Schwer behangen mit mächtigen Schützenketten, weiße Handschuhe lugen vorne unter den dunkelgrünen Manschetten hervor, Schlips und Kragen pressen den Hals zusammen - aber: "Wir haben richtig Glück", sagt eine Schützenschwester aus Lichtenfels. Das Wetter hätte ja noch viel heißer werden sollen. Und die Männer wollten unbedingt ihre Uniformen tragen.

Die Abholung der Traditionsfahne von 1715 am Rathaus ist der offizielle Auftakt zum Vogelschießen. Aus der ganzen Region marschieren Schützenvereine vom Anger zum Marktplatz und wieder zurück. Nicht viele Coburger säumen den Weg, nur wenige öffnen ihre Fenster. Mit Pauken und Trompeten, jede Menge Bläsern und ganz viel guter Laune genießen die Schützen den herrlichen Vormittag. Die Böllerschützen aus Marktzeuln sagen mit fünf Schüssen kräftig "Guten Morgen!" Kaum haben sich die ersten Vereine am Markt aufgestellt, lockern die hinteren Gruppen die Etikette: Handschuhe runter, kurz mal am Albert-Denkmal hinsetzen, Hände und Nacken am Springbrunnen abkühlen.

Oberbürgermeister Norbert Kastner spricht derweil von der Heimat, die eine echte Renaissance erlebe. Immer mehr denken wieder ganz positiv darüber, wissen die Qualität der Heimat zu schätzen, haben erkannt, dass es nicht das Gegenteil von modern ist. Dazu gehörten eben auch Traditionsfeste wie das Coburger Vogelschießen, der CC oder Samba. Er wünsche den Schützen eine sichere Hand und einen fairen sportlichen Verlauf.