Gemächlich schlendert Karla über den Ketschenanger und blinzelt in die Nachmittagssonne. Um sie herum liegen metallene Stützen, und ein paar Meter weiter rattert ein Presslufthammer. Die Stützen werden noch im Lauf des Dienstags das Zeltdach tragen, und heute, am Mittwoch, wird auch Karlas Quartier am hinteren Ende des Platzes etwas behaglicher eingerichtet: Dann bekommt die Elefantin Sand ins Gehege, Zweige, einen Kratzbaum - "wie es den Vorschriften entspricht", sagt Reto Hütter.

Der Schweizer ist der Tourneeleiter beim Cirus Carl Busch, Manuel Wille-Busch, der Elefantendompteur, ist der Juniorchef. Er hat die fast gelangweilt wirkende Karla am Ohr gefasst und führt sie über den Platz, gefolgt von den beiden Clowns Tony Tonito und Mario. Die beiden kommen aus Spanien und kauderwelschen munter in einem Gemisch aus Spanisch, Italienisch und Englisch. Es sei ihr erstes Gastspiel in Deutschland, erzählen sie. Die zwei Clowns und der Elefant sollen posieren fürs Foto: Morgen beginnt das viertägige Gastspiel des Zirkus in Coburg.

Kaum ist Karla auf der Asphaltfläche erschienen, strömt Publikum herbei: Schüler fotografieren die indische Elefantin mit ihren Handys, Anna-Lena Koller wagt sich sogar bis auf Armlänge heran. "Nur weiter", ruft Manuel Wille-Busch ermunternd. "Sie können sie auch anfassen."

Aus Karlas Bauch kommt ein dumpfes Grollen, wie ein Dieselmotor. "Das bedeutet, dass sie sich wohlfühlt", erläutert Reto Hütter. Elefanten können also schnurren.

Während Karla gemütlich und diesmal ohne Führung am Ohr wieder davontrottet - draußen ist's schließlich kalt, und ihr Zelt ist beheizt - strahlt Anna-Lena Koller vor Begeisterung über die Begegnung und den Hautkontakt: "Das fühlt sich schön an! Ich hatte gerade Feierabend, und als ich beim Vorbeifahren den Elefanten gesehen habe, sind wir sofort umgedreht." Für Reto Hütter ganz normal: "Die Leute lieben Elefanten."

Karla ist freilich nur die Vorhut. Die anderen Tiere, darunter ihr Elefanten-Partner Maschibi sowie weitere Artisten werden erst heute aus Nördlingen hier eintreffen. Carlo dagegen ist schon da und flachst mit Manuel Wille-Busch. "Carlo ist vom Duo Triberti", erzählt der Juniorchef. "Das ist die Rollschuhtruppe, die in ,Supertalent‘ aufgetreten ist. Carlo hat dort die Michelle Hunziker durch die Luft geschleudert!" Anna-Lena Koller wirkt beeindruckt.

Rollschuhnummern, Operngesang - was die Zuschauer ab Donnerstag erwartet, klingt nicht unbedingt nach Zirkus. Dank einer Ausnahmegenehmigung darf der Zirkus auch am Volkstrauertag Vorstellungen geben, mit einem leicht geänderten Programm.

"Viel Poesie", verspricht Reto Hütter, der Tourneeleiter. In dem Moment rattern ganz unpoetisch die Presslufthämmer wieder los. Aber auch das gehört zum Zirkusleben. Reto Hütter hat schon als kleiner Junge davon geträumt und sich vor 27 Jahren, nach seiner Banklehre dem Zirkus Sarrazani angeschlossen. "Einmal Zirkus, immer Zirkus", sagt er. "Man kommt leicht rein, aber nur schwer wieder hinaus."