Am Silvestertag, dem 31. Dezember, dieses Jahres ist Schluss. Holger Prase, Wirt der Coburger Traditionsgaststätte "Henneberger Haus", hört auf. Seit 14 Jahren haben er und sein Team die Gäste mit gutbürgerlicher fränkischer Küche und Coburger Spezialitäten bewirtet. "Aber mit 67 Jahren ist jetzt Schluss", sagt der Wirt. Im gleichen Atemzug aber beruhigt er die vielen Stammgäste, die das "Henneberger Haus" oder "den Pflaum" besuchen: "Nur ich werde ausgetauscht, die Gastwirtschaft aber kann man nicht ersetzen, die bleibt."


Von der Wupper an die Itz

Der gebürtige Wuppertaler bezeichnet sich schon als echten Coburger, kam er doch im Alter von einem Jahr an die Itz. "Ich bin im Steinweglein aufgewachsen, also ganz in der Nähe." Über Umwege kam der gelernte Werkzeugmacher in die Gastronomie. In der früheren Brauerei Scheidmantel arbeitete Holger Prase 15 Jahre lang, zuletzt als Geschäftsführer. Leider sei die Kooperation mit der Coburger Sturms Brauerei seinerzeit nicht zustande gekommen. Beide alteingesessenen Coburger Brauereien wurden letztlich an die Kulmbacher Brauerei verkauft.

Im Jahr 2004 übernahm Holger Prase von Heinz Pflaum das "Henneberger Haus". Vom Vorgänger und dessen Mutter hat das urige Coburger Wirtshaus gegenüber dem Parkhaus Zinkenwehr auch seinen zweiten Namen. Ältere Coburger gehen nach wie vor "zum Pflaum". Das hat Tradition. Jeden Tag kommt mindestens ein Stammtisch in dem Lokal zusammen. Rund 150 Krüge von Stammgästen sind in den Schränken hinter dem Tresen versammelt. "Das Verhalten hat sich in den letzten Jahren gewandelt", stellt Holger Prase fest. "Stammtisch" sei nicht nur etwas für die reiferen Herrschaften, "auch jüngere Leute haben eine gepflegte Wirtshauskultur wieder für sich entdeckt."

Das mag in der Speisekarte des "Henneberger Hauses" begründet sein. Da gibt es noch Gelüng, also Innereien. "Gelüng, das koche ich selbst", stellt Holger Prase kategorisch fest. Dass richtig gekocht werde, das honorieren die Gäste. "Bei euch hört man noch, dass die Schnitzel geklopft werden", zitiert er Gäste. Eine Fritteuse oder einen Konvektomaten gibt es in der Küche des "Henneberger Hauses" nicht. "Bei uns werden die Kartoffeln noch geschnippelt!"


Klöße und Rouladen

Sonntags, donnerstags und an Feiertagen werden hausgemachte Coburger Klöße mit verschiedenen Braten serviert. Klöße und eine gefüllte Roulade sind neben Zander die bevorzugten kulinarischen Genüsse des Noch-Wirtes.

"Gastronomie muss man leben, sonst wird es nichts", beschreibt er den Beruf. Einerseits dürfe man keineswegs kontaktscheu sein, andererseits die mannigfaltige Arbeit im Hintergrund nicht scheuen. "Mit Bier zapfen und Teller hin- und hertragen allein stellt sich kein Erfolg ein."

Erfolgserlebnisse, zusammen "mit einem tollen Personal", sind auch die Motivation in den vergangenen Jahren für Holger Prase gewesen. "Wenn die Weihnachtsfeiern vorbei sind oder wenn man am Abend des Pfingstmontags sagen kann, dass alles gut gelaufen ist, dann macht die Arbeit auch Spaß!"

Weniger Spaß hat hingegen die mitunter langwierige Suche nach Personal gemacht. Dieses Schicksal teilt nahezu die gesamte Gastronomie. Auch über die falschen Gerüchte während der letzten drei Jahre zu einer Schließung konnte Holger Prase sich nicht freuen.

"Aber jetzt ist es definitiv: Zum Jahreswechsel ist Schluss, dann kann ich auch wieder einmal verreisen, Sport treiben - und im ,Henneberger Haus' als Gast einkehren!"