Andreas Kleefeld hatte allen Grund, richtig wütend zu sein: "Wenn ich mir vorstelle, wie die jungen Nationaldemokraten über die Stolpersteine marschieren werden, die wir in unserer Stadt zum Gedenken an die Opfer ihrer geistigen Urgroßväter und Urgroßmütter gesetzt haben, dann werde ich zornig", sagte der Dekan. Jeder dieser Schritte der Neonazis sei eine "einzige Verhöhnung und weitere Demütigung der Opfer. Aber: Andreas Kleefeld hatte am Samstag auch allen Grund, sich zu freuen und dankbar zu sein: Zum Bürgerfest "Coburg ist bunt", das er zusammen mit vielen Institutionen aus der Stadt und dem Landkreis auf die Beine gestellt hatte, waren viele hundert Menschen gekommen. Sie alle setzten ein klares Zeichen - und das freute allen voran auch den Oberbürgermeister.

"Mir ist es wichtig, deutlich zu machen, dass all die braunen Schergen, die alten und die neuen Nazis, wissen, dass sie in dieser Stadt unerwünscht sind", betonte Norbert Kastner (SPD). Und: Er sei stolz darauf, dass dies die meisten Coburger genauso sehen würden.

Beim bunten Fest vor der Post und an der Ecke zum Lohgraben ging's munter zu: Die "Mixed OBO Band" etwa machte schwungvoll Musik. Bei den Mitgliedern dieser Gruppe handelt es sich um Menschen mit Behinderungen, aber auch ohne. Ihre Songs machen deutlich, wie sie sich die Welt gerne überall vorstellen: "Bunte Träume, bunte Wiesen, bunte Menschen - bunt ist cool!"

Texte aus Bibel und Koran


Außerdem wurden beim bunten Fest Texte aus dem Alten und aus dem Neuen Testament vorgetragen, ebenso eine Sure aus dem Koran - inklusive deren Übersetzung. Die Tanzgruppe des Türkisch-Islamischen Vereins zeigte verschiedene Tänze und der Studentenchor sang.

Apropos: Studierende der Coburger Hochschule waren auch dabei, als sich mehrere Menschen mutig den aufmarschierenden jungen Nationaldemokraten in den Weg stellten beziehungsweise setzten. Sowohl in der Hindenburgstraße als auch später am Ernstplatz - wenige Meter vor der Moschee - führte dies dazu, dass der Demonstrationszug der Rechten ins Stocken geriet. Ebenfalls sehr engagiert dabei waren bei den Sitzblockaden die beiden Grünen-Politiker Wolf-Rüdiger Benzel und Martina Benzel-Weyh.

Weitere Politiker, die den Demonstrationszug geschockt und verärgert beobachteten, waren zum Beispiel Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD), die SPD-Stadträte Thomas Nowak und Thomas Rausch oder auch Neustadts OB Frank Rebhan (SPD). Flagge mit einem Transparent zeigte die Piratenpartei. Die Partei "Die Linke" veranstaltete - hundert Meter vom bunten Fest entfernt - eine Kundgebung. Der Inhalt der vielen Reden lässt sich so zusammenfassen: "Nazis raus!"

Sehr positive Bilanz


Aber noch einmal zurück zum bunten Fest: Dekan Andreas Kleefeld zog am Ende ein sehr positives Fazit. "Ich hatte einen sehr guten Eindruck von der Veranstaltung, für die ich verantwortlich war, und ich habe mich über die rege Teilnahme ebenso gefreut wie über die Beiträge aller Mitwirkenden. Ich denke, es war ein gutes Zeichen einer wachen und lebendigen Stadt." Und Kleefeld mahnte: "Coburg kann nur dann bunt bleiben, wenn wir nicht vergessen, wie düster es war, als es braun gewesen ist."