Es begann im Oktober: Buchstäblich über Nacht war die erste Thuje gefällt. Es blieb nicht bei einer. Inzwischen sind alle zehn Sträucher weg, die Ulrike Popp an die Südseite ihres Grundstücks gepflanzt hatte. Die Stämme waren alle gut 40 Zentimeter über dem Boden durchtrennt, wie mit einem kleinen, aber scharfen Werkzeug.
Ulrike Popp und ihr Bruder Thomas, die sich das Elternhaus in Coburg-Cortendorf und das Grundstück teilen, glaubten zunächst an einen sehr üblen Scherz. Sie erstatteten Anzeige. Die Polizei stellte eine Kamera auf. Der gelang es tatsächlich, den Übeltäter - zwar nur schemenhaft - aufs Bild zu bannen: Ein Nagetier sei da zu sehen, dass in die Sträucher springt, erzählt Thomas Popp.

Werner Pilz von der Unteren Naturschutzbehörde identifiziert es beim ersten Blick auf die Thujenstümpfe: "Eindeutig ein Biber", sagt er sofort. "Aber dass er auch Thujen frisst, wusste ich nicht." Die Sträucher sind giftig. Dem Cortendorfer Biber haben sie offenbar geschmeckt. Eigentlich fressen Biber nur während des Winters Holz und Rinde, erläutert Werner Pilz. Den Geschwistern Popp nützt dieses Wissen freilich wenig: Sie wollen wissen, ob jemand ihren Schaden ersetzt und wie sich sich vor weiteren Verbissschäden schützen können.

Doch da kann Werner Pilz nur bedingt helfen: Für Landwirte gibt es einen Entschädigungstopf beim bayerischen Umweltministerium. Ansonsten sind Ausgleichszahlungen nicht vorgesehen. Biber galten als ausgerottet und wurden erst in den letzten Jahrzehnten wieder angesiedelt. Lediglich in der Elbregion hätten einige Populationen überlebt, erzählt Pilz. Dort wüssten die Anwohner am Fluss auch nichts anderes, als ihre Bäume mit Drahthosen vor den Nagern zu schützen.

So verfährt die Stadt selbst: Am Parkplatz des Aquaria-Bads tragen die jungen Bäume einen Schutz aus engem Maschendraht. Für Ulrike Popp kein Trost nach all der Arbeit, die sie vor zwölf Jahren beim Pflanzen ihrer Thujen hatte. Die immergrünen Sträucher dienten als Sichtschutz für den kleinen Garten und waren schon gut zwei Meter hoch, als der Biber zubiss.

Er tat das nicht nur in ihrem Garten: In der ganzen Stadt finden sich Pilz zufolge die Bissspuren. Bauten hat Pilz noch nicht entdeckt - für ihn ein Indiz, dass sich in Coburg derzeit nur Jungtiere angesiedelt haben, die von ihren Familien vertrieben wurden. Auf der Suche nach einem neuen Revier wandern die Tiere auch über Land. Sonst halten sie sich in Ufernähe auf.

Das Cortendorfer Exemplar scheint sich jedenfalls wenig an der Nähe der Menschen und am Straßenverkehr zu stören. Inzwischen hat er sich an die nächsten Thujen herangemacht, die am Gehsteig stehen. Offenbar wurde er gestört, denn für einen Thujenstamm mit zehn Zentimetern Durchmesser braucht ein Biber keine Minute, sagt Popp: "Der ist schneller als ein Mensch mit der Säge." Kein Wunder: Das Vieh hat Eisen in den Zähnen. Gegen den Biber tun kann Popp nichts - der Nager steht streng unter Schutz. "Vergrämen vielleicht", sagt Werner Pilz. Aber ob ein Biber, der am Straßenrand nagt, sich von Blinklichtern und ähnlichem abschrecken lässt?
Thomas Popp vermutet, dass noch mehr Grundstücksbesitzer in Coburg Biberschäden zu beklagen haben. Sie können sich bei Werner Pilz melden (0   95   61/89   16   72).