Hurra!? Ein Baby kommt. Warum das Fragezeichen nach dem Ausrufezeichen? Die Sozialpädagoginnen der Schwangerenberatung der Diakonie Coburg haben sich was dabei gedacht, als sie den Titel für den Vortrag am 28. März (18.30 Uhr) wählten.

Ein Kind zu bekommen, hat heutzutage viel mehr mit dem Kopf zu tun als mit Lust und Laune wie noch vor Jahren. Alles will mittlerweile gut durchdacht und geplant sein.

Erfüllt sich ein Kinderwunsch, beginnt sich das Gedankenkarussell zu drehen. Bei manchen Frauen so schnell, dass ihnen schwindelig wird. Schließlich möchte man alles richtig machen, nichts vergessen und möglichst gut vorbereitet sein. Perfekt eben, wie es von einem erwartet wird.

An was muss alles gedacht werden? Imke Böger-Troll, Sozialpädagogin und Leiterin der Schwangerenberatungsstelle, kennt die Sorgen und Nöte junger Eltern. Meist sind es die Frauen, die sich bei ihr Rat und Unterstützung holen. Genau an jene richtet sich auch der Vortrag im dialog in der Metzgergasse. "Wir wollen Licht ins Dunkel bringen. Es gibt so viel: von Familiengeld bis Unterhaltszuschuss, von Elternzeit bis Kinderzuschlag." Imke Böger-Troll und ihre Kollegin Christine Kosuch beraten rund 900 Frauen pro Jahr im Bereich Coburg, Kronach Lichtenfels. Und kaum eine weiß, was es alles für mögliche finanzielle Zuschüsse gibt, wo Eltern Hilfe bekommen und an was alles frühzeitig gedacht werden sollte.

Die Kinderbetreuung sei bei vielen werdenden Eltern kein Thema , wissen sie doch, dass sie wenigstens ein Jahr lang Elterngeld beziehen und sowieso daheim sind. Damit sind die ersten zwölf Monate abgesichert. "Wer danach gleich wieder arbeiten möchte oder aus finanziellen Gründen muss, denkt oft nicht an die Eingewöhnungszeit in der Krippe oder auch daran, dass die Kleinen erfahrungsgemäß im ersten Viertel Jahr oft krank sind", weiß die Sozialpädagogin. "Kann mein Partner mich da unterstützen? Hat die Oma Zeit? Was kann ich von der Freundin erwarten? Wie könnte ich die Elternzeit splitten?" - All diese Fragen sollten gestellt und geklärt werden.

Mit dem nötigen Hintergrundwissen bekommt die Familie vielleicht sogar mehr finanzielle Unterstützung als gedacht und kann den Arbeitsbeginn um ein Viertel Jahr oder die Wintermonate hinauszögern.

Staatliche Unterstützung zu bekommen, ist möglich, jedoch nicht so einfach. "Wir helfen oft schon beim Ausfüllen der Anträge, die manchmal gar nicht so leicht zu verstehen sind", sagt Imke Böger-Troll.

In dem Vortrag am Donnerstag sollen die Themen angerissen und Möglichkeiten aufgezeigt werden. Neu ist beispielsweise, dass der Staat ab 1. April 100 Euro fürs 1. und 2. Kindergartenjahr dazubezahlt. In einem persönlichen Beratungsgespräch helfen die Sozialpädagoginnen der Schwangerenberatung dann gerne individuell weiter. Familienplanung sei komplizierter geworden. Jeder überlegt sich seinen optimalen Weg. Die Erfahrung zeige jedoch, dass das Leben mit Kind nicht immer so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. "Mit Kindern planen, ist so eine Sache", weiß die erfahrene Beraterin. Deshalb versuche sie und ihre Kollegin den Frauen zu vermitteln, doch etwas gelassener zu sein. "Niemand kann und muss perfekt sein. Keiner muss immer funktionieren." Wer das verinnerliche, wird eine entspanntere Schwangerschaft und eine gute Zeit mit Kind haben.

Checkliste fürs erste Kind

1. Elterngeld (maximal 14 Monate, wovon zwei der Partner nehmen muss)

- einkommensabhängig, mindestens 300, maximal 1800 Euro

2. Kindergeld (bis max. 25 Jahre)

- 194 Euro (ab Juli 204 Euro)

- in Notlagen Kindergeldzuschlag von maximal 185 Euro

- oder Kinderfreibetrag steuerlich geltend machen: 7620 Euro

3. Familiengeld

250 Euro bis zum 3. Lebensjahr

4. Kindergartenzuschuss fürs 1. und 2. Jahr (neu)

100 Euro

5. Im Falle eines Hausbaus oder -kaufs: 1200 pro Kind/Jahr (einkommensabhängig)

KOMMENTAR von Christiane Lehmann

Perfekt - oder doch lieber glücklich

Was macht diese Welt mit uns? Endlich schwanger! Und dann? Wir haben Angst. Angst vor einer Fehlgeburt. Angst vor einer Behinderung. Angst, nicht alles auf die Reihe zu kriegen. Wir fragen uns, ob wir das alles schaffen - und beginnen zu planen.

Perfekt soll alles sein, wenn das Baby da ist. Schön und trendy. Wir googeln uns nächtelang durch die Windel-Wonder-World, um herauszufinden, welcher Kinderwagen der beste ist. Nehm ich den Joolz Geo, den Cybex Priam oder doch den Bugaboo Cameloen? Kinderwagenorganizer, Clippy Hooks und Edeltrinkflasche von Blafre werden schon mal in den digitalen Einkaufskorb geschoben. Legen wir dann doch mal das Ipad zur Seite, beginnen wir zu träumen: von unserer kleinen, neuen Familie mit dem schönsten und putzigsten Kind in unserer Mitte. Ach ja, ein Hund, vielleicht ein Labrador, ein heller, würde auch noch in unser Bild passen. Wir sehen schon alles vor uns: den ersten Schultag, das Abitur, Studium, Erfolg, Karriere...

Und dann ist das Baby da und schreit - will nicht im Kinderwagen liegen, hat Bauchschmerzen, wacht alle zwei Stunden auf. Wir waschen unsere Haare tagelang nicht, laufen im Jogginganzug durchs Haus und kriegen den Haushalt so gar nicht mehr auf die Reihe. Doch das ist nur der Anfang. Der Anfang von einem neuen unperfekten Leben. Wir können es annehmen und die Zeit genießen oder den Kampf aufnehmen.

Aber: Wir werden ihn verlieren. Denn Familien sind nie perfekt. Weder die eigene, noch all die anderen, die es uns vormachen wollen.

Der Erwartungsdruck, der geschürt wird, macht uns zu Marionetten der Gesellschaft. Wir spielen eine Rolle, die uns nicht gut tut. Und erst recht nicht unseren Kindern. Nehmen, wie's kommt und das Beste draus machen - mit Gelassenheit und Intuition wäre eine Möglichkeit, sich von Zwängen zu befreien und dieser neuen, schönen und perfekten Welt ein Schnippchen zu schlagen. Schubidu statt Bugaboo!