Casimir erlässt Gesetze

Casimirs Gesetzgebung betraf auch den eigenen herzoglichen Besitz in Form von Bestimmungen gegen Wald-, Wild- und Fischereifrevel, aber auch spezifisch städtische Belange Coburgs wie die Schließungszeiten der Tore, die Meldepflicht von Fremden in Gasthäusern, die Quartiernahme in den Vorstädten, mehrfach den Verhaltenskodex der städtischen Schützen, der auch in einer eigenen Schützenordnung festgeschrieben worden ist, oder die Abhaltung von Märkten.

Breiten Raum nahm die Prävention gegen herumziehendes Gesindel und marodierende Soldateska ein; sie veranschaulicht überdeutlich die Bedrohungen jener unruhigen Zeit: "Nachdem unterschieden groß Klagen vnd Beschwerde vorkommen, wie sich die allhier in Garnison ligende Tragonen und Soldaten, zumal dero Troß, Jungen vnd Gesindlein gelüsten lassen, eigenes Willens vnd Gefallens ohne Paß außzureiten vnd zugehn, auffm Felde zum Raub umzustreichen, in die Gärten vnd Weinberg zu brächen, darinnen an Bäumen vnd Früchten Schaden zuzufügen, das Graß abzuschneiden, abzufretzen vnd abzutragen, hierüber Bürger vnd Bauern, zumal aber das Arme mit Victualien vnd anderen zur Stadt vnd wider anheimbs wanderenden Landvolck anzutasten vnd zuspoliiren ..."

Eine besondere Stellung nahm eine Serie von Apotheker- und Medizinalordnungen zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung ein. Die früheste Apothekerordnung der Regierungszeit Casimirs stammte aus dem Jahre 1573; auch sie wies eine Liste mit genauen Preisangaben der Arzneien auf. Ihr folgte dann schon 1607 eine Neuauflage mit der Begründung nach: "... demnach die Apotheken allhier in Coburgk in zimlichen abfall vnd vnordnung ein zeitlang her geraten ..."

Als im Jahre 1630 eine Pestwelle begann, sich in Europa auszubreiten, wurden umgehend Richtlinien erlassen, "wie es bey den Leufften ansteckender Pestilentzischen Seuch zu halten sei ..." Neben Wirtshaushygiene, Überprüfungen an den Stadttoren und Ausräucherung von Zimmern Verstorbener wurde Folgendes angewiesen: "...die Gassen so viel möglich rein zu halten, vnd sol niemand etwas vnsauberes, vnfletiges oder das durch verwesung Stanck erzeugen möchte auff die Gassen werffen, schütten oder giessen bey vermeydung willkührlicher Straff".

Er regelt Frömmigkeit und Ehe

Auch in den - aus heutiger Sicht - privaten Bereich griffen Dekrete Casimirs ein: Unter Berufung auf das heilige hohe Werk Gottes suchte er durch Verordnungen zum Beispiel die Frömmigkeit seiner Untertanen zu steigern. So hieß es zum Beispiel in einem Dekret vom Jahre 1622: Ferner sollen sich die Bürger "der Gottesfurcht, Zucht vnd Erbarkeit gentzlich befleissigen, zu Gehör Göttlichen worts vnd gebrauch der hochwürdigen heylsamen sacramente jeder Zeit finden, ihr Leben darnach anstellen vnd richten. Vnd welcher sich davon entziehen wollte, der soll mit Ernst darzu ahngehalten, auch nach verbrechung gestrafft werden. (...) Die Jungen sollen vor vnd nach Essen wie auch die andern alle mit fleissig beten vnder werenden beten kein Gewesch, lachen oder andere Narrerey treiben. Der hierin begriffen, soll gestrafft werden."

Ebenso regelte der Fürst die Normen des ehelichen Verhaltens oder erließ rigid einschränkende Kleiderordnungen zur Eindämmung der "übermaßigen Pracht, Schwelgerei vnd Vnordnung, sonderlich auff Verlöbnissen, Hochzeiten, Kindtäufften, Begräbnis vnd dergleichen Zusammenkunfften in Kleidern, Essen, Trinken unterm falschen Schein selbst eingebildeten Ehrn".

Er verdeutlichte damit sehr wohl, dass es hier klare Standesgrenzen gab, die stillschweigend natürlich nicht für seine üppige Hofhaltung galten: "Was aber andere gemeine Bürger vnd begüterte Handwerksleute betrifft, die sollen so wohl als ihre Weiber vnd Kinder nichts von gutem Sammet oder Seiden tragewn außer der Krägen auf den Mäntel."

Solche Erlasse waren tatsächlich von einem Verantwortungsgefühl im Blick auf die vom Herzog zu wahrende göttliche Ordnung getragen.

Dem gleichen Bewusstsein entsprang seine, uns heute so unverständliche, ab 1612 immer mehr hervortretende Obsession gegen vermeintliche Hexen. Unbelehrbar gegenüber harscher Kritik, deren Wortführer der Theologe und Rektor des Gymnasiums Casimirianum, Johann Matthäus Meyfart, war, und in der absoluten Überzeugung, dass er aus patriarchalischer Fürsorglichkeit für seine Untertanen handele, ließ Casimir insgesamt 178 Hexenprozesse führen. In deren Sog gerieten dann sogar die bürgerlichen Führungsschichten Coburgs. Immer konnte sich Casimir jedoch auch auf den paranoiden Verfolgungs wahn breiter Bevölkerungsschichten in Coburg stützen.