Kurz vor den Faschingsferien ist die Stimmung in der 8b locker und gelöst. Noch. Über das Experiment, das gleich nach den Ferien startet, werden sogar kleine Witze gemacht. Max zum Beispiel. Auf die Frage, ob man sich denn irgendwie vorbereite oder dieses "handy-lose Gefühl" schon einmal stundenweise trainiere, sagt er mit einem breiten Grinsen: "Ohne Handy? Das trainiere ich jede Nacht ... wenn ich schlafe!"

Am kommenden Montag, 18. Februar, wird Max und seinen Klassenkameraden das Lachen möglicherweise vergehen: Dann nämlich werden alle Handys eingesammelt und verschlossen. Eine Woche lang. Es ist ein Test, auf dessen Ergebnis alle gespannt sind: Ja, auch die Schüler - noch mehr allerdings meist ihre Eltern. Neugierig sind auch die Klassenlehrerin der 8b, Ulrike Wentker, CO   I-Schulleiterin Susanne Carl, natürlich das Tageblatt sowie die Moderatoren Thomas Apfel und Sabrina Lang von Radio Eins, auf deren Idee das Experiment zurückgeht.

"Wir bekommen ja mit, wie wichtig heutzutage für Jugendliche so ein Mobiltelefon ist", sagt Sabrina Lang. Deshalb habe man sich irgendwann einmal - zunächst nur im Spaß - die Frage gestellt: "Was würden die Jugendlichen bloß ohne Handy machen?!"

Kommt das Herzklopfen zurück?

Susanne Carl war von der Idee sofort begeistert. Schließlich bekommt auch sie täglich mit, welch große Bedeutung das Handy im Leben ihrer Schüler hat. Zwar herrscht auf dem gesamten Schulgelände - gemäß einer Richtlinie des Kultusministeriums - ein absolutes Handy-Verbot. Doch nach Schulschluss ist bei vielen Schülern der allererste Griff der zum Handy. Und warum? "Na, um sich mit Freunden zu verabreden", erklärt Ben. Susanne Carl muss schmunzeln - und denkt daran zurück, wie man sich in ihrer Jugend mit Freunden verabredet hat. Ohne Handy. Und: Das ging auch! Vielleicht ja sogar besser. "Mit Handy wird alles so plan- und berechenbar", sagt Susanne Carl. Vielleicht, so eine Vermutung von ihr, komme ohne Handy wieder ein bisschen das "Herzklopfen" zurück.

Ohnehin ist sie der Meinung, dass das Kommunizieren per Handy viel komplizierter sein kann als jemandem direkt etwas zu sagen. "Außerdem ist das doch eine Quelle der Missverständnisse", glaubt Susanne Carl. Ein ins Handy getippter Text könne vom Empfänger viel schneller missverstanden oder gar als verletzend empfunden werden, als wenn etwas gesprochen wird und ein Text somit auch noch eine gewisse Betonung oder gar Sprachmelodie erhält. Kurzum: Susanne Carl freut sich auf die handy-lose Woche. Auch sie selbst macht übrigens bei dem Experiment mit und wird ihr Mobiltelefon ebenfalls wegschließen lassen.

Die Begeisterung bei den Schülern hingegen, das geben sie recht offen zu, hielt sich zunächst in Grenzen, als sie von dem Experiment erfuhren. Ihre Eltern wiederum hätten das eigentlich alle ganz toll gefunden. "Meine Eltern sagen sowieso, dass ich viel zu viel Zeit mit dem Handy verbringe", erzählt Lena und muss seufzen. Wie sie wohl erst am Montag seufzen wird, wenn das Handy weg ist?

Ein Junge gibt dann aber sogar zu, dass er vom Handy oft abgelenkt wird - beziehungsweise: dass er sich anlenken lässt. "Wenn ich Hausaufgaben mache, liegt mein Handy meistens gleich daneben. Und sobald es blinkt, muss ich natürlich sofort schauen, wer mir etwas geschrieben hat!" Nun, zumindest in der nächsten Woche wird nichts blinken. Die Mobiltelefone kommen weg und dafür hoffentlich ein paar ganz neue Erfahrungen hinzu.

INFO

Über den Verlauf der Aktion werden nicht nur www.infranken.de und das Coburger Tageblatt berichten. Von Montag bis Freitag gibt es jeweils in der Zeit von 6 bis 10 Uhr auch in der Sendung "Hellwach" auf dem Coburger Lokalsender Radio Eins immer wieder aktuelle Zwischenberichte aus dem Klassenzimmer der 8b.