Jedes Gramm zählt! Schließlich muss der Rucksack eine Woche lang geschleppt werden. An Wechselklamotten wird deshalb eisern gespart, beim Schlafsack wird geguckt, ob es nicht doch noch ein etwas leichteres Modell gibt, und statt des großen Fotoapparats muss auch mal die kleine Schnappschusskamera reichen. Alles nachvollziehbar - aber dann das: Freiwillig packt Pfarrer Markus Merz ein dickes Buch ein, das gut ein Kilogramm wiegt! Aber es ist eben ein ganz besonderes Buch - geschaffen für einen ganz besonderen Weg und ein ganz besonderes Unterfangen.

Am Ostersonntag geht's wieder los: Markus Merz setzt seinen 2010 begonnenen Weg nach Jerusalem fort. Die vierte Etappe startet im slowakischen Bratislava und endet in Ungarns Hauptstadt Budapest.

Ein Gästebuch, nur andersherum

Der Pfarrer der Coburger Morizkirche wird diesmal gleich von acht Coburgern begleitet - und vom dicken Pilgerbuch, das ihm der Coburger Buchbinder Bernd Rudolf Fritz gefertigt und geschenkt hat. Viele schöne Einträge befinden sich bereits darin, und Markus Merz ist schon gespannt, welche neuen in den nächsten Tagen hinzukommen. "Es ist wie ein Gästebuch - nur andersherum", erklärt der Pfarrer. "Wo immer wir Gast sind oder Halt machen, bitten wir die Gastgebenden um einen Eintrag." So lässt sich schon jetzt anhand des Buches einiges über die Menschen erzählen, die Markus Merz getroffen hat. Sehr bewegt hat ihn der Eintrag einer Frau: "Betet für meine Freundin - sie wartet auf ein Herz." Ein Jahr später schloss sich diese Frau spontan für einen Tag der Pilgergruppe an und berichtete, dass die Transplantation mittlerweile erfolgt und ihre Freundin wieder voller Lebensmut sei.

Weil das Buch so schwer ist, wird es abwechselnd von den Pilgern in der Gruppe getragen. Doch es wird nicht als Last empfunden - ganz im Gegenteil. Als jetzt die bevorstehende Etappe geplant wurde, blätterten viele bereits neugierig in den Seiten. Zwischen Bratislava und Budapest wird noch mehr Zeit sein, um die Namen und Anliegen zu lesen und vielleicht auch ins Gebet zu nehmen. "Aber es sind auch noch sehr viele Seiten leer", bemerkte einer, woraufhin Markus Merz lächelnd sagte: "Das zeigt, dass der Weg bis Jerusalem noch sehr lang ist!" Erreicht haben will er die Heilige Stadt in etwa fünf Jahren - das Stück vom Bosporus will er gerne ohne Unterbrechung bis nach Jerusalem laufen. Weil dies etwa drei Monate dauern dürfte, überlegt der Pfarrer, dafür ein "Sabbatical" ("Sabbatjahr") zu nehmen; sprich: sich für diese Zeit von seinem Dienst als Pfarrer freistellen zu lassen.

Wenn Markus Merz auf einer der nächsten Etappen freilich so etwas Ähnliches passiert wie im vergangenen Jahr in Österreich, könnte Jerusalem auch sehr schnell erreicht werden.

Nationaltrainer gab Tempo vor

Unter den Einheimischen, die sich immer wieder den Coburger Pilgern anschließen, war an einem Tag der ehemalige Trainer der österreichischen Marathonläufer. "Da waren wir sehr flott unterwegs", erinnert sich Markus Merz und schmunzelt. Die Strecke, die an diesem Tag geschafft wurde, war enorm...
Aber noch einmal zurück zum Pilgerbuch. Das Buch liegt bei allen Gottesdiensten, die auf der Pilgerreise gefeiert werden, auf dem Altar. Ebenso findet Markus Merz die Vorstellung schön, dass auf diese Weise viele Menschen und deren Gedanken mit nach Jerusalem getragen werden. Und er sagt: "Es gibt einen Gedanken von Jesus, den er einmal zu einem ganz anderen Pilgerbuch äußerte - so, als gäbe es ein Buch, das über unsere Welt hinausgeht. Da sagte er: Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind! Das muss wohl so etwas wie eine Haus- und eine Reisechronik in einem sein. Ich freue mich, dass mein Name da schon vermerkt ist."


Aus dem Pilgerbuch

Auswahl einiger Gedanken, die bislang ins Pilgerbuch eingetragen wurden:

"Der Jerusalemweg ist der Weg der Begegnungen."

"Zu Fuß bist Du kein Fremder."

"Spuren hinterlassen - auf dem Weg sein - Gott erfahren. Der Herr sei Euer Hirte!"

"Wir alle sind Pilger Gottes!"

"Jesus sagt: Ich bin der Weg und auch das Ziel."

"Wohin Du auch gehst, gehe mit Deinem ganzen Herzen!"

"Mögen die Engel Euch begleiten!" os