von unserer Mitarbeiterin 
Elisabeth Niestroj

Coburg — Wer sich am frühen Samstag Nachmittag dem Coburger Marktplatz näherte, hatte ihn schon in der Nase, den Duft von Kloß mit Soß' und diversen Bräten. Durch den Gehörgang hingegen bahnten sich die Beiersdorfer Musikanten mit zünftiger Musik den Weg zum Coburger Klößmarkt. Es war mal wieder so weit: Vom berühmten "Rutscher" bis hin zum "Breckalasklöß", also einem Kloß mit Brötchenkrumen, blieben bei den Fans der stärkehaltigen Spezialität keine Wünsche offen. Dazu gab es diverse Bräten, aus Hirschen, Schweinen, Rindern - mit und ohne Dunkelbiersoße serviert.
Doch damit war es noch längst nicht getan: Neben traditionellen Spezialitäten mischte sich die eine und die andere Kuriosität unter die Gerichte. So gab es am Stand des Ratskellers einen Kloß mit Vanille- und/oder Schokoladensoße zu probieren. "Die Idee entstand aus einer Laune meines Lebensgefährten heraus", sagt die Chefin Susanne Quinger. "Wir wollten etwas Süßes ausprobieren." Gesagt, getan: Ein paar Gäste testeten den süßen Kloß und befanden ihn als gut.

Nicht jedermanns Sache


Nicht in rauen Mengen, aber dennoch findet er auf dem Klößmarkt seine Abnehmer. Jedermanns oder jederfraus Sache ist er aber nicht. Die Servicekraft Marina Müller aus Michelau etwa hat traumatische Kindheitserinnerungen an ein ähnliches Gericht: "Weil ich als Kind so wenig aß, sagte meine Oma, man müsse mir mal eine Milchbrüh' mit Kloß' machen", sagt sie. Eine Milchbrüh' ist eben eine süße Soße aus Milch. "Als ich das Ganze probierte dachte ich, jetzt wollen sie mich umbringen." Das war nicht der Fall, aber Klöße gehören tatsächlich bis heute nicht zur Leibspeise von Marina Müller.
Auch italienische Gerichte wie die Klößpizza des Restaurants Kräutergartens, die es immer nur am Freitag gibt oder Klöß-gnocchi sind vertreten.
Ob sie die Vorreiter für die Gäste aus Gais in Südtirol waren, die dieses Jahr im Rahmen der 40-jährigen Städtepartnerschaft mit Coburg zum ersten Mal ihre Spezialitäten auf dem Klößmarkt präsentierten? Wahrscheinlich nicht. Und dennoch, die Speck- und Pressknödel des fünfköpfigen Knödelteams kamen gut bei den Coburgern an.

Das Knödelrezept


Margarete Regensberger ist die Ortsbäuerin von Gais. Sie verrät uns ihr Rezept für die leckeren Speckknödel: Brot, Südtiroler Speck, Eier und feste "Kaminwurz'n", eine geräucherte Wurst, gehören hinein. "Mit Mehl, Wasser und viel Schnittlauch wird der Teig zu Knödeln verarbeitet", erklärt die Ortsbäuerin. Anschließend landen die Speckknödel in heißem Wasser und werden gekocht. Dazu gibt es auf dem Klössmarkt einen Krautsalat. Und noch einen Pressknödel , in dem unter anderem Graukäse enthalten ist.
Margit Hampp aus Nörtlingen hat sich einen Südtiroler Teller geschnappt. "Die Knödel sind einfach köstlich", sagt sie. Zusammen mit ihrem Mann Johann besucht sie ihren Sohn Peter und ihre Schwiegertochter Christina in Kaltenbrunn, von wo aus die ganze Familie samt Schwiegereltern Anita und Robert Behringer mit dem Fahrrad nach Coburg geradelt ist. "Ich hab vorhin Rutscher gegessen. Die sind so lecker und einfach meine Lieblingsklöße", sagt Anita Behringer und lacht.

Ehrgeiziges Ziel gesteckt


Klaus Kosian aus Coburg besucht mit seiner Frau Tanja Bachmann den Klössmarkt zum dritten Mal in Folge. Heuer hat er sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: An jedem Stand will er einen Kloß mit Soß' probieren. "Den ersten Kloß hab ich am Freitag gegessen. Es war ein Kloß mit Bröckala von der Kloßküche." Seine Frau Tanja lacht und sagt: "Für ihn wird es mit Sicherheit ein kohlenhydrathaltiges Wochenende." Selbst aß sie einen Tafelspitz vom Restaurant Rosengarten.
Als nächstes gibt es einen Coburger Rutscher bei Klaus Kosian, dicht gefolgt von den Tiroler Knödeln. Über die Coburger Klöße und die aus Neustadt vom Lindenhof schweigt er noch - schließlich ist ja noch nicht aller Klößmarkttage Abend.