Keiner will sie vor der Haustür, und vielleicht waren es die Proteste im östlichen Oberfranken und im Raum Bad Kissingen, die dazu geführt haben, dass im aktuellen Netzplan drei Trassen durchs Coburger Land führen. Drei sind es an der Zahl, eine, die 380kV-Leitung namens "Thüringer Strombrücke", ist gerade im Bau. Eine Gleichstromtrasse sollte ursprünglich weiter östlich verlaufen, die P44, eine weitere 380kV-Leitung, weiter westlich.
Doch auf Thüringer Seite wurde der Übergabepunkt für die P44 von Altenfeld nach Schalkau verlegt, und auf bayerischer Seite wehrt sich Grafenrheinfeld dagegen, Endpunkt der P44 zu sein. "Nicht korrekt" findet Michelbach diese Forderung der Unterfranken - gerade vor dem Hintergrund, dass Coburg nach dem aktuellen Szenario alle drei Trassen ab bekäme.

Wie die Netzentwicklungsplanung zu diesem Punkt kam, das alle Stromleitungen durchs Coburger Land führen sollen, erläuterte Martin Schmitz, Wirtschaftsförderer beim Landkreis Coburg und in Rögen wohnend - dem Stadtteil, der schon von der Thüringer Strombrücke betroffen ist.

Jedenfalls ist der Netzentwicklungsplan in dieser Fassung noch nicht beschlossen; das soll 2016 geschehen. Bis dahin müsse Coburg wieder außen vor sein, sagte Michelbach. Dazu brauche es den vereinten politischen Protest der Region, aber auch Sachargumente wie das, dass die P44 durchs Coburger Land 37 Kilometer länger wäre als beim ursprünglich vorgesehenen Verlauf. Diese Argumente müssen beim Konsultationstermin am 13. Dezember auf dem Tisch liegen. Markus Mönch, Bürgermeister in Weidhausen, postete am Donnerstag bei Facebook das Foto eines Papierstapels: "Fünf Zentimeter Eingaben gegen die Stromtrasse."

Die Region jedenfalls sei sich einig, sagte Schmitz: Neben den Landräten und Oberbürgermeistern in Coburg, Bamberg, Lichtenfels und Forchheim lehne auch der Landkreis Haßberge die Trassen im Coburger Land ab. Andreas Gehring (SPD) wies darauf hin, dass Coburg bei der Demo gegen die Trassenpläne am Sonntag in Rödental stark vertreten gewesen sei: Rund 70 Einwohner aus dem Coburger Osten und "mindestens acht oder neun Stadträte auf der Demo, aus allen Fraktionen und Parteien. Nicht jeder war oben auf dem Podium und hat geplaudert".


Die Resolution im Wortlaut:

"Das Coburger Land und die Stadt Coburg leisten durch die derzeit im Bau befindliche neue 380-kV-Leitung (Thüringer Strombrücke) mit ihren gewaltigen Natur- und Landschaftseingriffen bereits einen großen Beitrag zur Energiewende.

Das Coburger Land und die Stadt Coburg haben sich zudem bereits bei den großen Verkehrsinfrastrukturprojekten "Deutsche Einheit" (Autobahn A 73 Nürnberg-Erfurt und ICE-Trasse München-Berlin) mit Natur und Landschaft eingebracht.

Dies gilt insbesondere für die Menschen in den östlichen Coburger Stadtteilen Rögen, Lützelbuch und Neu- und Neershof (Bündelungstrassen).

Weitere Netzverstärkungen, Trassenverläufe und Leitungsbauten in jedweder Form (Leitungsneubau, Leitungsumbau, u. a.) konterkarieren die strategische Entwicklung der gesamten Region (Siedlungs-, Natur- und Tourismusraum). Sie dürfen nicht wieder das Coburger Land und seine Kommunen in deren Entwicklung zusätzlich beeinträchtigen.

Die im aktuellen NEP vorgebrachten Alternativtrassen durch das Coburger Land entsprechen gerade nicht der politischen Absicht aus dem Koalitionsgipfel (Juli 2015) und sind zurückzuweisen: Bei der bereits planfestgestellten und im Bau befindlichen 380-kV-Leitung handelt es sich zum einen nicht um eine Bestandstrasse und zum anderen kann sie auch in der planfestgestellten Form technisch nicht ertüchtigt werden.

Nationale Infrastrukturmaßnahmen sind von allen Teilräumen des Landes zu tragen. Sie dürfen nicht mit dem Argument der Bündelung einseitig zu einer nicht mehr vertretbaren Überlastung der Region Coburg führen (Stichwort: Überbündelung).

Das Coburger Land und die Stadt Coburg dürfen nicht nur "Flächenspender" und "Belastungsraum" für die großen nationalen Verkehrs- und Energieinfrastrukturmaßnahmen sein. Anstatt neue einschneidende Projekte im Gebiet des Coburger Landes und der Stadt Coburg zu prüfen, ist es längst an der Zeit erst einmal die bereits entstandenen, und in der Entstehung befindlichen, Infrastrukturen für die Region und ihre Bürgerinnen und Bürger nutzbar zu machen (beispielsweise mit einer ICE-Anbindung im 2-Stunden-Takt).

Die Netzverstärkungen im 380-kV-Netz müssen im großräumig, überregionalen Kontext über andere Alternativ-Trassen realisiert werden. Die Netzbetreiber sind aufgefordert Trassenverläufe über andere großräumige Verbindungen zu prüfen.

Der Planungsirrsinn und die damit einhergehende Verschwendung von Steuergeldern, eine im Bau befindliche, noch nicht fertiggestellte Thüringer Strombrücke wieder abzureißen und durch einen Neubau ersetzen zu wollen, ist sofort zu beenden!

Der Bau einer zweiten Parallel-Trasse zur Thüringer Strombrücke ist noch abwegiger.

Bei den Alternativen der Trassenführung der HGÜ (Gleichstromtrasse) zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern ist - wenn überhaupt notwendig - die Variante der Verbindung Wolmirstedt (ST) und Isar 1 (BY) umzusetzen. Sie darf dabei nicht auf Umwegen über das Coburger Land geführt werden!

Weitere Eingriffe in das Landschaftsbild durch eine neue, zusätzliche HGÜ-Gleichstromtrasse kann und darf es in der Region nicht geben."


Individueller Protest

Alle Einwendungen gegen die aktuelle Netzplanung müssen bis 13. Dezember 2015 bei der Bundesnetzagentur vorliegen. Wer selbst eine Stellungnahme abgeben möchte, findet das Formularauf der Homepage der Bundesnetzagentur. Es kann - entsprechende Programme vorausgesetzt - direkt am PC ausgefüllt und per E-Mail versandt werden. Man kann es aber auch ausdrucken, ausfüllen und per Post schicken.