Ein Orchester zum Tanzen bringen? Das klingt nach einem schwierigen Dressur-Akt und kann doch ganz einfach sein - zumindest mit Musik von Peter Tschaikowsky. Denn Tschaikowsky hat ganz wunderbare Ballettmusik geschrieben, die bei Bedarf auch völlig ohne Tänzer fabelhaft funktioniert. Bestes Beispiel dafür war das inzwischen schon traditionelle Osterkonzert mit dem Jugendsymphonieorchester Oberfranken im gut besuchten Coburger Kongresshaus.


Tänzerischer Auftakt

Als klug ausgewählter Auftakt erklang die beliebte Suite aus Tschaikowskys "Nussknacker" - tänzerisch beschwingt, schwelgerisch und schwungvoll. Klug ausgewählt war diese Suite nicht nur deshalb, weil sie dem applausfreudig gestimmten Publikum bekannte und eingängige Melodien in reicher Zahl bot, sondern vor allem deshalb, weil sie sämtliche Gruppen des Orchesters gleichermaßen forderte wie auch wirkungsvoll hervortreten ließ.


Präzision und Freiheit

Gleich bei dieser Suite demonstrierte das Jugendsymphonieorchester seine auffälligste Besonderheit - seine ausdauernde Begeisterungsfähigkeit, die sich stets mit bemerkenswert engagiertem und konzentriertem Musizieren verbindet.




Dass diese Begeisterungsfähigkeit bei allen personellen Veränderungen in jedem Jahr immer wieder erkennbar wird, ist sicher auch ein Verdienst von Till Fabian Weser am Dirigentenpult. Denn Weser gelang es auch in diesem Jahr, die richtige Balance zu finden zwischen Präzision und Freiheit des Musizierens, zwischen Ansporn und Unterstützung. Dabei stand die Probenwoche in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen, wie Weser in seinen Dankesworten an das Coburger Publikum erläuterte. Schließlich sei in diesem Jahr ein regelrechter Umbruch zu gestalten gewesen, da sehr viele junge Talente erstmals im Orchester mitwirkten.


Oboenkonzert von Mozart

Gut bewältigt im Zusammenspiel war unter diesen Vorzeichen dann auch das solistische Werk des Programms - das Oboenkonzert C-Dur KV 314 von Wolfgang Amadeus Mozart. Sorgfältig achtete Till Fabian Weser darauf, das Zusammenspiel von Solist und Orchester präzis zu koordinieren und zugleich lebendig atmen zu lassen.


Reichlich Applaus

Der junge Bayreuther Oboist Robert Schina demonstrierte hier nicht nur seine technischen Fertigkeiten, sondern vor allem auch seine Musikalität und seine gestalterischen Fähigkeiten sehr überzeugend. Kein Wunder, dass Solist und Orchester reichlich Applaus erhielten.


Mit großer Intensität

Nach der Pause bildete Antonin Dvoraks 8. Symphonie den mitreißenden Abschluss des Programms. Hier entfalteten sich sämtliche Instrumentengruppen des Orchesters in vielen Passagen mit großem Nachdruck und großer klanglicher Intensität. Das galt für die raschen Ecksätze ebenso wie für den gesanglich angelegten langsamen Satz und das rhythmisch geschmeidig musizierte Allegretto grazioso.


Tschaikowsky-Zugaben

Nach ausdauerndem Beifall erklangen als Zugaben nochmals der Blumenwalzer und der Trepak aus Tschaikowskys "Nussknacker"-Suite - endgültiger Ausklang eines eindringlichen Osterkonzerts.






Aus der Geschichte eines besonderen Orchesters



Klangkörper Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Musikpädagogen Professor Günther Weiß gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen.

Till Fabian Weser, 1965 in Bloomington (USA) geboren, absolvierte Dirigierkurse bei Carl St. Clair, Sir Roger Norrington und Wolfgang Schäfer. Seit 1994 ist Weser als Trompeter Mitglied der Bamberger Symphoniker.

Robert Schina Der 19-jährige Oboist aus Bayreuth studiert am Royal College of Music in London. Er war in den zurückliegenden Jahren nicht nur im Bayerischen Landesjugendorchester aktiv, sondern wirkte auch schon im Jugendsymphonieorchester Oberfranken mit.