Es kracht im Regiomed-Gebälk. Wie Aufsichtsratsmitglied und Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) sagt, habe er in der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrats erst von der Absicht erfahren, Katja Bittner abzuberufen - und zwar mit sofortiger Wirkung. "Das wurde gegen die Stimmen der Coburger Gesellschafter durchgepeitscht." Für ihn sei es weder inhaltlich noch fachlich und juristisch verständlich, warum dieser Schritt nun gegangen werden soll. "Das wird weitreichende Konsequenzen haben", kündigt Norbert Kastner an. Er geht sogar so weit, die Zukunft Coburgs im Klinikverbund in Frage zu stellen. "Ich werde darüber mit den Fraktionsvorsitzenden sprechen und das Thema im Stadtrat zur Diskussion stellen."

Das Coburger Klinikum sei das mit Abstand größte Haus im Verbund und werde noch am ehesten allein überleben können. Gleichwohl seien seit Gründung der Holding im Jahr 2008 gegenseitige Abhängigkeiten entstanden. "Eine Patentlösung habe ich im Moment auch noch nicht", räumt Norbert Kastner ein. Die Coburger Gesellschafter seien nicht unzufrieden mit Katja Bittners Arbeit gewesen. Für den einen oder anderen sei sie wohl etwas zu schnell gewesen. "Aber es ist allemal besser, jemanden auszubremsen, als ihn vorantreiben zu müssen." Allerdings, und auch das verhehlt der Oberbürgermeister nicht, sei die Hauptgeschäftsführerin auch keine Meisterin der Diplomatie.

Regiomed nicht aufs Spiel setzen

Auch Landrat und Aufsichtsratsmitglied Michael Busch (SPD) hat gegen die Abberufung Katja Bittners gestimmt. Er sieht darin eine reine Personalentscheidung, die er nicht mittragen könne. Aber Regiomed würde er deshalb keinesfalls in Frage stellen. "Ich gehe davon aus, dass ein neuer Gesamtgeschäftsführer eingestellt wird. Doch da ist jetzt Besonnenheit gefragt, wir sollten den Klinikverbund nicht leichtfertig aufs Spiel setzen", betont Michael Busch. Denn Regiomed habe deutschlandweit Anerkennung gefunden und es müsse gemeinsames Ziel der Aufsichtsratsmitglieder sein, den Verbund zu erhalten, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Region zu sichern.

Den Verbund erhalten möchte auch der Aufsichtsratsvorsitzende, der Hildburghäuser Landrat Thomas Müller (CDU), aber: "Es gab atmosphärische Störungen zwischen den Gesellschaftern, dem Aufsichtsrat und der Hauptgeschäftsführerin." In den zurückliegenden Wochen und Monaten habe es kein Einverständnis mehr darüber gegeben, wie Katja Bittner das Unternehmen führt. Deshalb sei im Aufsichtsrat die mehrheitliche Entscheidung getroffen worden, sie abzuberufen. Angst um den Klinikverbund habe er nicht, sagt Thomas Müller. "Wir stehen alle dahinter. Das sind wir der Bevölkerung und dem Personal schuldig." Einen Nachfolger für Katja Bittner gebe es im Moment noch nicht. "Darüber müssen wir reden."

Betriebsräte sind erleichtert

Als Vorsitzender des Konzernbetriebsrats ist Martin Lücke nicht gerade begeistert darüber, wie sich Regiomed unter der Leitung der Hauptgeschäftsführerin entwickelt hat, aber er hätte sich eine diskretere Verabschiedung gewünscht. Aus Sicht der Betriebsräte sei Katja Bittner "beratungsresistent" gewesen. Jetzt habe Regiomed eine zweite Chance verdient. "Ich hoffe, dass der Betriebsrat in Zukunft mehr Gehör finden wird. Wir können das gemeinsam gut hinkriegen." Es sei gut, ergänzt Martin Lücke, dass der Aufsichtsrat sich zu dieser Entscheidung durchgerungen hat.

Einer, der in seinem Engagement gegen die Entscheidungen der Hauptgeschäftsführerin bis vor Gericht gegangen ist, ist Andreas Müller, der Betriebsratsvorsitzende der Medinos-Kliniken Sonneberg. Weil der Aufsichtsrat von Regiomed nicht paritätisch besetzt ist, wie es das Gesetz verlangt und der Konzernbetriebsrat außen vor bleibt, hat er geklagt. "Nach den Querelen der vergangenen anderthalb Jahre hoffen wir nun, dass wir zukünftig in Augenhöhe zusammenarbeiten können", sagt er. Auch die Geschäftsführer aller beteiligten Kliniken sollten gleichberechtigt sein.

Den Klinikverbund Regiomed haben einst die Landkreise Coburg. Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen gegründet. Die Landräte sitzen im Aufsichtsrat. Christine Zitzmann (CDU), Landrätin von Sonneberg, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) wollte sich nicht äußern.