Im Landkreis läuten die Alarmglocken. Ende Mai korrigierte das Bundesamt für Migration seine Prognose für die zu erwartende Zahl der Asylbewerber deutlich nach oben. Wurde im Januar noch mit 140.000 Menschen gerechnet, geht das Amt jetzt von mindestens 175.000 aus, die in Deutschland Schutz suchen werden. Landrat Michael Busch (SPD) erwartet, dass daher auch der Landkreis Coburg weitere Flüchtlinge aufnehmen muss. Er appellierte an die Bürgermeister der Landkreiskommunen, nach Möglichkeiten für eine dezentrale Unterbringung in ihren Städten und Gemeinden zu suchen.

Das "Coburger Modell"
Zurzeit leben bereits 157 Asylbewerber im Landkreis. Der größte Teil konnte dezentral untergebracht werden. Landrat Michael Busch hatte sich für dieses "Coburger Modell" stark gemacht. Er ist der Überzeugung, dass eine Verteilung der Betroffenen auf viele Gemeinden weniger Kritik aus der Bevölkerung gegenübersteht und dass die Integration erleichtert wird. Dabei quartierte der Landkreis bevorzugt Familien ein. Lediglich in Ebersdorf blieb bis heute eine Sammelunterkunft, in der momentan laut Landratsamt 61 Menschen leben.

Je nach ihrer Größe bemühen sich die Kommunen, eine entsprechende Zahl von Wohnungen zur Verfügung zu stellen. So fanden in Neustadt 28, in Bad Rodach 27 und in Rödental 25 Menschen eine Bleibe. Gerade für Rödental betonte Bürgermeister Marco Steiner, dass die Integration beispielhaft funktioniere. Kleinere Gemeinden wie Sonnefeld (sechs), Weidhausen (fünf) oder Weitramsdorf (fünf) nahmen entsprechend weniger Schutzsuchende auf.
Freie Wohnungen, die infrage kommen, gibt es nach Auskunft des Landratsamtes derzeit nur noch in Weidhausen (zwei Wohnungen) und Dörfles-Esbach (eine). Das wird keinesfalls reichen, meint Landrat Michael Busch: "Wir müssen weitere Möglichkeiten suchen, sonst bleiben uns irgendwann nur noch Gaststätten oder eben Sammelunterkünfte."

Ruf nach staatlicher Hilfe
Doch Landrat und Bürgermeister sehen nicht nur die eigene Pflicht. Sie vermissen staatliche Hilfe in vielen Bereichen. So müssen Minderjährige, die als Flüchtling nach Deutschland kommen, in entsprechenden Einrichtungen untergebracht werden. Solche gibt es aber im Landkreis derzeit nicht. Wohl aber gibt es Flüchtlingsfamilien mit Bedarf an Plätzen in Kitas oder mit Kindern im Schulalter.

Ebersdorfs Bürgermeister Bernd Reisenweber (FW) sieht Schulen und Betreuungseinrichtungen hier "mit dem Problem allein gelassen". Wenn Kinder ohne Deutschkenntnisse in den Schulen der Region mit unterrichtet werden müssen, dann werde dafür einfach auch geeignetes Personal gebraucht. Doch das gibt es nicht. "Da erwarte ich schon vom Staat mehr Unterstützung", betont Reisenweber. Bisher wurden vor allem Wohnungen im kommunalen Eigentum oder von verschiedenen Wohnungsbaugesellschaften genutzt.

Doch hier sind die Kapazitäten weitgehend ausgeschöpft. Wenn von privaten Anbietern Wohnraum gestellt wird, fürchtet Untersiemaus Bürgermeister Rolf Rosenbauer, dass es an Unterstützung fehlt, wenn es darum geht, die Flüchtlinge zu integrieren: "Das kann dann schon zu sozialen Problemen führen", fürchtet er und regt ein Projekt an, das bei Bedarf Integrationshilfe gibt.

Genau das sei ja der Hintergrund der dezentralen Unterbringung gewesen, erklärte Michael Busch. In diesem Rahmen würden die Asylsuchenden durch den sozialen Dienst oder die Jugendpflege in den Kommunen mit betreut. Doch auch er stimmt zu: "Es muss einfach mehr vom Staat kommen."