Das Thema hatte in der Vorweihnachtszeit die Gemüter erhitzt, bis Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) in der Stadtratssitzung im Dezember die Lage entschärfte: Bevor der Stadtrat über eine Umbenennung der Hindenburgstraße entscheidet, sollten sich zuerst die Fraktionsvorsitzenden zusammensetzen. Kastner hatte damals auch die praktischen Folgen im Blick: Straßen umzubenennen kann die Anrainer einiges kosten, wenn zum Beispiel neue Briefbögen oder Visitenkarten gedruckt werden müssen.

Am Donnerstag steht das Thema Umbenennung der Hindenburgstraße erneut auf der Tagesordnung. An der Ausgangslage hat sich wenig geändert. Es liegen zwei Anträge von den Fraktionen von SPD und Grünen vor. Die SPD will lediglich den Namen Hindenburgstraße abschaffen - wenn sie diesen Antrag aufrechterhält. Darüber sollte die Fraktion am Montagabend entscheiden, wie Fraktionsvorsitzender Thomas Nowak erläuterte. Er konnte am Montagnachmittag keine einheitliche Meinung in der Fraktion ausmachen: Neben Befürwortern der Umbenennung gibt es auch Stadträte, die schon auf Distanz gegangen sind, wie zum Beispiel Martin Ruggaber, der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Coburg-Mitte.

Aber selbst wenn die SPD ihren Antrag zurückzöge, stünde da noch derjenige der Grünen. Und bleibt stehen, wie Grünen-Stadträtin Angela Platsch betont. Die Grünen fordern nicht nur die Abschaffung des Namens Hindenburgstraße, sondern wissen auch schon, wer auf dem 320 Meter langen Straßenstück zwischen Mohren- und Bahnhofstraßen zu Ehren kommen soll: Elisabeth Selbert, mutige Juristin und Politikerin, die zu den Autoren des Grundgesetzes gehört. Ihr ist Artikel 3 Absatz 2 zu verdanken: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt."

Der Name zeigt Geschichte

Die Kompromissformel, die OB Kastner bei dem Fraktionsvorsitzendengespräch vorschlug, lautete in etwa folgendermaßen: "Hindenburg ist sicherlich eine historisch diskussionswürdige Person, die man mit unterschiedlichen Ergebnissen betrachten kann. Aber auch Straßennamen sind ein historisches Abbild", sagte Kastner. Die Hindenburgstraße habe ihren Namen kurz nach 1917 erhalten, in der Hochphase der Hindenburg-Verehrung. Auch sei Hindenburg als historische Person nicht so fragwürdig, dass eine Umbenennung der Straße zwingend erforderlich sei. Kurzum: "Wir haben keinen zwingenden Anlass, umzubenennen. Wenn man immer dem Zeitgeist folgend Straßen benennen wollte, käme man ja gar nicht mehr nach."

Kastner will gegen eine Umbenennung stimmen, sagt er. Auch die Fraktionen von CSU und CSB wollen den Namen Hindenburgstraße beibehalten, wie ihre Vorsitzenden Hans-Herbert Hartan (CSU) und Christian Müller (CSB) ankündigen. Auch die Ausschussgemeinschaft aus Pro Coburg, FDP und Jungen Coburgern spricht sich gegen die Umbenennung aus.

Ob die Hindenburgstraße umbenannt wird, hängt damit an der größten Stadtratsfraktion, der SPD. Aber dort gebe es verschiedene Meinungen, wie Thomas Nowak sagt. Wenn aber zu erwarten ist, dass auch einige SPD-Stadträte die Umbenennung ablehnen, hat sie keine Chance mehr. Die erklärten Gegner haben rechnerisch schon 19 Stimmen, den OB nicht eingerechnet. 41 stimmberechtigte Mitglieder hat der Stadtrat, wenn alle da sind. Für eine Mehrheit braucht es also 21 Stimmen.