Alt ist sie nicht geworden. Leopoldina, die Tochter des brasilianischen Kaisers Pedro II., starb mit 23 Jahren an Typhus. Die brasilianische Prinzessin hat eine besondere Verbindung zu Coburg. Nach ihrem Tod 1871 in Wien hat sie in Coburg eine letzte Ruhestätte gefunden. Ihre Gebeine liegen in der sogenannten Koháry-Gruft der katholischen Kirche St. Augustin.
Leopoldinas Mann ist ebenfalls dort bestattet. Er ist der Grund, warum Coburg heute die sterblichen Überreste einer brasilianischen Prinzessin besitzt. Ludwig August von Sachsen-Coburg und Gotha war einst nach Brasilien geschickt worden, um eine Tochter des dortigen Kaisers zu ehelichen. Die geschickte Heiratspolitik des Coburger Herzogshauses war 1864 von Erfolg gekrönt. Ludwig August heiratete Leopoldina und stieg zum Admiral der brasilianischen Flotte auf. Er starb 1907. Seine Verbindungen nach Brasilien brachten es mit sich, dass auch der Schwiegervater, Kaiser Pedro II. von Brasilien (1825 - 1891) selbst einmal zu Besuch in Coburg war.

Festival zum 23. Mal

Heute ist es weniger die historische Grabstätte, die Brasilien-Begeisterte nach Coburg zieht. Seit 1992 lockt das Coburger Samba-Festival die Massen - die größte Veranstaltung dieser Art außerhalb Brasiliens. Am zweiten Juli-Wochenende ist es wieder so weit, zum 23. Mal. Rolf Beyersdorf, Mitbegründer und Mitveranstalter des Festivals, ist mit einer Brasilianerin verheiratet. Der 52-Jährige verweist auf die sechs bis sieben Samba-Schulen, die es allein in Coburg gibt. Er schätzt, dass etwa 90 bis 100 Brasilianer in Coburg leben. In Nürnberg und Erlangen sollen es aber noch mehr sein. "Wohl um die 1000", meint Beyersdorf. In Unterfranken sei die Brasilien-Begeisterung etwas geringer. Zwar gebe es auch in Würzburg Samba- und Capoeira-Aktivitäten. "Die Würzburger sind aber mehr Richtung Afrika ausgerichtet", sagt Beyersdorf.

Nicht zuletzt wegen des Samba-Festivals, bei dem heuer wieder 3000 Sambistas aus der ganzen Welt nach Coburg kommen, unter anderem Tänzerinnen in farbenprächtigen Kostümen, gibt es in der Stadt eine Sektion der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft (neben München). Vor einigen Jahren sei dies auf ihre Initiative hin geschehen, berichtet Sabine Eichhorn, Vizepräsidentin der Gesellschaft mit Sitz in Berlin und gebürtige Coburgerin.
Vor 164 Jahren bedeutete das Wort Brasilien für viele Franken nichts anderes als Zukunft. Sie wanderten dorthin aus. Zu den Begründern der bekannten Siedlung Blumenau in Südbrasilien gehört auch eine Familie Hess aus Coburg.