "Sie haben Glück, dass Sie mich jetzt erwischt haben", sagte sie, als wir sie auf dem Handy erreichten. "Ich sitze gerade hier auf meinem Hotelzimmer und habe meine Füße mit Schmerzsalbe eingerieben", erzählte sie lachend.

Am Mittwoch war die Coburgerin in Bad Neuenahr angereist und was folgte, war ein straffes Programm aus Training, Training, Training. Schließlich will das Laufen auf dem Laufsteg gelernt sein. Und selbstverständlich gibt es für eine so professionell geplante Veranstaltung auch eine entsprechende Choreografie, die eingeübt werden und auf den Punkt sitzen muss.

Doch von schmerzenden Füße, Müdigkeit und reichlich Stress ließ sich Karin Bender nicht den Spaß am Wettbewerb verderben. "Stress habe ich auf der Arbeit auch genug. Das macht mir nichts aus", sagte sie. Manch eine ihrer Mitstreiterinnen sahen das offenbar nicht so entspannt. Eine habe sogar am Freitag darüber nachgedacht, das Finale sausen zu lassen und wieder abzureisen.

Ihre Konkurrentinnen lernte die 55-Jährige übrigens erst am Mittwoch kennen. "20 attraktive Frauen, zehn davon hoch attraktiv und auch sehr diszipliniert", so ihr Urteil. Für die allerletzte Runde würden noch einmal die fünf überzeugendsten Damen ausgewählt. Wer aber am Ende das begehrte Krönchen aufgesetzt bekommen würde, dazu wollte Karin Bender am Freitag keinen Tipp abgeben, denn "am Ende zählt die Ausstrahlung - noch mehr als die Schönheit".

Ernst wurde es dann am Samstagabend im Kurhaus von Bad Neuenahr. Schon die Atmosphäre habe sie begeistert, erzählt Karin Bender am Sonntag. "Roter Teppich, der Saal sehr edel geschmückt und die Bühne ganz in Weiß gehalten." Zum Aufwärmen boten die 20 Damen zunächst eine Modenschau, dann wurde es ernst: Die erste Wertungsrunde absolvierten sie im Business-Outfit, wobei jede Teilnehmerin einzeln von Moderator Joachim Llambi vorgestellt wurde. Der aus der RTL-Show "Let's Dance" bekannte Juror hat Karin Bender übrigens begeistert. "Er ist so gut drauf, völlig anders als bei ,Let's Dance‘. Er ist lustig, locker und spontan."

Für die zweite Wertungsrunde durften sich die Damen dann in ihre Abendroben werfen. Als Nummer 13 in glamourösem Schwarz-Gold schritt Karin Bender über den Laufsteg.

Für das Krönchen reichte es zwar am Ende nicht, aber die Coburgerin freut sich auch über die Medaille, die sie - wie jede Teilnehmerin - bekommen hat. Was sie mit der Medaille macht, weiß Karin Bender zwar noch nicht, aber, so versichert sie lachend: "Ich werde sie mir sicher nicht jeden Tag umhängen."