"Der kleine Prinz" ist eines der wunderbarsten Stücke der Weltliteratur. Antoine de Saint-Exupéry hat darin so viel Weisheit über die Liebe und das Wesen der Menschlichkeit in so genial einfachen Worten erfasst, dass seine Poesie Junge wie Alte tief zu berühren vermag. "Man sieht nur mit dem Herzen gut." Den Spruch kennt heute doch jeder.
Jetzt ist es der Club 56 des Landestheaters Coburg, der sich vom kleinen Prinzen bezaubern ließ und mit seinem diesjährigen "Projekt" auch die Zuschauer zu verzaubern versteht. Herzlicher Beifall für die "Alten" nach der Premiere am Samstag in der Reithalle.
Die acht Darsteller sind erfahrene Theaterhasen und agieren mit beeindruckender Souveränität. In der Regie von Denise Madeleine Schliefke und Sandrina Nitschke müssen sie nichts tun, was sie nicht können. Und darin liegt das Geheimnis guten Laientheaters, bei dem die Frage, welcher Professionalität die Darsteller sind, gar keine Rolle mehr spielt. Vor allem, wenn sie, wie bei diesem Ensemble, die Kraft sprachlichen und körperlichen Erzählens, die in vielen steckt, so weit hervorgeholt haben.


Die Großen sind alle merkwürdig

Und so sitzt Wolfgang Müller als in der Wüste abgestürzter Pilot Antoine in größter Selbstverständlichkeit auf dem Sandberg und erzählt und malt dem kleinen Prinzen aus dem All (Beate Kittel) ein Schaf für seinen winzigen Planeten.
Die Darsteller schlüpfen von Szene zu Szene nach einander in die beiden Hauptfiguren und in die Gestalten, denen der kleine Prinz auf seiner Reise zu den unterschiedlichen Menschen begegnet, den "großen Leuten", die doch alle "entschieden merkwürdig" sind. So zu erleben sind Annegret Schüppler, Gabriele Munzert, Manfred Artus, Ulrike Heckl-Fischer, Ruth Brückner und die tänzerisch noch immer nahe gehende, 85-jährige Christa Fedder.
Überhaupt veranschaulichen, vertiefen intensive Bewegungs-, richtige Tanztheaterszenen immer wieder das Erzählte.
Das Bühnenbild von Marisa Nuxoll und Janosch Dahabi, zwei Studierende der Hochschule Coburg, schafft einen stimmungsvollen freien Assoziationsraum, mit farbig reflektierendem Rückprospekt und zwei lichtdurchlässigen Wänden, auf denen im Gegenlicht und als Schattenriss das Ensemble die wechselnden Szenenhintergründe projiziert.
Der kleine Prinz findet zurück zu seiner Rose, an der er zweifelte. Er hat verstanden, was Liebe ist. - 45 Minuten beglückendes poetisches Theaterspiel, nicht mehr und nicht weniger schenkt der Club 56 in diesem Jahr.

Landestheater Coburg Club 56: Projekt "Der Kleine Prinz".
Regie: Denise Madeleine Schliefke, Sandrina Nitschke;
Ausstattung: Marisa Nuxoll, Janosch Dahabi;
Darsteller: Wolfgang Müller, Beate Kittel, Annegret Schüppler, Gabriele Munzert, Manfred Artus, Ulrike Heckl-Fischer, Ruth Brückner, Christa Fedder

Weitere Vorstellungen 26., 27. Juni, 18 Uhr, in der Reithalle