Laut Innenministerum beginnt diese heiße Phase, in der plakatiert werden darf, sechs Wochen vor dem Wahltermin. In Coburg haben sich die Parteien mit dem Ordnungsamt auf das Stichdatum 9. August, 15 Uhr geeinigt - keine sechs Wochen vor der Landtagswahl am 15. September. Aber dafür ist eine Woche später schon Bundestagswahl, und auch dafür dürfen seit Freitag die Plakate hängen.

Schon um 15.15 Uhr lächelt Norbert Tessmer (SPD) am Freitag vorm Rathaus und gleich mehrfach in der Spitalgasse. Das Konterfei von Hans Michelbach (CSU) steht an der Ecke Marktplatz/Judengasse - hier kommt vorbei, wer zum Parkhaus Mauer läuft. In der Spitalgasse hängt Klaus Klumpers die ÖDP-Plakate an die Straßenlaternen ("man muss auch mal was selber machen"), am Gräfsblock zieht Manfred Schott die Stirne kraus: "Hier hatte ich eigentlich immer welche stehen", murmelt er. Aber die Laternenmasten sind schon von den FDP-Kandidaten Ulrich Herbert (Bundestag) und Jens-Uwe Peter (Landtag) besetzt. Also wählt Schott den Baum dazwischen, um seine SPD-Plakatständer im Dreieck darumherum zu gruppieren.

"Seit Kastners zweitem Wahlkampf" stelle er für die Coburger SPD die Plakate auf, erzählt der Rödentaler. Seit 1996 also - und seine selbstgebauten Plakatständer hat Schott seither quer durch Deutschland verkaufen können, wie er erzählt: "An die Grünen in Mülheim an der Ruhr, an die Stuttgarter SPD ..." Er verdiene gutes Geld damit, sagt er und wundert sich trotzdem: "Warum haben alle anderen Parteien Leute, die das machen - nur die SPD nicht?"
Bei der CSU ist der Coburger Büroleiter von Hans Michelbach, René Boldt, selbst am Start. Von Scheuerfeld aus werden die Laternenmasten mit Hängeplakaten bestückt. "Die Aufsteller wurden uns zu oft kaputt gemacht", sagt Boldt. Die CSU hat das Plakatieren auf ihre Ortsverbände übertragen. Zusätzlich hat Michelbach "Wesselmänner", Großplakate, gemietet, auf denen er mit Angela Merkel zu sehen ist.

"Das Geld dafür haben wir gar nicht", sagt Norbert Tessmer. 14.000 Euro, mehr stehe der SPD im Wahlkreis Coburg/Kronach nicht zur Verfügung. Über den Wahlkampfetat seines Chefs schweigt Boldt sich aus. "Das Budget liegt auf jedem Fall unter dem des letzten Bundestagswahlkampfs."
Die Grünen im Kreisverband Coburg-Stadt haben 5000 bis 6000 Euro für die beiden Wahlen eingeplant, für Plakate, Gummibärchen und Broschüren. Rund 15 Leute umfasse der harte Kern der Helfer im 42 Mitglieder zählenden Kreisverband, sagt Vorstandssprecherin Martina Benzel-Weyh. "Wir sind ein superaktiver Haufen!" Sie stellen die Plakate auf und besetzen die Infostände. Straßenwahlkampf habe auch heute noch seine Berechtigung, trotz Internetseiten und Facebook, findet Benzel-Weyh. "Es geht um die Präsenz und um jede Stimme." Deshalb seien die Standorte in der Fußgängerzone auch die begehrtesten, sagt Kai Holland vom städtischen Ordnungsamt. Er hatte mit den Parteien im Vorfeld den Stichtag ausgehandelt.

Immer wieder kommt im Vorfeld von Wahlen die Diskussion auf, die Zahl der Plakate zu beschränken. Bisher in Coburg ergebnislos. Den letzten Antrag in diese Richtung stellten die Grünen. Sie wollen sich nun auch daran halten, wie Martina Benzel-Weyh versichert. "Wir haben bewusst weniger Plakate gemacht als beim letzten Wahlkampf. Und wir verwenden Themenplakate von früheren Wahlen, weil sie noch aktuell sind."