"Dazu braucht man schon Vorstellungsvermögen", sagt Manfred Seiler und schaut auf die Werkstattpläne. Vier Wochen habe der Leiter des Projekts, Timo Kleiber, dafür gebraucht - eine ziemlich lange Zeit, das kann der Geschäftsführer der Firma Holzbau Ernst Seiler aus Scherneck einschätzen. Der Grund für den relativ hohen Aufwand: Die Waldorf-Krippe wird nach den Grundsätzen der anthroposophischen Architektur gebaut. Das bedeutet, es gibt kaum rechte Winkel, dafür organisch anmutende Baukörper, natürliche Materialien und ein naturbezogenes Konzept. Eine Herausforderung für den Holzbaubetrieb. Aber die Männer haben das hingekriegt. "Es passt alles und wir müssen nichts nachbessern", betont Manfred Seiler.

F ast der gesamte Bau besteht aus Holz. "Die Teile werden vorgefertigt, damit wir möglichst wenig Zeit bei der Montage brauchen." Seit Dienstag voriger Woche sind fünf Leute der Firma, Zimmerer, Polier und Vorarbeiter, auf dem Callenberg, in der Nachbarschaft des Waldorf-Kindergartens, beschäftigt. "Bis Freitag haben wir alles regendicht", verspricht Manfred Seiler. Dann wurden 33 Kubikmeter Bauholz - getrocknete Fichte - und eine Tonne Eisenteile verbaut. "Wir haben acht verschiedene Dachneigungen hier und nur zwei rechte Winkel."

Und weil das Haus nach ökologischen Grundsätzen errichtet wird, besteht die Dämmung aus Holzfasern, im Einblasverfahren eingebracht. "Die Wände sind innen dicht, aber nach außen diffussionsoffen."

Diese hohen Standards kosten Geld - 600.000 Euro im Fall der Waldorf-Krippe. Und weil sich die Stadt verpflichtet hat, generell zwei Drittel der Kosten für die Schaffung von Krippenplätzen zu übernehmen, hat sie im Fall der Waldorf-Einrichtung 215.000 Euro zu zahlen.

Das war der Grund, dass im vergangenen Jahr der Finanzsenat zunächst Nein gesagt hatte. So viel Geld für zwölf Krippenplätze sei einfach zu viel, hieß es. Doch es gab Protest, unter anderem von Seiten der Eltern, aber vor allem vom Förderverein Waldorf-Kindergarten, dem der Zuschuss zugesagt worden war. Schließlich beschloss der Stadtrat, den Krippenbau in der versprochenen Höhe zu fördern.

"Wir bewegen uns am Ende etwa im geplanten finanziellen Rahmen", sagt Antje Schönheit, Gruppenleiterin der Waldorf-Krippe. Sie hofft, dass im Mai/Juni die Kinder und drei Mitarbeiterinnen in das neue Gebäude einziehen können. Dort können sie dann einen Gruppen- und einen Schlafraum nutzen. Es wird ein Leiterinnen- und ein Mitarbeiterinnenzimmer geben. Neben der Garderobe, dem Kinderwagenraum und dem Sanitärbereich bekommt die Krippe auch eine Küche. "Dort können wir dann selbst kochen. Das haben wir früher im Kindergarten schon einmal gemacht", erzählt Antje Schönheit. Auch einen separaten Spielplatz bekommt die Kinderkrippe.