"Wer möchte mal die Nähmaschine ausprobieren?", fragt Abu Madaev. Da fühlen sich nicht etwa die Mädchen angesprochen, sondern Rouzbeh Saffar. Er setzt sich an die historische Singer und tritt auf das Pedal. Es funktioniert - nur eine Nadel gibt es nicht mehr. Wo die fehlt und was die Trittnähmaschine im Puppenmuseum für eine Rolle spielt, erläutert Abu Madaev seinen Klassenkameraden aus der 7b des Gymnasiums Alexandrinum. Elf von ihnen haben in den zurückliegenden Wochen drei Seminare im Museum absolviert und sind nun "perfekte Kinderführer", wie Laura Jahn, seit September 2017 Volontärin im Puppenmuseum, sie lobt. Gestern wurden ihnen die offiziellen Urkunden überreicht. Von nun heißt es in den Ausstellungsräumen: Kinder führen Kinder.

Vorausgegangen war die Idee, altersgerechte Vermittler von musealen Inhalten auszubilden und einzusetzen, erläutert Schulamtsleiter Klaus Anderlik. Die Möglichkeit, diese Idee umzusetzen, ergab sich mit dem Volontariat von Laura Jahn und der Zusammenarbeit mit dem Alexandrinum. Unterstützung gab es dort zum einen durch den Schulleiter Herbert Brunner, aber auch durch Lehrer, insbesondere die Geschichtslehrerin Gisela Fuchs.


Löcher in den Bauch gefragt

"Ich war überrascht über so viele Freiwillige", sagt Laura Jahn. Dabei sei es durchaus kein Zuckerschlecken gewesen, die Ausbildung zum Kinderführer zu durchlaufen. "Ihr habt gelernt, wie man führt, wie man redet und präsentiert." Am Ende musste eine Probeführung absolviert werden, danach gab es noch Einzelgespräche. Das Puppenmuseum sei für die Schüler über Wochen zu einem Lernort geworden, stellt Laura Jahn fest. Aber die Sache sollte auch Spaß machen. Und das hat geklappt. "Ihr wart immer motiviert, gut vorbereitet und habt mir Löcher in den Bauch gefragt."


Duft des 19. Jahrhunderts

Jetzt sind die neuen Museumsführer bereit für ihre ersten Einsätze. Sie sind jeweils für zwei Räume zuständig. Dort vermitteln sie wichtige Inhalte zu den Exponaten, regen aber auch dazu an, Türchen zu öffnen, hinter denen sich kleine Geheimnisse verbergen, den Duft des 19. Jahrhunderts zu schnuppern oder sich eben mal an eine Nähmaschine zu setzten.

"Ich hoffe, dass eurem Beispiel andere Schüler folgen, die es euch nachmachen", betont Klaus Anderlik, sichtlich beeindruckt.