Jetzt ist die Kunst der Improvisation gefragt. Bereits am Tag nach dem massiven Wasserschaden im Bühnenhaus präsentiert das Landestheater Coburg seinen Notfall-Spielplan. Konzertante Aufführungen finden am Sonntag (2. November) in der Morizkirche und im Kongresshaus (6. und 14. November) statt. Und selbst die für die 9. November geplante Ballett-Premiere "Bolero" findet termingerecht statt - freilich nicht im versehentlich gefluteten Landestheater, sondern auf einer Notbühne in den Theater-Werkstätten in Cortendorf.


"Ich hoffe, dass ich nicht täglich Hiobsbotschaften verkünden muss", beginnt Intendant Bodo Busse am Donnerstag seine zweite kurzfristig anberaumte Pressekonferenz zum Thema Wasserschaden. "Wir haben jede Menge Hilfsangebote und Vorschläge erhalten", freut sich Busse: "Toll, dass Publikum und Ämter uns so den Rücken stärken." Die Liste der Adressaten für Busses Dank ist lang - vom Rechts- und Bauamt der Stadt Coburg bis zum Pfarramt St. Moriz, das kurzfristig die Stadtkirche für eine konzertante Aufführung von Verdis Oper "Ein Maskenball" am Sonntag (15.30 Uhr) zur Verfügung gestellt hat.


Derweil laufen auf der Bühne bereits ein Dutzend Kondensationstrockner, die am Nachmittag eilends von einer Spezialfirma aufgestellt wurden. "Die Trockenlegung des Hauses hat Priorität", sagt Busse.

Wie hoch ist der Schaden?

Doch wie lange es freilich dauern wird, das versehentlich durch die Berieselungsanlage unter Wasser gesetzte historische Bühnenhaus gründlich zu trocknen, lässt sich noch nicht genau sagen. Am Donnerstag war für mehrere Stunden ein Sachverständiger im Landestheater, um die Schäden vorläufig aufzunehmen. Abgeschlossen aber ist diese Analyse noch nicht. Welche der unfreiwillig gewässerten technischen Anlagen funktionieren überhaupt noch? Das lässt sich erst klären, wenn diese Anlagen getrocknet sind und damit geprüft werden können. Einige der Scheinwerfer, so Busse, sind auch für Freilufteinsätze geeignet und vertragen damit Wasser, viele andere aber nicht.

Unbürokratische Hilfe

Von den betagten Leitungen und sonstigen technischen Einrichtungen hinter der Bühne ganz zu schweigen. Ein technisches Gutachten erwartet Busse im Laufe der nächsten Woche. Erst dann wird es möglich sein, die Schadenshöhe überhaupt annähernd abzuschätzen.


Wer soll das bezahlen?


Derweil ist Intendant Busse sehr erleichtert, dass das Theater von den Ämtern der Stadt schnell und unbürokratisch unterstützt wurde und erste Maßnahmen zur Trocknung einleiten konnte, "obwohl es sich um einen Versicherungsfall handelt" und damit letztlich noch längst nicht klar ist, wer am Ende alles wird zahlen müssen. In aller Eile entsteht unterdessen auf der Montagebühne im Werkstättengebäude in Cortendorf eine Notbühne für Aufführungen des Ballettabends "Bolero". Dort sollen bis Mitte Dezember in insgesamt neun Vorstellungen 120 Besucher Platz finden, erklärt Daniel Kaiser als Technischer Leiter des Landestheaters.


Notbühne im Werkstättengebäude


Gemeinsam mit Werkstättenleiter Thomas Müller hat Kaiser den Plan für diese Notfallbühne ersonnen. "Wir werden dafür sorgen, dass der Besucher nicht das Gefühl hat, auf einer Baustelle zu sein", verspricht Kaiser. Auf der Notfallbühne werde es möglich sein, Theater zu präsentieren - in etwas abgespeckter Form, das die Technik betrifft, aber sehr wohl mit dem nötigen Licht.