"Das Grüne Band" hört nicht auf, ein Reizwort zu sein. Während Landrat Michael Busch (SPD) nicht sieht, wie jetzt noch überhaupt Opposition zu dem Naturschutzgroßprojekt möglich sein soll, ist die Spitze des Coburger Bauernverbandes nach wie vor schlecht darauf zu sprechen, dass Flächen außerhalb des ehemaligen Grenzstreifens in das Projekt integriert werden sollen.

Während es der Landrat als Einbindung des Bauernverbands betrachtet, dass die BBV-Tochter Landsiedlung GmbH sich an der Projektplanung für das Naturschutzprojekt von Rodachtal bis Steinachtal beteiligt, ändert das an der Haltung von BBV-Kreisobmann Gerhard Ehrlich und Geschäftsführer Hans Rebelein wenig. "Dass jetzt die Landsiedlung versucht, die Interessen der Landwirtschaft besser in die Planung einzubringen, heißt nicht, dass wir der Planung zustimmen werden", betont Hans Rebelein entschlossen.

Interessen der Bauern betonten

Die Interessen der Landwirtschaft sehen die BBV-Vertreter vor allem in größerer Rücksicht auf die Struktur der Landwirtschaft im Planungsgebiet. Wenn denn außerhalb des Grenzstreifens Flächen für Zwecke des Projekts umgestaltet werden sollen, dann lieber entlang von Waldrändern oder Flussufern beispielsweise, wo die Flächen für die Landbewirtschaftung nicht so interessant sind.

Geht es nach dem Bauernverband, so verhandelt das Ankaufgremium immer zuerst mit dem Bewirtschafter (Pächter) von Flächen, die Teil des Projekts werden sollen. Erklärt dieser, dass er die Flächen braucht, soll dem Eigentümer (der oft gar nicht in der Region lebt) gar kein Angebot gemacht werden.

Eine weitere Forderung des Bauernverbands besteht darin, dass Flächen für das Großprojekt gleichzeitig als Ausgleichsflächen für Planungen von Infrastrukturprojekten anerkannt werden sollen. Das sei von örtliche Politikern immer wieder zugesichert, aber nie umgesetzt worden, sagt Gerhard Ehrlich.

Mit der Einbindung der Landsiedlung GmbH wird zumindest eine Forderung des Bauernverbands erfüllt: die sogenannte Ampelkarte. Dabei sollen nach der Befragung der Bewirtschafter oder Eigentümer in Flurkarten die Grundstücke mit Farben markiert werden, die die Haltung des Betreffenden signalisieren. Dabei bedeutet grün Verkaufsbereitschaft, gelb Verkaufsbereitschaft unter bestimmten Bedingungen (Rebelein: "Das ist ja auch eine Frage des Preises.") Bei rot markierten Flurstücken will der Eigentümer nicht verkaufen oder verpachten.

Preise stimmen nicht mehr

Wenn Rebelein und Ehrlich die Kostenrechnung des Zweckverbands für "Das Grüne Band" unter die Lupe nehmen, dann sind sie skeptisch, dass mit den vorgesehenen Mitteln die gewünschten Käufe und Pachtungen erreicht werden können. Immerhin sollen mehr als 50 Hektar Land angekauft und weitere Flächen in viel größerem Umfang auf viele Jahre gepachtet werden, damit darauf eine naturschutzgerechte "Ersteinrichtung" vorgenommen werden kann. "Die Berechnungen basieren auf Preisen, die vor sieben oder mehr Jahren gegolten haben", sagt Rebelein.

Inzwischen seien die Quadratmeterpreise für Landwirtschaftliche Nutzfläche ebenso wie für Waldgrundstücke stark angestiegen. Unter anderem wegen der Eurokrise hätten immer mehr Anleger, Land als sichere Investition erkannt. "Das ist auch nicht in unserem Sinn, aber es ist so", sagt Hans Rebelein. Gerade der angebotene Preis werde aber für viele, die grundsätzlich an einem Verkauf ihrer Grundstücke für das "Grüne Band" interessiert sind, eine entscheidende Frage sein, ob aus Interesse Verkaufsbereitschaft wird.

BBV-Männer verärgert

Dass Landrat Michael Busch beim Jahresauftakt der SPD-Fraktion des Kreistags über die Zusammenarbeit mit der Landsiedlung des BBV informierte, ärgert Ehrlich und Rebelein.

"Es war abgemacht, dass die Beteiligung der Landsiedlung gemeinsam der Öffentlichkeit vorgestellt wird", betont Ehrlich. Er habe sich an diese Abmachung auch strikt gehalten, und bei der BBV-Kreisversammlung am 3. Februar davon noch nichts erwähnt. "Wir sind überrascht über die jetzige Form der Veröffentlichung und diese Art der Zusammenarbeit", sagt Ehrlich.