Burcu Inal ist eigentlich ganz zufrieden mit dem Angebot, das sie in der Stadt vorfindet. "Was ich an Bekleidungsläden brauche, ist da", sagt die Informatikstudentin. Anders Dirk Barocke. Er findet, Männer, vor allem junge mit nicht so viel Geld, haben es schwer, wenn sie etwas Modisches suchen. Insofern sind die beiden Studierenden ein ganz guter Spiegel dessen, was sie im Rahmen ihrer Projektarbeit herausgefunden haben. Thema: die Einkaufsattraktivität der Stadt Coburg.

Im Sommer haben sie damit begonnen, knapp 200 Coburger zu befragen. "Wir hatten Fragebögen erarbeitet und sie an Ständen in der Fußgängerzone und auf der Lauterer Höhe ausfüllen lassen", erzählt Burcu Inal. Es wurden vor allem junge Leute befragt.

Gutes Image, gutes Stadtbild


Verschiedene Faktoren standen im Mittelpunkt. Zum Beispiel, wie die Befragten das Einkaufserlebnis in der Stadt beurteilen. 43 Prozent finden das "ziemlich gut", aber 51 Prozent kreuzten "unterdurchschnittlich" an. Die Einkaufsmöglichkeiten wurden mit der Note 3 bewertet, Tiefe und Breite der Sortimente mit durchschnittlich 3,1, das Image der Stadt Coburg mit 2,3 und das Stadtbild allgemein mit einer ebenfalls ganz guten 2,4.

Die Infrastruktur finden die meisten Befragten (51 Prozent) sehr gut, 40 Prozent eher schlecht. Hauptkritikpunkt sind die Parkmöglichkeiten - da bekommt die Stadt eine Drei. Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln immerhin eine 2,6. Im Hinblick die Konkurrenz, die Coburg durch benachbarten Städten entsteht, ist das Resultat "erschreckend", wie es die Studierenden in ihrer Arbeit formulieren. Immerhin 50 Prozent bevorzugen andere Städte beim Einkaufen, 46 Prozent bleiben lieber vor Ort.

"Die Ergebnisse bei Personen mit mittlerem Einkommen, Kindern und in Partnerschaft lebend sind besonders dramatisch", findet Fatima Labdaoui. Sie geben der Angebotsbreite und -tiefe die Noten 4,1 und 4,6 und interessieren sich für die Konkurrenzstädte. Dagegen sind die Coburger mit einem hohen Einkommen zufrieden mit dem, was der Handel anzubieten hat und vergeben dafür die Noten 1,8 und 1,5. Schließlich die jungen Menschen unter 30 ohne Kinder: Sie geben den Coburger Angeboten ähnlich schlechte Noten wie die erste Gruppe und fahren zum Einkaufen lieber in andere Städte.

Mehr Tiefe, mehr Breite


Fazit: Will Coburg als Einkaufsstadt attraktiver werden, sollten die Sortimentsbreite und-tiefe verbessert und mehr Parkmöglichkeiten geschaffen werden. Auch die Qualität der Angebote, der Preis und die Freundlichkeit des Personals spielen dabei eine Rolle. Zu diesem Ergebnis kommen die Studierenden in ihrer Arbeit. Ins Kalkül gezogen werden sollten darüber hinaus die Einkaufszeiten, die am Freitagnachmittag und Samstag kulminieren.
Die Befragung ließ auch die Möglichkeit zu, Kundenwünsche zu äußern. Die nutzten 107 Personen. Danach wünschen sich 17 Prozent mehr Bekleidungsgeschäfte für Herren, zehn Prozent mehr Lebensmittelläden in der Innenstadt und zehn Prozent eine verbesserte Parksituation.

Citymanagerin Annette Kolb nimmt die Anregungen sehr ernst. Aber: "Auf die Sortimentsbreite und -tiefe haben wir keinen Einfluss." Anders sieht das bei den Parkmöglichkeiten aus. "Da tut sich derzeit einiges." Annette Kolb erinnert an die Diskussion um die Schlossplatz-Tiefgarage und die Tiefgarage in der Ketschenvorstadt, an der schon gebaut wird. "Außerdem ist die Parksituation in den Konkurrenzstädten auch nicht besser."

Neue Zielgruppe: Studierende!


Margareta Bögelein, Leiterin der Hochschul-Pressestelle, bittet darum, die Studierenden nicht außer Acht zu lassen. "Ihre Zahl hat sich verdoppelt, und die Hälfte von ihnen sind Männer, die schicke, bezahlbare Mode suchen." Annette Kolb erwidert, dass sie den Expansionsleitern größerer Firmen immer wieder die neuen Zahlen übermittelt, in der Hoffnung, sie nach Coburg locken zu können.