Die Dorfweihnacht. Das Backofenfest. Der Scheuerfelder Vereinskalender. Gäb's vermutlich alles nicht ohne den Bürgerverein Scheuerfeld. Doch dafür ist er eigentlich vor 40 Jahren nicht gegründet worden. "Er sollte sozusagen den Scheuerfelder Gemeinderat ersetzen, wenn Scheuerfeld ein Stadtteil von Coburg wird", sagt Werner Leib. Er war einer von damals 48 Scheuerfeldern, die bei der Bürgerversammlung am 15. April 1972 den Verein gründeten. Er wurde dann auch gleich zum Schriftführer gewählt.

30 Jahre war Leib im Verein aktiv, als Mitglied im Vorstand und einige Jahre lang als Vorsitzender. Damals, Anfang der 90er Jahre, kämpfte der Bürgerverein gegen eine mögliche "Westtrasse" der A 73. Sie hätte westlich an Coburg vorbeigeführt. Die Wahl fiel aber dann auf die Osttrasse und vielen Scheuerfeldern vermutlich ein Stein vom Herzen.

Denn Scheuerfeld entwickelte sich nach der Eingemeindung zu einem der großen Baugebiete der Stadt. Dass Flächen für neue Wohnhäuser zur Verfügung standen und die Scheuerfelder schon vorher aus eigener Kraft Wasserleitung, Kanal und ordentliche Straßen finanziert hatten, war die Mitgift, die die "Gääßbauern" in die Ehe mit der Stadt einbrachten.

Die Alternative zur Eingemeindung wäre eine "Gemeinde West" gewesen, erinnert sich Werner Leib. Weidach, Weitramsdorf, Neundorf sowie Scheuerfeld und Beiersdorf hätten dazugehören sollen. Doch der Gemeinderat spielte nicht mit, und die Scheuerfelder auch nicht: Sie entschieden sich in einer Abstimmung für die Eingemeindung nach Coburg. Die Stadt lockte mit Busanschluss und dem Versprechen, Straßenlaternen zu installieren.

Klage über Informationsfluss

Daraus wurde freilich so schnell nichts, wie der Bürgerverein alsbald monierte. Doch inzwischen stehen die Laternen, "und wir sind auch regelmäßig bei den Verkehrschauen dabei", sagt Hubert Pieschel, der heutige Vorsitzende des Bürgervereins. "Aber der Informationsfluss könnte manchmal besser sein."

Dabei sind die Scheuerfelder im Stadtrat eigentlich gut vertreten: Alfred Lieb (CSB), Roland Eibl (CSU) und Mathias Langbein (SPD) zählen als Scheuerfelder, obwohl Langbein in Tiefenstein wohnt. Diese Siedlung gehörte seit jeher zu Coburg, auch wenn sie unmittelbar an Scheuerfeld grenzt. Dafür gehört der Vogelherd zu Weidach, auch, wenn er in Scheuerfeld zu liegen scheint.

Mit Weidach bestand vor 40 Jahren auch noch ein Schulverband. Den gibt es nicht mehr, doch den Scheuerfeldern liegt ihre Grundschule nach wie vor am Herzen. Allerdings gehört der Stadtteil zum Sprengel der Melchior-Franck-Schule auf der Hut. Es ist zwar vorgesehen, dass das Scheuerfelder Schulgebäude genutzt wird, doch dafür muss es auch in jedem Jahrgang genügend Kinder geben.

Auch hier, kritisiert die stellvertretende Vorsitzende Elfi Strobel, habe die Stadt nur unzureichend über die Entwicklung berichtet. "Die glauben vermutlich, dass die Stadträte uns informieren", mutmaßt Hartmut Forkel, ebenfalls einer der Vereinsgründer.

Noch heute versteht sich der Bürgerverein als Wahrer der Interessen des Stadtteils. Das dörfliche Leben von 1972 gibt es freilich nicht mehr - auch wegen der Neubaugebiete. Die Neubürger wissen wenig vom früheren Dorfleben. Der Bürgerverein bemüht sich trotzdem, so etwas wie eine Scheuerfelder Identität zu stiften. Alle zwei Jahre organisiert er die Scheuerfelder Dorfweihnacht. Sie wird zwar von allen Scheuerfelder Vereinen unterstützt, "doch wenn wir nicht anschieben, läuft nichts", seufzt Elfi Strobel.

Kuchen und Weihnachtsbaum

Auch das jährliche Backofenfest gehört zu den selbst auferlegten Pflichten, und, so wie die Dinge liegen, auch das Aufstellen des Weihnachtsbaums. Das hatte jahrelang die Stadt organisiert und 2011 eingespart. Kurzerhand ließ Elfi Strobel eine Tanne im eigenen Garten fällen, die eh weg musste. Ähnlich wird es in diesem Jahr wieder laufen - den Baum will aber diesmal Alfred Lieb spenden.

Im Jahr 2000 organisierte der Verein die Feier zum 900. Dorfjubiläum.

"Das war schon ein Highlight", erinnert sich Hartmut Forkel. Auch am jährlichen Kirchweihfest ist der Bürgerverein federführend beteiligt, druckt die Handzettel und organisiert die "Ständela". Sonst, sagt Elfi Strobel, könne der Verein den Mitgliedern freilich nur wenig bieten: "Wir verleihen keine Vertikutierer und keine Gartenscheren." Der Verein engagiere sich vor allem "ideell", ergänzt Hartmut Strobel - eben für das gesellschaftliche und polische Leben im Dorf. Dabei achtet der Bürgerverein penibel darauf, parteipolitisch neutral zu bleiben.

Fest am Freitag

Zumindest aber ist der Verein in vielen Scheuerfelder Haushalten präsent: Zwei mal im Jahr bringt er den Kalender mit den Scheuerfelder Vereinsterminen heraus. Rund 170 Mitglieder zählt der Verein derzeit, und es melden sich auch wieder Unter-30-Jährige an, wie Pieschel stolz berichtet. "Interesse an der Dorfgemeinschaft und dem, was hier geschieht" sollten die Neuen mitbringen, sagt Werner Leib. Die nächste Gelegenheit, den Bürgerverein und den Stadtteil Scheuerfeld näher kennenzulernen, besteht am Freitag, 16. November. Um 19.30 Uhr findet im Untergeschoss der Turnhalle des TSV Scheuerfeld die Herbstversammlung statt.

Weil dabei an die Vereinsgründung erinnert werden soll, wurde ein unterhaltsames Programm zusammengestellt. Roland Eibl liest Ausschnitte aus der Scheuerfelder Chronik. Außerdem werden die Filme "900 Jahre Scheuerfeld" aus dem Jahre 2000 und "Scheuerfeld - eine Zeitreise" von Wolfgang Knab vorgeführt. Den musikalischen Rahmen setzt die "Fränkische Volksmusikgruppe Gereuth".